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Quer durch Galerien

Nobelpreis für Heimwerker!

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Was, der Schrödinger hatte auch eine Küche? Ja sicher. Wo hätte er denn sonst die Dosen mit dem Katzenfutter aufmachen sollen? 1961 ist der Nobelpreisträger "bekanntlich" aus bislang ungeklärter, plötzlicher Ursache verschwunden. Esoterisch veranlagte Quantenphysiker müssten aber eigentlich in der Lage sein, seine Koordinaten (am ehesten im Jenseits) mathematisch darzustellen. Mit der Schrödinger-Gleichung. Wie auch immer, sein Vermächtnis hat er auf dem Küchentisch liegen lassen. Eine brachial-heimwerkerische Versuchsanordnung: "Schrödingers Küche." Und die "steht" bis 3. August in der Galerie Engholm (Schleifmühlgasse 3)!
Der Quantenmechaniker Schrödinger hat seine Küche mit der handfesteren Newtonschen Mechanik zerlegt, hat nämlich vermutlich mit einem Hammer so lange von außen Kraft auf seine Küche ausgeübt, bis sie klein beigegeben hat. Und hat sie dann (bzw. Teile davon) kreativ neu zusammengezimmert. Warum? Wegen der "vollständigen Aufhebung von allen lebensrelevanten und somit tödlichen Kräften mittels deren Überlagerung und Desintegration". (Hä?) Na ja, die "Frankfurter Küche" ist übersichtlicher. Wer nun aber bei irgendeinem Loch eine Dose "Whiskas" hineinwirft, weil Schrödinger ja seit dem 4. Jänner 1961 seine Katze nicht mehr füttert, und wer sich vielleicht auch noch fragt: "Wie hat die eigentlich g'heißen?", der kriegt in der Physik Aufenthaltsverbot. Dass Schrödinger aber auch bloß ein heimwerkerischer Visionär war, der seine Küche von den Wänden gekratzt hat, das macht ihn gleich viel menschlicher. Schmarren. Misha Stroj hat ihm die Küche nur angedichtet. Und hat, mit fast begnadetem philosophischem Humor, Physik und Kunst vereint. Die anderen in der Ausstellung haben es nicht leicht, gegen dieses Mysterium anzukommen.
Bandagierte Beine humpeln aufs Meer zu. Ist das die kleine Meerjungfrau, nachdem sie sich ihre Beine ertrotzt hat, die aber bei jedem Schritt höllisch weh tun, weshalb die Ex-Nixe nur noch in den Ozean zurück will, wo sie nicht mehr gehen muss? Eher nicht. Das Video von Sini Coreth (bis 2. August in der IG Bildende Kunst, Gumpendorfer Straße Nr. 10-12) heißt "No way" und nicht "Die Sehnsucht der kleinen Meerjungfrau". An der Wand: Latexabgüsse der Füße der Künstlerin. Wie abgezogene Haut. Coreth macht zwar nicht seit Jahren ganz allein und per pedes eine Völkerwanderung, dass ihre Füße jetzt verdientermaßen den Weltschmerz empfinden. Aber für jedes Mal, wenn sie ein Land verlassen hat, zieht sie sich quasi die Füße wie Socken aus. Und drückt den seelischen Schmerz des Abschiednehmens durch eine symbolische Häutung aus. Einprägsam psychophysisch.
Und Andrea Kalteis animiert die Grapschlust mit ihren sinnlichen Objekten aus Gummihandschuhen, also aus jener schützenden zweiten Haut für den Tastsinn, mit der man keine Berührungsängste mehr zu haben braucht. Das heißt aber nicht, dass Schönheitschirurgen deshalb im OP Handschuhe tragen, damit sie sich nicht mit Schönheitsfehlern anstecken. Von Dagmar Höss: irritierende Fotopaare, bei denen sich die Augen am besten für beides zugleich entscheiden und ein bissl schielen.

Erschienen am: 26.07.2002

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