Galerie Engholm Engelhorn, bis 4. 11. .
Schleifmühlgasse 3, 1040 Wien.
www.engholmengelhorn.com

Der Raum als das "Behältnis aller Dinge, als ein Etwas, darin jeder Körper oder jegliche Wesenheit ihr Sein oder Bestehen findet oder (hier und dort nach der Maßgabe der benachbarten Gegenstände) zu finden vermag".
Das hat Otto von Guericke über den Raum gesagt und die Worte des deutschen Tausendsassas aus dem 17. Jahrhundert (Guericke war Jurist, Naturwissenschafter, Tierarzt, Erfinder und viele andere Dinge auch) haben bei Hans Schabus Wohlgefallen ausgelöst. Räume, das ist das, was Schabus nur allzu gerne durchbohrt, baut oder was er sich und anderen verweigert. Ihn interessiert sein Wesen, seine Begrenztheit wie Unendlichkeit.
In der Galerie Engholm Engelhorn richtet man dem Künstler, der seit seiner Ausstellung "Der Passagier" (2000) ebendort eine internationale Bilderbuchkarriere hingelegt hat, eine Personale aus. Eine Ansammlung von Zitaten aus vorangegangenen Arbeiten und Ausstellungen, die unter dem Titel "Verlangen und Begehren" zusammengefasst sind. Man könnte sie im Sinne Guerickes aufeinander beziehen: An der geknickten Türe vorbei "Up Side Down (On Knees and Nose)" zum nutzlosen Fenster an der Wand ("Against the Wall") treten, das Hinweisschild 572 kg Luft (aus der Serie "Ich weiß mir keinen Helfer") zu einer Geschichte verweben. Und. Und. Ja, dann könnte man - mit dem Kopf durch die Wand - befriedigende Verbindungen ziehen, Räume erschließen.
Aber, was ist, wenn sich etwas nicht als Kontinuum erzählen will, wenn das "Verlangen und Begehren" nach einer Interpretation der Ausstellung fehlschlägt? Verweigert haben sich auch Schabus Briefmarken "Übrig geblieben (Welt)", die sich einfach nicht in sein übliche Farbsortierschema pressen ließen. Schabus hat sie umgedreht, aber ihre uneinsichtigen Rückseiten dennoch vorher seiner Farbordnung unterworfen. Nett. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.9.2008)