Dornbirn (VN-cd) Mit der Bezeichnung
"Club 50" hat sich die Kunstmesse "art bodensee" einen Untertitel
verschafft, den man zwar mit Angegrautheit in Verbindung bringen
könnte, der aber nichts damit zu tun hat. Er bezieht sich auf die
Zahl der Galerien, die Aufnahme fanden, und wer die Kojen in den
Dornbirner Messehallen abschreitet, kommt rasch zu folgendem
Schluss: Der "Club 50" ist eine besonders frische Sache.
Die zweite Kunstmesse "art bodensee", veranstaltet von
der Dornbirner Messegesellschaft, wurde gestern Abend eröffnet. Ab
heute bis Sonntag - jeweils 14 bis 22 Uhr - präsentieren die
erwähnten fünfzig Galerien aus dem deutschsprachigen Raum Arbeiten
von rund 300 Künstlern.
Fachbeirat wählt aus
Der Schwerpunkt liegt bei der zeitgenössischen bzw. bei
der ganz jungen Kunst. Laut Dr. Gerold Hirn, Vertreter des
Fachbeirates und selbst Galerist, haben sich mehr Galerien um
Teilnahme beworben.
Wie schon im letzten Jahr - bei der ersten Kunstmesse im
Bodenseeraum - wurde die Aufnahme in den "Club 50" jedoch von der
Qualität der Galerie und der vertretenen Künstler abhängig gemacht.
Hirn: "Das ist eine undankbare Aufgabe, aber ich bin es gewohnt,
diesbezüglich zu argumentieren." Dem Fachbeirat gehören Galeristen
und Kunstvermittler an.
Die Vorjurierung hat sich genauso bewährt, wie die Absicht der
Messeleitung, den Ausstellern vergleichsweise großzügige Kojen zur
Verfügung zu stellen. Grundsätzlich darf festgestellt werden, dass
die Auswahl gut "durchwachsen" ist, im Hinblick auf etablierte
Künstler bzw. Stars und absolute Newcomer und auch im Hinblick auf
Kopflastigkeit und kulinarische sowie poppige Akzente. Für Sammler
außerdem interessant: Preislich bewegt sich der Großteil des
Angebots unter der Marke von 10.000 Euro. Daneben gibt's freilich
einige absolut museumsträchtige Highlights, wie ein Objekt von
Tinguely.
Sonderausstellungen
Neben der Verkaufsausstellung widmet sich eine
Sonderausstellung der hoch stehenden Architektur in Vorarlberg.
Außerdem tritt in einer weiteren Sonderschau der Künstlernachwuchs
auf.
Mehr Besucher erwartet
Im letzten Jahr wurden rund 5000 Besucher gezählt, heuer
soll diese Zahl auf etwa 7000 gesteigert werden.
Als guter Gradmesser für den Geschäftserfolg wird die Tatsache
erachtet, dass sich rund 70 Prozent der im Vorjahr vertretenen
Galerien wieder beworben haben.
Auf der "art bodensee" werden heuer auch Attraktionen für die
Einsteiger unter den Kunstsammlern geboten, außerdem wird das
Angebot von einem umfangreichen kulturellen Rahmenprogramm
begleitet.
Uns interessieren absolut professionelle Galerien,
die im zeitgenössischen Bereich tätig sind.
PROF. GEROLD HIRN, FACHBEIRAT
Den Kopf einmal so richtig durchlüften: Die "art bodensee"
beweist, wozu Kunst taugt.
(Foto: Hofmeister)
"art bodensee", 26. bis 28. Juli, täglich geöffnet 14 bis
22 Uhr, Dornbirner Messegelände. Infos: Tel. 05572/305 Dw. 311 oder
315, Internet: www.artbodensee.info
"VN"-Umfrage: Was erwarten Sie sich von der "art
bodensee"?
Einfach gesagt erwarte ich mir Erfolg. Erster Gradmesser dafür
ist die Kommunikation mit den Besuchern. Das ist meine so ungefähr
77. Messebeteiligung. Man kann erst nach dem dritten oder vierten
Mal abschätzen, ob eine Messe Zukunft hat. Ich bin zuversichtlich,
sonst wäre ich nicht gekommen. Die Region ist gut, auch der Termin.
MANFRED LANG, GALERIE LANG, WIEN
Wir erwarten uns - abgesehen vom Umsatz -, dass die
Stimmung so bleibt wie im letzten Jahr. Wenn man bedenkt, dass gut
70 Prozent der Aussteller Wiederholungstäter sind, ist das ein Indiz
dafür, dass die Messe gut ist. Auch eine Messe wie die Pariser FIAC
hat etwa sieben Jahre gebraucht, bis sie sich als Umschlagplatz für
Kunst etabliert hatte.
A. BAUMGARTEN, GALERIE BAUMGARTEN, FREIBURG
Wir sind in der Nähe und unser Einzugsbereich geht bis
Frankfurt und Zürich. Wir haben die Vorarlberger als sehr offen und
neugierig kennen gelernt. Von daher verspreche ich mir viel. Ich
schätze dieses Publikum außerordentlich. Das finden sie bei keiner
der etablierten Kunstmessen. Da gibt es Sammler, da fehlt aber oft
die Neugierde.
HELENE VAYHINGER, GALERIE VAYHINGER, RADOLFZELL
Es geht bei unserer Sonderausstellung auch um eine
neutrale Position im Gegensatz zur Marktposition. Im Prinzip sind
die Leute, die in der Schau vertreten sind, zwar ganz jung, aber zum
Teil sind sie schon im Geschäft. Auch Museen agieren ja nicht
abseits des Kunstmarktes. Dieser Themenbereich bietet eine spannende
Auseinandersetzung. SEVERIN DÜNSER, KURATOR
"WAHRSCHEINLICHKEITEN"
Schon die erste Messe war für uns sehr erfolgreich.
Außerdem verspreche ich mir von der Kombination Dreiländereck plus
Liechtenstein eine Erweiterung unseres Kundenstammes. Ulm ist nur
eine gute Stunde entfernt. Erfreulich war letztes Jahr, dass sich
einige Besucher dann als Kunden bei uns eingefunden haben.
BERND GESERICK, GALERIE FISCHERPLATZ, ULM