Ernst P. Strobl Wien (SN). Erst wollte sie nur ein Statement abgeben, nach der Pressekonferenz hatte sich Marina Fistoulari-Mahler aber gefasst. "Ich bin sehr berührt heute. Nicht nur, weil ich persönlich so lange dafür gekämpft habe, sondern auch wegen des Privilegs, dass ich heute Danke sagen kann", sagte Marina Mahler, die seit gestern, Mittwoch, im Besitz eines wertvollen Gemäldes aus der Österreichischen Galerie im Belvedere ist. Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) und Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco übergaben im Rahmen einer Vertragsunterzeichnung das restituierte Gemälde "Sommernacht am Strand" von Edvard Munch symbolträchtig im Marmorsaal des Belvedere an die Erbin Alma Mahler-Werfels.
Das Bild hing seit 1940 im Belvedere, was Agnes Husslein dazu bewog, von "zwei Seelen" in ihrer Brust zu sprechen. Einerseits - "und das überwiegend" - sei sie froh, das Werk der rechtmäßigen Eigentümerin zurückzugeben, andererseits sei es ein "großer Verlust für die Sammlung".
Ministerin Claudia Schmied sagte, sie sei froh, dass der Jahre dauernde Rechtsstreit beendet sei. Obwohl bereits vor ihrer Amtszeit beschlossen, sehe die jetzige Bundesregierung "die Restitution als wichtige Aufgabe und auch als historische Pflicht" an. Bezüglich des Gemäldes Edvard Munchs folgte man der Empfehlung des Beirates, der schon 2006 die Übereignung gemäß Paragraf 3 des Kunstrückgabegesetzes anriet.
Agnes Husslein betonte, dass die meisten Provenienz-Dossiers aus Eigeninitiative vom Belvedere erstellt würden, nur in wenigen Fällen werde aktiv angefragt. Im Vorfeld der Restitution habe man das Mahler-Werfel-Archiv in Philadelphia konsultiert und "auch diese Prüfungen haben ergeben, dass die Rückgabe zu Recht erfolgt". Derzeit plant das Belvedere ein eigenes Research-Center am Rennweg.
Warten auf die nächste Beiratssitzung Belvedere-Vizedirektor Alfred Weidinger sagte am Rande der Pressekonferenz, dass rund 120 Kunstwerke aus dem Belvedere genauer untersucht werden müssten, von 60 davon gebe es bereits Dossiers. Vierzig Kunstwerke würden eventuell der Restitution zugeführt werden. Derzeit warte man auf eine Beiratsempfehlung im Zusammenhang mit zwanzig Kunstwerken.
Marina Mahler, die abwechselnd im italienischen Spoleto und an der Riviera wohnt und häufig in London bei ihrer Tochter weilt, wollte noch nicht sagen, wo das Munch-Gemälde nun seinen neuen Platz erhalten solle. Bereits am Mittwochnachmittag wurde das Bild abgeholt. Experten schätzen dessen Wert auf bis zu zehn Millionen Dollar (rund 7,4 Millionen Euro). Darüber wollte Marina Mahler nicht reden. "Das soll heute kein Thema sein. Lasst uns heute feiern, eine bessere Welt zu schaffen."
Eine Überraschung hatte Marina Mahler auch: Sie schenkte Österreich den Abguss einer Büste von Gustav Mahler, welche seine Tochter Anna Mahler 1980 angefertigt hatte. Auf ihren Wunsch hin soll die Komponistenbüste in der Staatsoper Aufstellung finden.







