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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
19. Jänner 2005
19:56 MEZ
Von
Markus Mittringer

Service

"Das Neue Europa. Kultur des Vermischens und Politik der Repräsentation"

20. 1. bis 24. 4.,
Di bis So, feiertags 11 bis 18 Uhr, Do bis 20 Uhr in der Generali Foundation

Link

foundation.
generali.at

 
Foto: Generali Foundation

Vorschläge zum Miteinander
In der Generali Foundation definieren Künstler "Das Neue Europa- Kultur des Vermischens und Politik der Repräsentation"

Wien - Die Europäische Union hält derzeit bei 25 Mitgliedsländern. Und was den Erweiterungsprozess betrifft, ist weiter Beschleunigung angesagt. Rumänien und Bulgarien hängen in der Warteschleife. Über die Modalitäten eines möglichen Beitritts der Türkei wird beiderseits heftig nachgedacht: Europa will neu werden, eine schlagkräftig große Einheit.

Nicht jedem ist das recht: Donald Rumsfeld etwa hat eigene Vorstellungen ein neues Europa betreffend. Ihm galten 2003 jene westeuropäischen Länder, die sich nicht am Irakkrieg beteiligen wollten, als Vertreter eines "alten Europas". Das Prädikat "neues Europa" verlieh er nur den US-Amerika und somit Irakkrieg freundlicher gestimmten neuen Mitgliedern.

Derartige Versuche, die Vereinigung von außen her zu spalten, ändern nichts an der Tatsache, dass Europa weiter zusammenwächst. Und das betrifft unter anderem auch Kunst und Künstler: Der Berliner Autor und Kurator Marius Babias (er stellt Rumsfelds "Allianz der Willigen" an den Beginn seiner Überlegungen zu Europa) und der Künstler Dan Perjovschi (Bukarest) haben eine Ausstellung zusammengestellt, die versucht, aus künstlerischer Perspektive Chancen wie mögliche Probleme der fortschreitenden Vereinigung abzuwägen, und die vor allem ein Mitspracherecht für Künstler und - oft in Doppelfunktion - politische Aktivisten einfordert: Das Neue Europa - Kultur des Vermischens und Politik der Repräsentation.

Lob der Vermischung

Sie sehen das Modell Künstler prototypisch für kollektives Bewusstsein und Handeln bei gleichzeitiger Wahrung von Individualität wie Originalität. Woraus folgt, dass ein "Vermischen" nicht zwangsläufig eine Nivellierung nach sich zieht. Einführend zitiert Sabine Breitwieser, Direktorin der veranstaltenden Generali-Foundation, Jean-Luc Nancys Lob der Vermischung: "Jede Kultur ist in sich selbst 'multikulturell', nicht nur, weil es immer eine vorgängige Akkulturation gegeben hat und es keine einfache und reine Herkunft gibt, sondern grundlegender deshalb, weil der Gestus der Kultur selbst einer des Vermischens ist: Es gibt Wettbewerb und Vergleich, es wird umgewandelt und uminterpretiert, zerlegt und neu zusammengesetzt, kombiniert und gebastelt. Was nicht heißt, dass es so etwas wie ,Identität' nicht gibt. Eine Kultur ist eine und einzigartig."

Eine Außensicht auf das Europa im Wandel versucht der Amerikaner John Miller. Er nimmt, in aller für eine konzeptuelle Haltung gebotenen Disziplin, regelmäßig um die Mittagszeit Szenen aus dem Alltag auf. Die später digital reproduzierten und penibel gerahmten Fotos sind Angebote, nach den Geschichten hinter den vermeintlich so selbstverständlichen wie banalen Szenen zu fahnden.

Einer Fahndung der anderen Art zu entgehen, versucht Renaud Auguste-Dormeuil mit seinem Schutzschild für das Fahrrad. Der reflektierende Baldachin soll es Aufklärungssatelliten unmöglich machen, den kritischen Radler zu lokalisieren.

Natascha Sadr Haghighian transformiert in ihrer Animation die Suchscheinwerfer einer Haftanstalt in die "Verfolger", die die Stars auf der Bühne ins rechte Licht setzen. Zentral im Raum hat Lia Perjovschi hunderte Exponate ihrer 1990 begonnenen Endless Collection von Waren angelegt, die mit der Erdkugel als Symbol globale Bedeutung für sich reklamieren. Am Boden verstreut bilden die Güter aus verschiedenen Ländern und Kulturen den Grundriss einer fiktiven Stadt. Vielleicht der Metropole des neuen Europa.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.1.2005)


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