VN Do, 16.5.2002

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Konzeptuell, innovativ, reflexiv

Die Ausstellung "Reale Malerei" zeigt zehn Positionen im Kunst Raum Dornbirn

Dornbirn (VN-ag) Die Malerei ist der Leitfaden, zu sehen sind zehn Positionen aus Österreich, vier davon aus Vorarlberg, und allen gemeinsam ist ein konzeptueller Zugang zum Thema. Auf diesen Grundlagen baut die Ausstellung "Reale Malerei" im Kunst Raum Dornbirn auf.

Kuratiert von der in Wien lebenden Susanne Berchtold, die vergangenes Jahr die Sonderschau "Zeichnungs-Arten" der art bodensee konzipierte, dreht sich im Kunst Raum alles um die eine Frage: Was kann ein Bild heute bedeuten? Fast möchte man die Gegenfrage stellen: eine weitere Schau zum Thema, und wieder keine bzw. viele Antworten, wenn einmal mehr die Frage nach der Malerei der Malerei die Show zu stehlen droht? Aber in diesen theoretischen Überbau verwickelt "Reale Malerei" fast unbemerkt, auf ebenso subtile wie ironische Weise.

Bildprozesse

So macht es der Ausschnitt aktuellen Kunstschaffens dem Besucher zumindest auf den ersten Blick leicht, denn es spielt sich fast alles an der Wand ab. Was aber bei diesem Streifzug durch die jüngere österreichische Malerei geboten wird, sind keine Tableaus im klassischen Sinn. Malerei präsentiert sich vielmehr als innovatives und reflexives Medium, das in der Auslotung seiner Grenzen die Randbereiche zum Kern macht. Was die Vorarlberger Beteiligung betrifft, so sind mit Miriam Prantl, Karl-Heinz Ströhle und Gerold Tagwerker durchwegs bekannte Positionen vertreten, Prantl und Tagwerker mit Arbeiten für den Raum. Hinzu kommt der junge Stefan Waibel, dessen von der Wahrnehmung geprägte Werke dem Anspruch des klassischen Tafelbildes ziemlich nahe kommen. Doch erst in den meditativen, aber ungemein kraftvollen Bildern der Tirolerin Andrea Bischof erfüllt diese Prämisse mit allem was dazugehört - Pinsel, Farbe, Leinwand.

Demgegenüber steht im Raum das monumentale Walzenbild von Hannah Stippl mit seinen zwei Ansichten als "Nichtmalerei" und als "Spiel mit ... codierten Gestaltungsmöglichkeiten" (Berthold Ecker, Katalog). Während der "Bildhauer" Michael Kienzer Meterware als Material für seine den traditionellen Wandteppich paraphrasierenden "Teppich-Zeichnungen" verwendet, sind die "Würfelbilder" von Christian Stock in der Grauzone zwischen Skulptur und Malerei angesiedelt. Unermüdlich über die Jahre aus monochromen Farbschichten aufgebaut, sind sie Farbe, massiv. Einen anderen Weg beschreitet die mit Material experimentierende Barbara Höller, die Löcher in MDF-Platten bohrt und sie mit Farbe füllt. Der Trocken- bzw. Schrumpfprozess verdeutlicht das Phänomen Zeit in einer Malerei, die sich wie eine Versuchsfläche aufspannt, während die Raumbezüge von Sabina Hörtner mit der Linie als Konstrukt, eingebunden in ein visuelles Vexierspiel, operieren.

Kunst Raum Dornbirn bis zum 30. Juni. Geöffnet: Di. bis Sa. 16 bis 19, Sonn- und Feiertag 10 bis 12 und 16 bis 19 Uhr.

Fließende Grenzen zeigen

Der Titel "Reale Malerei", so Susanne Berchtold, nimmt Bezug auf das, was Malerei heute sein kann. "Die Ausstellung beschäftigt sich mit realen Objekten und mit der Malerei als Realie. Gleichzeitig ist der Titel auch ironisch zu verstehen, da alle Positionen aus der nicht-figurativen Malerei kommen." Ihre Auswahl, die "natürlich einen bestimmten Blickpunkt spiegelt", versteht die Kuratorin als "richtungsweisende Positionen mit einem gewissen Stellenwert".

Wichtig waren ihr die "Crossings", wie es sie nicht nur in der Musik, sondern auch in der bildenden Kunst gibt, und das Aufzeigen der fließenden Grenzen.

"Reale Malerei" hat mit herkömmlichen Tableaus wenig zu tun.

(Foto: Grabher)




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