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Die Hoffnung bebt wieder!

12.01.2007 | 00:00 | ALMUTH SPIEGLER (Die Presse)

Liebe Frau Kunstministerin! (Hm, klingt das schön . . .)

Erst einmal Glückwunsch zu Ihrem neuen Job, auch wenn er unterbezahlt und undankbar sein wird. (Diese Künstler, sag' ich Ihnen, die sind gerade stinksauer auf die SPÖ . . . ) Ihre Bestellung war eine ziemliche Überraschung - und doch überrascht sie mich letztlich wenig.

Bank- und Versicherungsmenschen scheinen heute nahezu die einzigen zu sein, die sich außer der Kunstszene selbst für diese interessieren. Heißen sie jetzt Treichl, Konrad oder Schmied. Betreiben sie Kunstforen, Foundations, Ostkunst-Sammlungen oder sitzen in Museumsaufsichtsräten. Die restliche Wirtschaft? Hängt mit ihren Energydrinks und Autoteilen am Fußballfeld herum.

Wo Geld aber nicht nur Rendite machen, sondern auch glänzen soll, da muss die Kunst her. Das wussten schon die Medici-Banker im alten Florenz. Und, ganz ehrlich, schlecht sind die Künstler bei diesem Gegengeschäft nicht ausgestiegen. Vorausgesetzt, sie hatten Charakter.

Ja, der Charakter, liebe Frau Ministerin. Der schleimige Kampf um Ihre Gunst hat bereits begonnen, die Folien in den Blumengeschäften im ersten Bezirk rascheln schon ganz ekstatisch - wer wird es wohl werden, der Rosenkavalier der neuen Ministerin?

Verbal führt bisher eindeutig Klaus Albrecht Schröder (Albertina) vor Peter Noever (MAK): Findet der eine das "neue Gesicht" zwar durchaus charmant "erfrischend", schwelgt der andere sogar in scheinbar gemeinsamen Kindheitserinnerungen ("hat Kunst und Kultur von Kindesbeinen an aufgesogen") und Superlativen ("eine Idealbesetzung"). 100 Herzen, Herr Schröder, das mit dem Hasen wird nächstes Mal schon klappen.

Oder auch nicht. Hoffentlich. Auf Ihrem Scharfsinn und Ih rer Durchsetzungskraft, Frau Kunstministerin, liegen die Hoffnungen vieler Frustrierter. Die Bundesmuseen brauchen dringend klarere Profile, wie es auch im Koalitionsabkommen steht ("Präzisierung des kulturpolitischen Auftrags").

Dann sollte es etwa keine reine Selbstbejubelungsmeldung mehr sein, dass Schröder die Sammlung Forberg als Dauerleihgabe für die Albertina gewinnt. Denn was, bitte, hat eine "Grafische Sammlung" eigentlich mit den ebenfalls in dieser Sammlung befindlichen Gemälden klassischer Moderne zu schaffen? Wären diese nicht besser im Museum moderner Kunst aufgehoben? Oder vielleicht doch besser in der Österreichischen Galerie? Chaos trifft Gier.

Liebe Frau Kunstministerin, viel Erfolg. Und Vorsicht vor den Dornen.


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