Hauptausgabe vom 21.06.2002 - Seite 006
BIO: Ed Harris machte "Pollock", Ed Harris spielte "Pollock", Ed Harris nominiert für "Pollock"

Der wilde Farbtropfer im Filmporträt

VON IRENE JUDMAYER

"Pollock" (USA 2001), Regie: Ed Harris (Moviemento).

Versoffen. Manisch-depressiv. In einem grindigen Kammerl vor sich hin malen. Ungezügelter Sex. Irgendwann schleppt einer zufällig einen Talentesucher in besagtes Kammerl und - bingo - die Karriere ist angeleiert. Irgendwann Stagnation. Irgendwann tragischer Tod.

Wer Jackson Pollock sagt, muss auch Klischees sagen. Der amerikanische Künstler (1912- 1956) bediente sie von A bis Z. Mit seiner zufällig entdeckten Technik, Farbe nicht zu malen sondern von oben auf die Leinwand tropfen zu lassen (=Drip Painting), revolutionierte er die amerikanische Kunst, die bislang im Fahrwasser Europas (Picasso etc.) dahindümpelte. Es war der Nationalsozialismus, der den Spieß umdrehte. Der es - durch Verfolgung und Vernichtung und dadurch Auswanderung vieler Künstler - möglich machte, dass Amerika zur führenden Kunstnation dieser Zeit wurde.

Eine Biografie über Pollock wurde gar mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Auf ihr basiert der Film "Pollock", in dem der amerikanische Schauspieler Ed Harris (u. a. "Truman Show") nicht nur inszenierte, sondern auch die Hauptrolle übernahm und dafür für den Oscar nominiert wurde. Den erhielt allerdings seine Filmpartnerin Marcia Gay Harden. Sie spielte Pollocks Frau Lee Krasner blendend und in plastischer Authentizität.

Um bei den guten Dingen zu bleiben: Exzellent die Ausstattung, die ein atmosphärisches Bild der 40er- und 50er-Jahre liefert. Exzellent die Kamera, optische Suff-Irritationen inbegriffen. Exzellent die Dramaturgie mit gestaffelten Rückblenden. Exzellent die Herausarbeitung der ewigen (?) Problematik, dass Lee Krasner - selbst überaus begabte Künstlerin - sich dem Genie des Mannes unterordnete.

Ob es gut war, dass Regieneuling Harris gleichzeitig spielte, sei (trotz Oscar-Nominierung) dahingestellt. Auch - ob man einem 51-Jährigen tatsächlich abnimmt, einen 29-Jährigen zu verkörpern. Und die bei allen Realitätsbezügen doch immer wieder passierende Romantisierung von Künstlerschicksalen ist halt auch so eine Sache¼

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Bewertung: 4


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