Paris, das ist Herbst

Frankreichs Kultur zieht es in den Süden.


"Das ganze Jahr über fiebern wir den Monaten Juli und August entgegen, in denen wir uns kaum noch vor den Besucherströmen retten können", lässt die Leitung des Musee Reattu in der südfranzösischen Stadt Arles wissen, das seit einigen Wochen die Ausstellung "30 Jahre Picasso-Schenkungen" anbietet und Rekordbesucherzahlen verzeichnet.

Kandinsky-Retro

Mit einer großen Retrospektive der Werke Wassily Kandinskys zieht die Fondation Maeght in dem südfranzösischen Provinzstädtchen Saint-Paul-de-Vence Hunderte von Touristen an. Die Ausstellung umfasst mehr als 100 Werke des Künstlers, der als Vater der Abstraktion gilt. Unter den Ölbildern befinden sich einige "Improvisationen" und die "Komposition VII" (1913), die der Mitbegründer des "Blauen Reiters" als sein wichtigstes Werk vor dem Ersten Weltkrieg bezeichnete. Die Gemälden werden bis zum 10. Oktober gezeigt.

"Mit dem Sommer beenden wir unseren Dornröschenschlaf", meint auch das kleine, weniger bekannte Teppich-Museum der südfranzösischen Festivalstadt Aix-en-Provence.

Selbst mit einer weniger zugkräftigen Ausstellung wie "Félix Aublet - Design, Mobiliar, Architektur Dekor und Theaterkostüme" füllt das Museum seine Kassen. "Die Touristen haben zunehmend die Tendenz, im Urlaub nicht nur zu bräunen, sondern sich auch etwas Kultur anzutun", erklärt sich das Museum die vollen Ausstellungsräume.

Runderneuerte Kunst

Das Museum Cantini in der Hafenstadt Marseille bietet eine große Retrospektive des 1865 in der Schweiz geborenen Malers Felix Vallotton. Mehr als 100 Gemälde und Zeichnungen sind bis zum 10. September zu sehen. Der Künstler, der 1882 nach Paris kam, gehörte der Künstlergruppe Nabis an, die eine Erneuerung der Kunst forderte. Seine frühen Werke sind stark von Paul Gauguin beeinflusst. Sie stellen farbstarke Straßenszenen, Landschaften und Interieurs dar. Später konzentrierte sich der Maler auf die vereinfachte Formdarstellung von Landschaften und nackten Frauen.

Auf Picassos Spuren

Das Picasso-Museum in der Mittelmeerstadt Antibes, das letztes Jahr mit der Ausstellung "Von Rodin bis Giacometti" Schlagzeilen machte, lockt diesmal mit einer Premiere. Erstmals zeigt ein Museum in Frankreich eine Retrospektive des holländischen Malers Constant. Die Werke des 1920 in Amsterdam geborenen Künstlers sind durch strenge Bildorganisation und Themen der Zeit, etwa geschundene Menschenfiguren, charakterisiert. Zusammen mit Asger Jorn gründete Constant, der eigentlich Constant Anton Nieuwenhuys heißt, 1948 in Paris die legendäre Künstlergruppe COBRA. Die Gemälde und Skulpturen sind bis zum 15. Oktober zu sehen.

Daheim warten Böcklin & Co.

Während in den Museen der französischen Riviera Hochbetrieb herrscht, bereitet sich Paris auf die kulturelle "Rentrée", den Wiederbeginn, vor. Auf dem Veranstaltungskalender stehen "Arnold Böcklin (1827-1901), ein moderner Visionär" im Musée d'Orsay (2. 10.- 13. 1.), "Paris-Barcelona. Von Gaudi bis Miro" (11. 10.-15. 1.) und "Jean Dubuffet. Ausstellung zum 100. Geburtstag" im Centre Pompidou (13. 9.-31. 12.).

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