Von der Straße in die Szene

In Frankreich verkaufte Nick Treadwell Porträts an Touristen. In England verkaufte er Kunst an die Rolling Stones, an Prinz Charles, Paul McCartney, Peter Gabriel und Sean Connery.


Alles begann mit einem alten Möbelwagen und einem Doppeldeckerbus, die Nick Treadwell zur fahrenden Galerie umbaute. Wie im englischen Wahlkampf ging er von Haustüre zu Haustüre und lud die Menschen ein, auf die Straße zu kommen und sich Bilder für ihre Wohnungen auszusuchen. Bevorzugtes Gebiet seiner Kunstmissionen waren die riesigen Neubaugebiete in und um London.

"Die Leute konnten die Bilder sofort mit nach Hause nehmen und sie dort probieren. Wenn sie nicht passten, holte man sich einfach ein neues Bild. Hatte man sich für ein Stück entschieden, konnte dieses in monatlichen Raten abbezahlt werden", erzählt Nick Treadwell. Die erste mobile Galerie, erinnert sich der Galerist, war ein durchschlagender Erfolg. Weltweit verkaufte Mitte der 60er Jahre niemand mehr Kunst in kürzerer Zeit als der Newcomer, der noch dazu gestand, von Kunst keine Ahnung zu haben.

Trendigste Galerie Londons

Durch die mobile Galerie bildete sich ein fester Kundenstock, der Treadwells Sammlung auch unter einem festen Dach besichtigen wollte. Eine Galerie außerhalb Londons entstand. 1968 übersiedelte er in das Londoner Westend: "Der beste Platz, den es damals für Kunst auf Erden gab. Es waren Hunderte Künstler, die bei mir ausstellen wollten", erzählt Treadwell.

Einer, der ihm besonders in Erinnerung geblieben ist, war John Holms, ein Hobbymaler, der eigentlich Fleischhauer war. Seine Bilder mit lustigen Szenen voll schwarzem Humor faszinierten den Galeristen und gaben ihm die Richtung für seine spätere Sammlung vor.

Joachim Eckl  und Nick Treadwell feiern den 1. Geburtstag der
Joachim Eckl und Nick Treadwell feiern den 1. Geburtstag der "Station"

Ein Szene-Treff

Durch eine unkonventionelle Auslagengestaltung und Dank Nick Treadwells Freundlichkeit wurde die neue Galerie binnen kürzester Zeit zum Londoner Szene-Treffpunkt. Die Rolling Stones, Sean Connery, Paul McCartney oder Peter Gabriel zählten zum erlesenen Kundenkreis.

Kunst-Safaripark

Trotz des Erfolges wollte aber keines der etablierten englischen Museen Kunst aus der Treadwell-Galerie kaufen. Als Reaktion darauf kaufte der Galerist einen riesigen, alten, verfallenen Gutshof in der Nähe von Dover, aus dem er einen "Kunstsafaripark" machte, der rund um die Uhr geöffnet hatte.

Dorthin lud er Künstler ein, die hier wohnten und gemeinsam arbeiten konnten. "Die Arbeiten waren extrem unterschiedlich, trotzdem hat sie die Presse schubladisiert, nur weil sie alle aus dem selben Gebäude stammten. Als Protest gründete ich eine neue Kunstrichtung - den Superhumanismus", erzählt Treadwell.

Übersiedlungen: Bradford, Mühlviertel

Nach zehn Jahren "Kunst-Safaripark" übersiedelte Treadwell in die nordenglische Industriestadt Bradford. Dort baute er eine alte Mühle zu einem Museum um, das unter anderem auch Prinz Charles samt seinen spleenigen Freunden besuchte. 1999 übersiedelte Nick Treadwell schließlich nach Oberösterreich.

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