VN Fr, 26.7.2002

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Der "Club 50" ist eine frische Sache

Kunstmesse "art bodensee" ab heute Nachmittag bis Sonntag in Dornbirn

Dornbirn (VN-cd) Mit der Bezeichnung "Club 50" hat sich die Kunstmesse "art bodensee" einen Untertitel verschafft, den man zwar mit Angegrautheit in Verbindung bringen könnte, der aber nichts damit zu tun hat. Er bezieht sich auf die Zahl der Galerien, die Aufnahme fanden, und wer die Kojen in den Dornbirner Messehallen abschreitet, kommt rasch zu folgendem Schluss: Der "Club 50" ist eine besonders frische Sache.

Die zweite Kunstmesse "art bodensee", veranstaltet von der Dornbirner Messegesellschaft, wurde gestern Abend eröffnet. Ab heute bis Sonntag - jeweils 14 bis 22 Uhr - präsentieren die erwähnten fünfzig Galerien aus dem deutschsprachigen Raum Arbeiten von rund 300 Künstlern.

Fachbeirat wählt aus

Der Schwerpunkt liegt bei der zeitgenössischen bzw. bei der ganz jungen Kunst. Laut Dr. Gerold Hirn, Vertreter des Fachbeirates und selbst Galerist, haben sich mehr Galerien um Teilnahme beworben.

Wie schon im letzten Jahr - bei der ersten Kunstmesse im Bodenseeraum - wurde die Aufnahme in den "Club 50" jedoch von der Qualität der Galerie und der vertretenen Künstler abhängig gemacht. Hirn: "Das ist eine undankbare Aufgabe, aber ich bin es gewohnt, diesbezüglich zu argumentieren." Dem Fachbeirat gehören Galeristen und Kunstvermittler an.

Die Vorjurierung hat sich genauso bewährt, wie die Absicht der Messeleitung, den Ausstellern vergleichsweise großzügige Kojen zur Verfügung zu stellen. Grundsätzlich darf festgestellt werden, dass die Auswahl gut "durchwachsen" ist, im Hinblick auf etablierte Künstler bzw. Stars und absolute Newcomer und auch im Hinblick auf Kopflastigkeit und kulinarische sowie poppige Akzente. Für Sammler außerdem interessant: Preislich bewegt sich der Großteil des Angebots unter der Marke von 10.000 Euro. Daneben gibt's freilich einige absolut museumsträchtige Highlights, wie ein Objekt von Tinguely.

Sonderausstellungen

Neben der Verkaufsausstellung widmet sich eine Sonderausstellung der hoch stehenden Architektur in Vorarlberg. Außerdem tritt in einer weiteren Sonderschau der Künstlernachwuchs auf.

Mehr Besucher erwartet

Im letzten Jahr wurden rund 5000 Besucher gezählt, heuer soll diese Zahl auf etwa 7000 gesteigert werden.

Als guter Gradmesser für den Geschäftserfolg wird die Tatsache erachtet, dass sich rund 70 Prozent der im Vorjahr vertretenen Galerien wieder beworben haben.

Auf der "art bodensee" werden heuer auch Attraktionen für die Einsteiger unter den Kunstsammlern geboten, außerdem wird das Angebot von einem umfangreichen kulturellen Rahmenprogramm begleitet.

Uns interessieren absolut professionelle Galerien, die im zeitgenössischen Bereich tätig sind.

PROF. GEROLD HIRN, FACHBEIRAT

Den Kopf einmal so richtig durchlüften: Die "art bodensee" beweist, wozu Kunst taugt. (Foto: Hofmeister)

"art bodensee", 26. bis 28. Juli, täglich geöffnet 14 bis 22 Uhr, Dornbirner Messegelände. Infos: Tel. 05572/305 Dw. 311 oder 315, Internet: www.artbodensee.info

"VN"-Umfrage: Was erwarten Sie sich von der "art bodensee"?

Einfach gesagt erwarte ich mir Erfolg. Erster Gradmesser dafür ist die Kommunikation mit den Besuchern. Das ist meine so ungefähr 77. Messebeteiligung. Man kann erst nach dem dritten oder vierten Mal abschätzen, ob eine Messe Zukunft hat. Ich bin zuversichtlich, sonst wäre ich nicht gekommen. Die Region ist gut, auch der Termin.

MANFRED LANG, GALERIE LANG, WIEN

Wir erwarten uns - abgesehen vom Umsatz -, dass die Stimmung so bleibt wie im letzten Jahr. Wenn man bedenkt, dass gut 70 Prozent der Aussteller Wiederholungstäter sind, ist das ein Indiz dafür, dass die Messe gut ist. Auch eine Messe wie die Pariser FIAC hat etwa sieben Jahre gebraucht, bis sie sich als Umschlagplatz für Kunst etabliert hatte.

A. BAUMGARTEN, GALERIE BAUMGARTEN, FREIBURG

Wir sind in der Nähe und unser Einzugsbereich geht bis Frankfurt und Zürich. Wir haben die Vorarlberger als sehr offen und neugierig kennen gelernt. Von daher verspreche ich mir viel. Ich schätze dieses Publikum außerordentlich. Das finden sie bei keiner der etablierten Kunstmessen. Da gibt es Sammler, da fehlt aber oft die Neugierde.

HELENE VAYHINGER, GALERIE VAYHINGER, RADOLFZELL

Es geht bei unserer Sonderausstellung auch um eine neutrale Position im Gegensatz zur Marktposition. Im Prinzip sind die Leute, die in der Schau vertreten sind, zwar ganz jung, aber zum Teil sind sie schon im Geschäft. Auch Museen agieren ja nicht abseits des Kunstmarktes. Dieser Themenbereich bietet eine spannende Auseinandersetzung. SEVERIN DÜNSER, KURATOR "WAHRSCHEINLICHKEITEN"

Schon die erste Messe war für uns sehr erfolgreich. Außerdem verspreche ich mir von der Kombination Dreiländereck plus Liechtenstein eine Erweiterung unseres Kundenstammes. Ulm ist nur eine gute Stunde entfernt. Erfreulich war letztes Jahr, dass sich einige Besucher dann als Kunden bei uns eingefunden haben. BERND GESERICK, GALERIE FISCHERPLATZ, ULM




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