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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
11. Oktober 2007
16:26 MESZ
Link: www.albertina.at  
FOTO:  APA / WILLIAM KENTRIDGE / ALBERTINA
William Kentridge: 'Woman with Telephone' (Kohle, 2000)

"Kunst nach 1970. Aus der Albertina"
Schröders "naturgemäß ungerechte" Auswahl an Künstlern spannt sich von Baselitz bis Weiler

Wien - Bis 16. März zeigt die Albertina unter dem programmatischen Titel "Kunst nach 1970" mit 120 Exponaten (u. a. aus der Sammlung Batliner) einen prominenten Querschnitt der letzten 30 Jahre des 20. Jahrhunderts und versammelt Werke von Arnulf Rainer, Max Weiler über Maria Lassnig und Herbert Brandl bis hin zu Anselm Kiefer.

Szenenwechsel halbjährlich

Die Auswahl müsse "naturgemäß ungerecht" sein, erklärte Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder bei der heutigen Presseführung die selektive Präsentation - immerhin besitzt die Albertina 20.000 Werke an Kunst seit 1970 - der Künstler. Dies sei aber gerade vor dem Hintergrund, künftig zweimal jährlich einen Szenenwechsel vorzunehmen, durchaus vertretbar. Die Leitidee der bis zum 16. März kommenden Jahres gezeigten Schau sei es gewesen, jene Künstler auszuwählen, die die "traditionellen Techniken verändert, weiterentwickelt und neu definiert" haben. Einer der Schwerpunkte liegt daher auf dem Holzschnitt: Diese "zur kunstgewerblichen Technik abgefallene" Methode haben etwa Anselm Kiefer und Franz Gertsch - wenn auch auf diametral entgegengesetzte Weise - erneuert.

Eine "existenzialistische Schwere" ortet Schröder bei Kiefer, der mit groben Baulatten und Teer als Pigment neue Akzente setzte. Als Beispiele dienen hier etwa das große Gemälde "Wege der Weltweisheit: Die Hermannsschlacht" aus dem Jahr 1993 oder das im selben Jahr entstandene Werk "Der Rhein". Dem gegenüber steht Gertsch, der seine fotorealistischen Arbeiten - etwa die Landschaftsserie "Rüschegg" (1988/89) - durch die "Monochromie und das zarte Gespinst aus Lichtpunkten der Natur gleichsam entmaterialisiert und spirituell deutet", so der Direktor.

Maria Lassnig und Kohle

Einen ganzen Raum füllen in unterschiedlichen Schaffensperioden entstandene Arbeiten von Maria Lassnig, die der Albertina laut Schröder erst kürzlich 35 Aquarelle und Gouachen geschenkt hat. Sowohl sie als auch Herbert Brandl und Georg Baselitz hätten der Aquarellmalerei eine "neue Facette" hinzugefügt. Die Entscheidung, großflächige ab dem Jahr 2000 entstandene Aquarelle Brandls zu zeigen, sei bewusst als Kontrast zu den Ölgemälden bei der Biennale in Venedig gefallen. Auch Baselitz hat sich nach 1995 deutlich von seinen Ölgemälden zugunsten der Transparenz und Leichtigkeit wegbewegt. Von ihm wird etwa "Einer mal mein Porträt" oder "In the Works Canteen (Kobozev)" gezeigt.

Die dritte Säule der Ausstellung bildet schließlich die Kohlezeichnung, die lange Zeit lediglich als Vorstudie verwendet worden war. In "Kunst nach 1970" werden die Arbeiten als gleichrangige und unverwechselbare Kunstwerke präsentiert. Vertreten sind in der Schau Robert Longo mit der eindrucksvollen Serie der Haustüre Sigmund Freuds und William Kentridge, die Kohle einerseits fotorealistisch, andererseits expressiv verwenden. Alex Katz wiederum - sein Bild "Jessica" ist das Titelsujet der Ausstellung - steht in der Ausstellung exemplarisch für die in Vergessenheit geratene Gattung des Künstler-Kartons, der von ihrer vorbereitenden Funktion befreit wurde. Arnulf Rainer schließlich dient das Medium der Zeichnung für sein experimentelles Ausloten von Figuren, Gesichtern und des eigenen Körpers. Von ihm zeigt die Albertina unter anderem die Serie "Face Farces" aus den frühen 70er-Jahren sowie die "Totenmasken". (APA)


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