In luftiger Höhe wehen frech die weißen T-Shirts: Ihr
Aufdruck "Young Stars" lockt im Wiener Semperdepot zwei steile Treppen
hinauf in die oberste Galerie. Im Rahmen der Möbelmesse "Home-Depot"
erkämpften sich hier 13 junge Designer einen Platz. Alle haben ihre
Ausbildung in Österreich erworben: "Wir sind junge Leute, die an der
Schwelle stehen", so beschreibt Adam Wehsely-Swiczinsky ihre Situation
zwischen Ausbildung und Karriere.
Für wenige Tage bietet also das Semperdepot eine der
raren Möglichkeiten, junges, heimisches Produktdesign bewußt wahrzunehmen.
Nächste Gelegenheit wird wohl eine von der "Angewandten" noch für Sommer
geplante Ausstellung von ehemaligen Studenten sein, die bei Paolo Piva
studiert und dann Karriere gemacht haben.
Wohin aber in Wien, wenn man sich regelmäßig über
aktuelles Design informieren möchte? Die vielbeworbene "Designzone" im
Looshaus zeigt nur zwei Ausstellungen pro Jahr, das Museum für angewandte
Kunst präsentiert seinen "Design Info Pool" (DIP) bloß in Schaukästen des
Museums oder präsentiert für einen kurzen Abend junge Designer bei der
dienstäglichen "MAK-Nite". Seit zwölf Jahren wird das Archiv über
heimisches Gegenwartsdesign geführt, erfaßt derzeit 700 Designer, die
Hälfte von ihnen können auch im Internet abgerufen werden. "Wir haben eine
virtuelle Designsammlung. Die Objekte physisch zu sammeln ist unmöglich,
da gibt es weltweit nichts Vernünftiges. Das Problem ist die Auswahl. Sie
können ja nicht jedes Häferl sammeln", meint MAK-Direktor Peter Noever.
Ähnliches passiert im Technischen Museum: Dort werden
etwa Handys gesammelt, doch unter anderen Prämissen - das Design steht
nicht im Vordergrund. Doch das könnte sich ändern. In den neuen
Schausammlungen "Lebensräume" und "Medienwelten" (Eröffnung bis 2005)
plant Direktorin Gabriele Zuna-Kratky einen Design-Schwerpunkt:
"Österreich wird in diesem Bereich immer so eine Art Holzschlapfigkeit
vorgeworfen, aber das Bewußtsein ist sicher da, man muß nur etwas
anbieten".
Wird man die "Holzschlapfen" schon vor 2005 los? Die
Bawag plant immerhin vor dem Wiener Museumsquartier, Ecke
Mariahilferstraße, ein Design-Zentrum. Aufgabe soll die "wissenschaftliche
Beschäftigung mit dem Thema Design" sein, hört man aus der Bawag, doch sei
der Plan noch "unausgegoren". Die Stadt Wien würde das Zentrum jedenfalls
begrüßen.
Auch die in Graz ansässige "Österreichische
Design-Stiftung" hat Pläne für Wien. Die Suche nach einem repräsentativen
Ort für Büros und Ausstellungsfläche soll schon intensiv laufen.
Vorsichtig gibt sich noch der Vorstandsvorsitzende, KTM-Boß Stefan Pierer:
"Natürlich werden wir nach Wien gehen, aber wir müssen es uns auch leisten
können. Am Ende des Tages wäre das natürlich toll."
Die im Jahr 2000 gegründete Initiative hat heute 45
Stifter, namhafte Unternehmen wie Siemens, Bank Austria, Magna Europa
sowie Wirtschaftsministerium und Bundeskanzleramt. Pierer: "Wir haben ein
Kapital von 727.000 Euro (10 Mill. S). Unser Ziel: Das Thema Design als
Wettbewerbsfaktor bewußtzumachen."
Mit den Expansionswünschen scheint die Stiftung aus ihrem
Dornröschenschlaf zu erwachen. Die Homepage soll neu gestaltet, "ein
lebendes Design-Archiv geschaffen werden, professioneller als der DIP vom
MAK", so Vorstandsmitglied Stefanie Grüssl aus dem Wirtschaftsministerium.
Auch eine personelle Änderung weist in eine neue
Richtung. Teresa Reininghaus, bisherige Geschäftsführerin der Perform
GmbH, die für die operative Arbeit gegründete Tochtergesellschaft, wird
Mitte des Jahres die Leitung übergeben. "Sie hat den organisatorischen
Aufbau betreut, jetzt geht es um das Inhaltliche. Eine Ausschreibung für
ihren Nachfolger läuft, der auch einen Design-Background, eine
dementsprechende Ausbildung hat", so Pierer.
Ein weiteres Vorhaben der Stiftung ist ein eigener Preis.
Pierer: "Wir wollen ihn jährlich für erfolgreiches Design in Österreich
vergeben - aber das soll keine Konkurrenz zum Staatspreis werden".
Nach fünfjähriger Pause wurde 2001 der Staatspreis für
Design wiederbelebt. Benannt nach Adolf Loos, wird er alle zwei Jahre
vergeben und gliedert sich in drei Kategorien: Die erste, Produktdesign,
wurde in Konsum- und Investitionsgüter aufgeteilt. Der Staatspreis wird an
einen der beiden Gewinner vergeben, die je 7276 Euro (100.000 S) von der
Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien erhalten.
Reform für Loos-Preis?
Die zweite Kategorie ist der "Joseph Binder Award" für
räumliche Gestaltung (5450 Euro, 75.000 S), den der Berufsverband Design
Austria verleiht. Mit derselben Summe stattet das BKA den "Förderungspreis
für experimentelles Design" aus. Kritik gibt es in Fachkreisen an der
unübersichtlichen Gliederung. Auch bei den Verantwortlichen wurde bereits
eine Reform angedacht, etwa die Vereinheitlichung des Namens.
Zwei Wanderausstellungen österreichischen Designs sind
auf Tour: Die Kunstsektion des BKA schickt "Design Now. Austria", eine
1998 vom Designer-Team "Eichinger oder Knechtl" konzipierte
Überblicks-Schau durch die Welt. Nach Lissabon, Wien, Prag, Barcelona,
London, Istanbul, Kyoto und Nagoya ist sie derzeit noch bis Anfang April
in Tokio zu sehen.
Von 1930 bis heute werden etwa 150 Beispiele aus
unterschiedlichen Design-Bereichen gezeigt: vom Mannerschnittenpackerl zu
Roland Rainers Stadthallensessel und dem Attwenger-CD-Cover.
Diese Vielfalt ist auch Kritikpunkt. Gerhard Heufler von
der Fachhochschule Joanneum in Graz: "Design Now ist sehr kunstlastig,
nimmt auch Randbereiche auf und zeigt nicht nur Zeitgenössisches. Sie
müßte sich mehr spezialisieren."
Stärker in diese Richtung tendiert eine zweite
Wanderausstellung: "A-Design, Beispiele österreichischen Designs". Hier
liegt der Schwerpunkt auf dem klassischen Industrie Design. In Auftrag
gegeben wurde sie vor zwei Jahren von der Universität für künstlerische
und industrielle Gestaltung in Linz. Nach Linz und Weimar ist für Oktober
2003 ein Termin im neuen Kulturforum in New York reserviert, weitere sind
in Barcelona, Kyoto, Rio de Janeiro geplant.
Teil I unserer Serie ("Mut zur Gestaltung blüht in
Österreich im Verborgenen") erschien am 9. März; Teil II ("Stars als
Lehrer - Wirtschaft als Motor") am 14. März.
www.adesign.at
www.designstiftung.at
www.dip.mak.at
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