Marilyn oh Marilyn

Die Galerie Ernst Hilger zeigt im Sommer 2002 eine vielseitige Kunstschau mit dem Titel "Mythos Marilyn".


"Mythos" kommt aus dem griechischen und heißt übersetzt "Wort, Rede, Fabel oder Sage". "Wort" im Sinne einer letztendlich gültigen und nicht mehr hinterfragbaren Aussage, die Weltentstehungsprozesse, Gottheiten oder Menschenschicksale erklärt. Auch Staatsideologien verfügen oftmals über Gründungsmythologien.

Amerikas Ikonen

Tom Kelly (Zum Vergrößern anklicken)
Tom Kelly (Zum Vergrößern anklicken)

Um Menschen, berühmte Persönlichkeiten ranken sich ebenfalls Mythen. Besonders Amerika mit seiner starken Filmindustrie dürfte für kollektive Identifikationsflächen anfällig sein. Marlene Dietrich, James Dean, Elvis Presley, Liz Taylor und natürlich auch politische Kaliber wie J. F. Kennedy oder Malcom X.

Auftragsarbeit

In Wien begibt sich nun die Galerie Hilger auf die Spurensuche nach dem Mythos und Marilyn Monroe heißt sein Medium. Hilger hat ältere arrivierte Künstler wie Christian Ludwig Attersee, Karl Korab, Oswald Oberhuber oder den Italiener Mimmo Rotella und junge Talente wie Sasa Makarova, Sebastian Weissenbacher und Gerlind Zeilner eingeladen Artefakte zum Thema Mythos Marilyn zu präsentieren. Er ist dabei auf sehr unterschiedliche Ergebnisse gekommen, die diskussionswürdig sind. Während Korab sich als bescheidener Fan, der in einem dunklen Zimmer mit Marilyn-Poster an der Wand sitzt, outet, verarbeitet Rotella in seinen Siebdrucken zerfetzte Poster mit Filmmotiven von Marilyn.

Klassische Fotografie und Persiflage

Neben Celebrity-Fotos von Philippe Halsmann und Ernest Bachrach, die in den fünfziger und sechziger Jahren alle großen Filmstars porträtierten, finden sich auch ironische Beispiele der jüngeren Generation wie Arbeiten von Antonio de Felipes, der auf die gängigen Vermarktungsstrategien mit Monroes Körper anspielt. In einem Metro-Goldwyn-Meyer-Logo ist anstelle des Löwenkopfs ein Porträt einer lasziven Monroe zu sehen.

Unterhöschen und Totenschein

Andreas Leikauf
Andreas Leikauf

Freches und Erfischendes reiht sich an Theatralisches. Die mit Tuschpinsel gefertigte Arbeit von Andreas Leikauf, verbindet gekonnt die beiden kommerziellen Marken McDonalds und Marilyn Monroe. Leikauf hat ein McDonalds-Logo auf linken Oberarm seiner Marilyn-Figur gepinselt. "Let's be fast and cheap!" - Schlagworte des Neoliberalisums - stehen neben der Figur deren Gesicht nicht zu sehen ist. Witz ist in Sebastian Weissenbacher Arbeiten zwar auch zu finden, jedoch zollt er der Person Monroes weniger Respekt als Leikauf oder de Felipes. In einer Bilderserie malte er in seinen gewohnt grellen Farben mögliche Unterhosen von Marilyn Monroe. Imposant wirkt die Arbeit des Russen George Pusenkoff. Auf einer riesigen rotgefärbten Leinwand ist der Totenschein von Marilyn Monroe aufgezogen.

Ausblick

Die Ausstellung, die bei Ernst Hilger bis zum 19. August zu sehen ist, wird immer wieder durch neue Arbeiten ergänzt werden und somit einem starken Wandel unterliegen. Interessant wird es sein ob kommenden Arbeiten die mythische Oberfläche dieser Kultfigur durchstoßen können und mehr den Menschen und die Schauspielerin Marilyn Monroe in den Vordergrund rücken.

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