Künstlerhaus/Obergeschoss: 16 junge Künstlerinnen und Künstler aus
Bratislava
Experimente mit Nachbarschaften
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Im Obergeschoss des Künstlerhauses sind 16 Künstlerinnen und
Künstler sowie zwei Künstlerpaare aus Bratislava bis 27. Juli zu Gast. Die
neue geografische Nähe durch die Erweiterung der EU erweist sich für eine
Stadt, die nur 40 Kilometer entfernt liegt zu Wien, als Neubeginn,
denn bis jetzt waren die Kontakte noch nicht vorhanden, der Kunstmarkt
verabschiedet sich endlich von den lang gehegten Begriffen "Ost- und
Westkunst", die noch für die vorherige Künstlergeneration sogar in
Konzepten vorkam (Beuys). Die junge Generation geht mit den
jahrzehntelangen Trennungen durch den Eisernen Vorhang nicht mehr
melancholisch, sondern spielerisch ironisch um. Kuratorinnen sind Henny
Liebhart-Ulm und Anna Soucek, viele haben beraten, u. a. auch Jan Tabor.
Die Stadt Wien und die Erste Bank fördern u. a. die
grenzüberschreitenden Projekte, die einige Wiener Galerien auch nach
Bratislava führt, im Künstlerhaus gibt es für die Zeit der Schau auch ein
Café Bratislava in der Passage, in dem der Diskurs (und die Belebung des
Karlsplatzes) auch im Außenraum gepflegt werden soll, der so jüngst vom
Direktor des Historischen Museums, Wolfgang Kos, in "Kraftwerk Karlsplatz"
umbenannt wurde. Ursula Maria Probst organisiert diesen Part auch im
Musikalischen, Architekt Christian Waldner mit seinem Team (AllesWirdGut)
hat nur eine steuernde Rolle eingenommen, aber nicht inszeniert, die
Gestaltung baut sich aus den Beiträgen zusammen und die Video- und
Lichtinstallationen verlangen relative Dunkelheit. Bratislava hat
geringe Möglichkeiten für die junge Szene, deshalb soll "STADT IN SICHT.
Neue Kunst aus Bratislava" auch die Impulse weiterleiten, Galeristin Grita
Insam wird ihre Beiträge im Fernsehturm dort zeigen, ein Austausch im
Donauturm Wien ist zumindest geplant. Alle KünstlerInnen haben sich schon
an der internationalen Situation orientiert. Fotografie, Video und
Installation sind vorherrschend, Modelle und architektonische
Raumeingriffe in teils surrealen Anleihen sind dazu vorhanden, aber auch
ironische Zitate bekannter Kunst aus Wien (so wird VALIE EXPORTS Expanded
Cinema Experiment "Tapp- und Tastkino" von Aneta Mona Chisa in ein freches
Video mit Tastschachtel vor männlichem Geschlechtsteil gewandelt,
allerdings sind nicht alle Passanten bereit durch den Vorhang zu greifen).
Hausarbeit, Porträts und subjektive Sicht weiblicher Situationen von Lucia
Nimcová, Dotota Sadovská (Frauen aus Bratislava, Brüssel, Wien und San
Francisco) oder Gabika Binderová stehen öffentlichen Plätzen und seltsamen
Küssen (Magda Tóthová) zwischen einem Mädchen und einer maskenhaften
Lenin-Büste oder kuriosen Zusammenkünften in Städten wie Brünn, Bratislava
usw. bei Martin Kollár gegenüber. Milan Mikula und Denise Lehocká/Boris
Ondreicka haben zwei der Installationen gestaltet. Weiters zu sehen
Arbeiten von Erik Binder, Marko BlaŽo, Richard Fajnor, Bernd Preiml &
Ján Šicko u. a.
Erschienen am: 09.07.2003 |
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