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24.11.2003 - Kultur&Medien / Ausstellung
Kritik Ausstellung: "In meinem Salon ist Österreich"
Karlheinz Essl gibt in seinem Klosterneuburger Museum mit "Permanent 04" einen neuen Einblick in Sammlung und Selbstverständnis.

Da soll noch einmal jemand be haupten, Künstler wären eitel, wenn sich erst ihre Sammler zu inszenieren beginnen. Nur, welcher österreichische Kunstmäzen kann sich zu Zwecken der Verewigung schon eines vom Markt geadelten Malerfürsten wie Jörg Immendorff bedienen? Karlheinz Essl will mit seinem Einfluss in der am Samstag eröffneten neuen Zusammenstellung der Klosterneuburger Schausammlung jedenfalls nicht hinter der Leinwand halten.

Am mächtigen Immendorff-Schinken im Vorraum der sieben Galerieräume führt kein (Um)weg vorbei - inmitten einer porträtierten heimischen Künstler-Elite von Lassnig bis Ringel posiert stolz Familie Essl. Titel: "In meinem Salon ist Österreich". Ein irritierendes Bild, das schon beim "First View" 2000 präsentiert wurde, damals noch bescheiden als Abschluss des Rundgangs.

Verging sich der deutsche Maler hier an einer vereinnahmenden Repräsentations-Orgie für einen Self-Made-Millionär? Oder huldigte er dem Sammler galant mit einem ironischen Zitat à la Grillparzer, der für Heerführer Radetzky "In deinem Lager ist Österreich" dichtete? Jedenfalls haben sich die Essls in den letzten Jahren für die Vermittlung aktueller heimischer Kunst wohl in mehr Schlachten geworfen als so manche staatliche Institution.

In diesem Sinne beginnt Essl auch die heurige "Permanent 04" mit einem klaren Statement für jüngere Kunst aus Österreich. Und Elke Krystufek, Muntean/Rosenblum, Eva Schlegel, Ilse Haider und Katrin Plavcak machen den ersten Raum in seiner Direktheit und Geschlossenheit zum stärksten der aktuellen Schausammlung.

Danach folgt erdige spanische Kunst von Chillida, Saura und Tàpies, den großen deutschen Malern Polke, Lüpertz, Baselitz ist ebenfalls ein eigener Saal gewidmet. Die Schweizer Daniel Spoerri und Dieter Roth dürfen mit ihren Gerümpel-Collagen ein "Gruselkabinett" (Essl) ausstatten.

Nach diesem erstmals in Klosterneuburg angewandten strengen Vier-Länder-Konzept sind die etwa 100 Werke für ein Privatmuseum eigentlich unnötig penibel museal aufgesplittet. So würde auch der dem frühen Aktionismus, den "Elementen der österreichischen Kunst", gewidmete Raum pädagogisch überzeugen, hätte Essl sich hier allein auf Werke der 60er Jahre beschränkt. Schönen Frühwerken von Mühl, Staudacher, Schilling stehen allerdings um vieles jüngere Arbeiten von Brus, Lassnig, Rainer gegenüber. Den nachdenklichen Abschluss bildet eine Hommage an Bruno Gironcoli, die als winziges aber wichtiges Gegengewicht zur gerade zu Ende gegangene Biennale in Venedig vor allem die außergewöhnliche Grafik dieses Monumental-Künstlers würdigt.

Bis 3. 10. 2004. Di.-So. 10-19h, Mi. 10-21h.

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