DER STANDARD, 21. Dezember 2001


Verschwundene Kunstwerke

Rechnungshof kritisiert Artothek des Bundes

Wien - Heftige Kritik äußert der Rechnungshof in seinem jüngsten Tätigkeitsbericht am Gebaren der Artothek des Bundes, die derzeit als Teil einer Abteilung der Kunstsektion im Bundeskanzleramt geführt wird. Über sie erfolgt die Sammlung und Verwaltung der Kunstankäufe des Bundes.

Der Rechnungshof moniert das Fehlen eines "zweckmäßigen Systems für die Inventarisierung und die Verleihtätigkeit" an Bundesdienststellen im In- und Ausland: "Mangels genauer Unterlagen schätzte die Artothek, dass rund 20.000 Kunstwerke verliehen sind, davon rund 2400 an Museen", gibt der Rechnungshof ein ungefähres Bild der Dimension der Ungenauigkeiten und präzisiert an anderer Stelle: Man habe die Artothek im Juni 2000 aufgefordert, die Standortkontrolle von etwa 5100 Kunstwerken vorzunehmen. Nach drei Monaten konnte sie lediglich die Standorte von 288 Kunstwerken benennen. In Wien wurden 1996/97 bei einer Kontrolle 46 Kunstwerke im Gesamtwert von 3,3 Millionen Schilling nicht aufgefunden und seither erst acht von ihnen lokalisiert.

Kritisiert wird auch die Unterbringung der Artothek in den "Prunkräumlichkeiten eines Wiener Innenstadtpalais", für die monatlich rund 80.000 Schilling Miete und Betriebskosten anfielen, wobei die klimatischen Bedingungen "unzureichend" wären und etwa Brandschutzeinrichtungen fehlten. (APA)


© DER STANDARD, 21. Dezember 2001
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