Der Mr. Hyde von Karl Moik
Von Claudia Aigner
Zuerst wird man von etwas verschluckt, was man fast schon
gezwungen ist, den "Mr. Hyde von Karl Moiks Musikantenstadl" zu nennen.
Und ganz zum Schluss kommt man dann in einen blendend weißen Raum voller
Gemälde, der so überirdisch hell ist, dass man sich ernsthaft zu fragen
beginnt, ob auch im Jenseits Bilder an den Wänden hängen. Ja, wenn
sich Lori Hersberger ein paar Räume vorgenommen hat, dann könnte man
Sigmund Freud auf eine Expedition hineinschicken. Kurz: Die Installationen
sind "psychologieschwanger". Und bis 25. November bleibt das Mezzanin
(Mariahilfer Straße 74 a) das Ambiente für einen Psychotrip von der
Dunkelheit ins Licht. Gleich beim Eintreten steht man in einem
schummrigen Korridor. An den holzverkleideten Wänden: von bunten
Scheinwerfern angestrahlte E-Gitarren, also quasi das, was dabei
herauskommt, wenn die "braven" Gitarren der Lagerfeuerromantik in den
Stromkreis geraten. Beziehungsweise die Gitarren für die "bösen Buam". Das
potenzielle Die-Sau-Rauslassen. Hat man hier am Ende das Alter Ego vom
krachledernen Musikantenstadl vor sich (freudianisch ausgedrückt: das "Es"
von Karl Moik)? Möglich. (Versuchen Sie einmal zu schunkeln, wenn auf der
Bühne jemand die E-Gitarre würgt.) In der nächsten "Dunkelkammer":
mutwillig zerschlagene Spiegel auf dem Holzboden. Nur der legendäre Herr
Narziss würde das wohl als "Lustmord mit dem Hammer" einstufen (er hat ja
nie erfahren, dass das Spiegelbild, in das er sich hoffnungslos verschaut
hat, eh nur er selbst gewesen ist). Für unsereins ist ein zerbrochener
Spiegel eher eine Metapher für ein angeknackstes Selbstwertgefühl.
Bestimmt nicht zufällig spiegelt sich hier ja auch jene Filmszene aus
"Citizen Kane", wo der skrupellose Emporkömmling in tragischer Langsamkeit
(weil es in seinem Leben halt doch nicht mehr so läuft) zwischen zwei
Spiegeln durchgeht und sich dabei unendlich vervielfältigt. Des weiteren
im Raum: aufgetürmte Strohballen. Für die einen ist das schlicht eine
Wohnzimmergarnitur im Bauernhofstil, die andern werden an die Strohballen
am Rande von Rennstrecken denken, die zu den Knautschzonen der Rennautos
lieb sein sollen. (Aber so dunkel, dass man irgendwo dagegen laufen
könnte, ist es hier ja auch wieder nicht.) Hinter dem nächsten Vorhang
ist man drauf und dran, schneeblind zu werden. Alles ist so hell und
blendend (selbst die abstrakten Bilder an den Wänden sind in Neonfarben
gemalt): Man kommt sich vor, als hätte man seinen Schatten verkauft und
könnte in diesem total weißen, extrem ausgeleuchteten Raum beim besten
Willen keinen mehr werfen. Eigentlich überwältigend gut gemachte, stimmige
Installationen.
Erschienen am: 13.11.2000 |
. |
Sie sind eingeloggt! 917 User insgesamt auf dem Server angemeldet. Logout
Mit unseren Suchseiten können Sie in der Zeitung
und im Internet
recherchieren. Nutzen Sie die Link-Sammlungen, um EDV-Unternehmen und
Software zu finden.
|
. |