Junge
Kunst kaufen, ein Risiko, aber auch spannend. „Die Presse am Sonntag“
besuchte drei Absolventen der Schillerplatz-Akademie. Beim ehemaligen
Präsidenten der Wiener Secession, Matthias Herrmann, hat die 28-jährige
Oberösterreicherin Susi Krautgartner studiert und einen Würdigungspreis
für ihr künstlerisches Diplom erhalten. Schaufensterpuppen faszinieren
und beunruhigen sie seit ihrer Kindheit. Eine Installation mit Fotos
und Objekten zeigt sie selbst in Verkleidungen und Verfremdungen,
darunter mit einem Ganzkörperanzug.
Preisauskünfte: Sehr ungern.
Die Serie heißt „Uncanny Valley“, unheimliches Tal. „Schaufensterpuppen
sind Erscheinungsformen von festgelegten Rollenbildern von Frauen“,
erläutert Krautgartner. Ihre Arbeiten erinnern an Cindy Sherman oder
Elke Krystufek.
Krautgartner: „Selbstporträts von Frauen sind keine
Nische, die Cindy Sherman belegt, und sie hat auch kein Monopol darauf.
Ich mache das und glaube, dass in meinen Arbeiten eigene, von Sherman
unterschiedliche Mechanismen und Strategien vorhanden sind. Elke
Krystufek ist für mich eine sehr wichtige Position und sehr
faszinierend, auch von der Karriere, die sie hingelegt hat. Sie ist vor
dem Diplom vom Fleck weg berühmt geworden.“ Krautgartner hat keine
Galerie, aber ein Atelier und eine Homepage. Preise für ihre Objekte
möchte sie nur auf Anfrage mitteilen. Mit 2000–4000 Euro muss man für
eine ihrer Arbeiten rechnen, die eine eigenartig gemischt
steril-sinnliche Wirkung entfalten.
Kunstmarktbeschimpfung.
Eine Sound-Installation hat die Klagenfurterin Christina
Gillinger-Correa (35) gemacht. Sie studierte bei Monika Bonvicini, die
in ihren Werken, u. a. zu sehen in der Wiener Secession, eine
Entmystifizierung der Moderne anstrebt. Entmystifizierend wirkt auch
Gillingers Textfläche, die über Kopfhörer zu erlauschen ist, die einen
Raumklang erzeugen. Analog zu Peter Handkes berühmter
„Publikumsbeschimpfung“ stellte Gillinger eine überaus witzige
Kunstbetriebsbeschimpfung her. Dass das Projekt auf den ersten Blick
nicht unbedingt verkäuflich wirkt, stört sie fürs erste nicht. Aber sie
will den Text, zusammengetragen aus Medien und dem Internet, in andere
Sprachen übersetzen lassen bzw. bebildern.
Das romantische Bild vom
„hungernden Künstler“ liegt Gillinger nicht, sie arbeitet im
Tanzquartier, hat also einen Brotberuf. Das ist mit einem Kleinkind (2)
und einem Mann, der ebenfalls Künstler ist, auch nötig. Preise werden
auch hier ungern verraten. Bei einer Edition von 50 Stück könnte man
100 Euro pro Stück verlangen.
Verlust der Schwerkraft. Christian
Bazant-Hegemark hat Computerspiele programmiert, bevor er sich der
Kunst zuwandte. An der Akademie studierte er beim Maler Gunter Damisch.
Erklärungen, die über seine Werke nachzulesen sind, wirken weniger
spannend als diese selbst: Ein Baum schwebt verkehrt im Raum, Knaben
blicken in einen grünen Abgrund, hat dieser sich auf dem Spielplatz
aufgetan? Eine altmeisterlich gestaltete Figur fliegt ins Blaue,
Migranten scheinen sich in einen Swimmingpool zu stürzen. „Eternally
Tormented (Von der Unmöglichkeit, Fuß zu fassen)“ lautet ein Titel der
Arbeiten. Ausgangspunkt für die großformatigen Gemälde ist Bazants
Fotoarchiv. Er hat Galeristen in Paris und Leipzig, möchte sich aber
nicht mit den „Neuen Malern der Leipziger Schule“ (etwa Neo Rauch)
vergleichen, und auch sonst am liebsten mit niemandem. Auch Bazant mag
keine konkreten Preise nennen. 7000 bis 8000 Euro dürfte eines der
Bilder aus der Serie kosten – deren „Substrat“ (Bazant) „der Verlust
der Schwerkraft“ ist.
Alle drei Künstler scheinen ein ambivalentes
Verhältnis zum Kunstmarkt zu haben. Sie stellen eloquent ihre Werke
dar, nicht aber die Vertriebswege. Galerien schlagen bei Newcomern
schon einmal 100 Prozent auf die Preise auf; Neulinge müssen vermarktet
werden – und das kostet. Erfolg ohne Marktpflege funktioniert indes nur
schwer. Auf die Frage, ob er berühmt werden möchte, sagt Bazant: „Ich
glaube, das passiert schrittweise. Wenn man präsenter wird, steigt der
Marktwert, und man kann die Freunde zum Eis einladen. Aber es bringt
auch viele anstrengende Nervigkeiten.“
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