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Junge Kunst: Puppe und fliegende Skulptur

27.08.2011 | 16:36 | Von Barbara Petsch (Die Presse)

Absolventen der Schillerplatz-Akademie stellen ihre Werke vor, die auch vom Kunstmarkt handeln. Sie zeigen eloquent ihre Werke, nicht aber die Vertriebswege. Erfolg ohne Marktpflege funktioniert indes nur schwer.

Junge Kunst kaufen, ein Risiko, aber auch spannend. „Die Presse am Sonntag“ besuchte drei Absolventen der Schillerplatz-Akademie. Beim ehemaligen Präsidenten der Wiener Secession, Matthias Herrmann, hat die 28-jährige Oberösterreicherin Susi Krautgartner studiert und einen Würdigungspreis für ihr künstlerisches Diplom erhalten. Schaufensterpuppen faszinieren und beunruhigen sie seit ihrer Kindheit. Eine Installation mit Fotos und Objekten zeigt sie selbst in Verkleidungen und Verfremdungen, darunter mit einem Ganzkörperanzug.

Preisauskünfte: Sehr ungern. Die Serie heißt „Uncanny Valley“, unheimliches Tal. „Schaufensterpuppen sind Erscheinungsformen von festgelegten Rollenbildern von Frauen“, erläutert Krautgartner. Ihre Arbeiten erinnern an Cindy Sherman oder Elke Krystufek.
Krautgartner: „Selbstporträts von Frauen sind keine Nische, die Cindy Sherman belegt, und sie hat auch kein Monopol darauf. Ich mache das und glaube, dass in meinen Arbeiten eigene, von Sherman unterschiedliche Mechanismen und Strategien vorhanden sind. Elke Krystufek ist für mich eine sehr wichtige Position und sehr faszinierend, auch von der Karriere, die sie hingelegt hat. Sie ist vor dem Diplom vom Fleck weg berühmt geworden.“ Krautgartner hat keine Galerie, aber ein Atelier und eine Homepage. Preise für ihre Objekte möchte sie nur auf Anfrage mitteilen. Mit 2000–4000 Euro muss man für eine ihrer Arbeiten rechnen, die eine eigenartig gemischt steril-sinnliche Wirkung entfalten.

Kunstmarktbeschimpfung. Eine Sound-Installation hat die Klagenfurterin Christina Gillinger-Correa (35) gemacht. Sie studierte bei Monika Bonvicini, die in ihren Werken, u. a. zu sehen in der Wiener Secession, eine Entmystifizierung der Moderne anstrebt. Entmystifizierend wirkt auch Gillingers Textfläche, die über Kopfhörer zu erlauschen ist, die einen Raumklang erzeugen. Analog zu Peter Handkes berühmter „Publikumsbeschimpfung“ stellte Gillinger eine überaus witzige Kunstbetriebsbeschimpfung her. Dass das Projekt auf den ersten Blick nicht unbedingt verkäuflich wirkt, stört sie fürs erste nicht. Aber sie will den Text, zusammengetragen aus Medien und dem Internet, in andere Sprachen übersetzen lassen bzw. bebildern.
Das romantische Bild vom „hungernden Künstler“ liegt Gillinger nicht, sie arbeitet im Tanzquartier, hat also einen Brotberuf. Das ist mit einem Kleinkind (2) und einem Mann, der ebenfalls Künstler ist, auch nötig. Preise werden auch hier ungern verraten. Bei einer Edition von 50 Stück könnte man 100 Euro pro Stück verlangen.
Verlust der Schwerkraft. Christian Bazant-Hegemark hat Computerspiele programmiert, bevor er sich der Kunst zuwandte. An der Akademie studierte er beim Maler Gunter Damisch. Erklärungen, die über seine Werke nachzulesen sind, wirken weniger spannend als diese selbst: Ein Baum schwebt verkehrt im Raum, Knaben blicken in einen grünen Abgrund, hat dieser sich auf dem Spielplatz aufgetan? Eine altmeisterlich gestaltete Figur fliegt ins Blaue, Migranten scheinen sich in einen Swimmingpool zu stürzen. „Eternally Tormented (Von der Unmöglichkeit, Fuß zu fassen)“ lautet ein Titel der Arbeiten. Ausgangspunkt für die großformatigen Gemälde ist Bazants Fotoarchiv. Er hat Galeristen in Paris und Leipzig, möchte sich aber nicht mit den „Neuen Malern der Leipziger Schule“ (etwa Neo Rauch) vergleichen, und auch sonst am liebsten mit niemandem. Auch Bazant mag keine konkreten Preise nennen. 7000 bis 8000 Euro dürfte eines der Bilder aus der Serie kosten – deren „Substrat“ (Bazant) „der Verlust der Schwerkraft“ ist.
Alle drei Künstler scheinen ein ambivalentes Verhältnis zum Kunstmarkt zu haben. Sie stellen eloquent ihre Werke dar, nicht aber die Vertriebswege. Galerien schlagen bei Newcomern schon einmal 100 Prozent auf die Preise auf; Neulinge müssen vermarktet werden – und das kostet. Erfolg ohne Marktpflege funktioniert indes nur schwer. Auf die Frage, ob er berühmt werden möchte, sagt Bazant: „Ich glaube, das passiert schrittweise. Wenn man präsenter wird, steigt der Marktwert, und man kann die Freunde zum Eis einladen. Aber es bringt auch viele anstrengende Nervigkeiten.“


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