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Die Hobagoaß und das Unbewusste

02.09.2009 | 18:37 | ALMUTH SPIEGLER (Die Presse)

Das junge Künstlerduo „Kozek Hörlonski“ holt sich am Donnerstag mit der Hobagoaß den „H 19 Performance-Preis“ des Landes NÖ ab.

Bandltanz, Spiegelperchten, Hobagoaß – österreichisches Brauchtum, mit dem sich junge Künstler heute eher selten beschäftigen. Das Performance-Duo „Kozek Hörlonski“ dagegen hat genauer hingesehen, Tanzschritte gelernt und Symbole studiert – „die im Dekor oft vorkommende Raute etwa steht für das Unbewusste“, erzählt Thomas Hörl. In Salzburg aufgewachsen, war der 1975 in Hallein geborene Künstler schon im Kindergarten mit der Hobagoaß konfrontiert, als Drohung, wenn er sein Spielzeug nicht aufgeräumt hat: „Dann kommt sie, schneidet deinen Bauch auf und stopft das Zeug hinein.“ Hörl hat dieses sowohl geschlechtlich als auch moralisch ambivalente Zottelwesen (Hoba ist Bock, Goaß die Ziege) sozusagen in seine seit 2003 bestehende Performer-Ehe mit Peter Kozek eingebracht.

Das Tierchen wird heute, bevor die beiden den „H 13 Preis für Performance“ des Landes Niederösterreich entgegennehmen, seinen Auftritt haben. Bei dem es allerdings weniger für Ordnung sorgen wird wie sonst, sondern für das Gegenteil, ein bisschen Chaos im „sonst so ordentlichen Kunstraum“, gibt Kozek einen Vorgeschmack. Als gebürtiger Badener steht er der eher im österreichischen Westen (und im östlichen Europa) umgehenden Hobagoaß recht nüchtern gegenüber, sieht sie mehr als Symbol für die Auseinandersetzung mit der Tradition, speziell mit der der Performance-Kunst.

„Im Ausland wird man als Performance-Künstler ja überall erst auf den Wiener Aktionismus angesprochen“, so Hörl, der auch in Japan und Island studierte. Das sei einerseits zwar ein bequemer Anknüpfungspunkt, „ging uns am Anfang aber auf die Nerven“. Die Väter symbolisch umbringen – das taten sie aber nur einmal, in einer Persiflage mit Blutkapseln im Mund, um bei einem Performance-Festival in London bewusst allzu festgefahrene Erwartungen zu enttäuschen – „heute sind wir in Frieden mit den Aktionisten, wir haben schon genug selbst gemacht.“

Die lebenden Skulpturen „Gilbert und George“, aber auch Marina Abramovic sind für „Kozek Hörlonski“ als Referenzen wichtiger. So wird der Auftritt der Hobagoaß nur in Anklängen an den Wiener Aktionismus erinnern, meinen sie, sicher kein Blut und keine Farbe spritzen, sondern eine „ziemlich reduzierte Performance“ bieten, u. a. Farbpigmente auf Rauten aus Karton verteilen. Der Auftritt wird, anders als üblich bei „Kozek Hörlonski“, ein relativ kurzer sein, angemessen dem „Event“ einer Preisverleihung. Sonst steht eine sich über Tage erstreckende, zelebrierte Langsamkeit im Vordergrund ihrer performativen Installationen, durch die sie ein „unbeschreibbares Gefühl“ der Aufhebung der Zeit erreichen wollen. Etwa, wenn sie wie einmal im Kunstraum Niederösterreich mehrere Tage stundenlang auf Schaukeln sitzen und rote Schnüre stricken. „Es war eine richtig festliche Atmosphäre, man wusste nicht mehr, sitzt man erst fünf Minuten oder schon fünf Stunden da.“

Langsamkeit und Wiederholung führten sie in ihr Werk ein, „um als Performer in Ausstellungen bildender Kunst gleichrangig mit anderen Werken zu sein“, erklärt Hörl – „und nicht nur das Mascherl der Vernissage“. Haben sie, die beide auch getrennt voneinander als Künstler arbeiten, eigentlich manchmal Probleme mit der Definition von gemeinsam oder einsam? „Bisher noch nicht“, beide schütteln den Kopf. „Ich finde es sehr gut, wenn jeder seine eigene Welt daneben hat“, meint Hörl. „Ein bissl Freilauf darfst schon haben“, antwortet Kozek. „Aber nicht zu viel.“

Preisverleihung, Performance und Fest: heute, Do, 19 Uhr, Herrengasse 13, Wien 1.


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