
vergrößern 600x426Einladung in den Swingerclub "Element6", der bis 18.04.2010 in der geschichtsträchtigen Wiener Secession seine Heimat hat.
Wien - Hohe Wellen schlägt seit dem Wochenende die neue Ausstellung von Christoph Büchel in der Secession: Der Schweizer Künstler, der bereits vor einigen Jahren in Kassel ein Solarium, einen Billig-Supermarkt und ein Wettbüro im Fridericianum installiert hat, bespielt das Untergeschoß der Secession nun mit einem echten Swingerclub.
Tagsüber werden jene Besucher, die sich für das Beethovenfries interessieren, durch die leeren Räumlichkeiten geschickt (Jugendliche ausgenommen), in der Nacht läuft im "Element6" Normalbetrieb, wie diePressesprecherin der Wiener Kunstinstitution Urte Schmitt-Ulms erklärte.
Gepaarte Institutions- und Gesellschaftskritik
Der Künstler, der in seinen Rauminstallationen und Projekten stets reale Gesellschaftszustände inszeniert und soziale Situationen in den Kunstraum transportiert, spielt auch auf die Raumvermietung von Kulturinstitutionen an. Und eben diese Vermietungskonstellation schlägt sich auch in der in den Medien kritisierten Finanzierung der Schau nieder, so Schmitt-Ulms. Die Secession finanziere sich zu zwei Dritteln selbst, im Falle der Ausstellung von Christoph Büchel kommen die Einnahmen aus den Eintrittspreisen des "Vereins der kontaktfreudigen Nachtschwärmer", der für die Dauer der Ausstellung von der Kaiserstraße in die Secession gezogen ist.
Ein bereits historischer Skandal
Die ausgelöste öffentliche Diskussion ist jedenfalls intendiert: So spielt Büchel auf jenen Aufruhr an, den Gustav Klimt einst mit seinem Beethovenfries ausgelöst hat. Dieses sei heute kein Skandal mehr, so die Pressesprecherin, die Installierung eines Swingerclubs in den Räumlichkeiten der Secession hingegen sei der damaligen Situation ähnlich.
Organisatorisch habe es im Vorfeld einige Arbeit gegeben: Die Konzession bringe der Club selbst mit, zum Schutz des Beethovenfrieses ist der ebenfalls als Swingerclub gestaltete Raum in der Nacht geschlossen, die im Nebenraum installierte Sauna dient lediglich der Vollständigkeit, in Betrieb geht sie aus konservatorischen Gründen nicht. Die von der Tageszeitung "Österreich" genannten Umbau-Kosten von 90.000 Euro könnten laut Secession "so stimmen, aber es ist ja noch nicht alles fertig". (APA)
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100 bis 200 Jahren sind, lt. Pressesprecherin, die Dinge, die heute
nicht ohne Murren akzeptiert werden, ja ohnehin ganz normal.
Kranke Welt.
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