Salzburger Nachrichten am 16. Oktober 2003 - Bereich: lokal
Salzburger Bilderstreit

SALZBURG (SN-hkk). 180 Kunstwerke, gesammelt vom früheren Rupertinum-Direktor Otto Breicha, seien in Gefahr. Dies kritisierte am Mittwoch Cyriak Schwaighofer (Grüne). Die Bilder und Plastiken - u. a. von Hermann Nitsch, Oswald Oberhuber und Fritz Wotruba - würden im Möbeldepot des Landes an der Alpenstraße "vergammeln". Es sei ungewiss, ob die Kunstwerke "annähernd sachgerecht" gelagert seien, sagte Schwaighofer in einer Pressekonferenz. Seine Forderung: "Die Breicha-Sammlung gehört ins Museum und nicht in ein Möbellager!"

Schwaighofers Kritik sei "an den Haaren herbeigezogen", entgegnet der Leiter der Vermögensverwaltung des Landes, Eduard Paulus. Die Lagerung der von Otto Breicha gesammelten Kunstwerke sei selbstverständlich sachgerecht, der Raum sei "hoch alarmgesichert". Die Sammlung sei vom Land und nicht vom Rupertinum gekauft worden, daher werde sie vom Land verwahrt, sagte Paulus den SN. Seiner Ansicht nach stehe hinter den Attacken "überhaupt nichts, außer dem Wunsch des Rupertinums, die Bilder zu haben".

Schwaighofer beruft sich mit seiner Kritik auf Informanten, von denen die meisten nicht genannt werden wollen. Demnach wurde die Sammlung aus dem Privatbesitz von Otto Breicha zunächst im Rupertinum aufbewahrt, nachdem das Land sie dem früheren Direktor um damals rund drei Mill. S (218.000 Euro) abgekauft hatte, da in seinem Dienstvertrag die einst versprochene Pensionsregelung vergessen worden war. Eigentlich sollte Breichas Sammlung dem Rupertinum als Dauerleihgabe überlassen werden. Doch im März 2002 seien Mitarbeiter der Liegenschaftsverwaltung ins Rupertinum gekommen und hätten die Sammlung "gegen den massiven Protest" der Mitarbeiter des Museums abtransportiert.

Margit Zuckriegl vom Rupertinum habe heuer im Sommer einige Blätter aus dem Lager holen dürfen, bereichtete Schwaighofer. Dabei seien "unvertretbare konservatorische Zustände" entdeckt worden. Eine daher angeordnete Prüfung durch einen Restaurator habe die Liegenschaftsverwaltung verhindert.