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Kunstberichte

Was da keucht und flucht

Aufzählung (cai) Sie kennen ja diese biologisch abbaubaren Diktiergeräte, die man im Käfig aufbewahren muss, weil sie sonst abpaschen täten (und die überhaupt sehr unberechenbar sind und obendrein eine eher bescheidene Aufnahmekapazität haben, aber halt total bio sind). Und Gloria Friedmann ahmt diese nun mit ungeheurem Einfühlungsvermögen nach, diese Öko-Diktafone, die nicht mit Batterien betrieben werden, sondern mit Vogelfutter: die Papageien.

Was? Zieht sie sich etwa übertrieben bunt an und plappert dann alles nach? Nicht so ganz. Sie macht nämlich ausgestopfte Papageien nach, also kaputte Diktiergeräte (und auf die kann man ja einreden wie auf ein von einer Straßenwalze überfahrenes Hörgerät). Natürlich schweigt sie nicht einfach ausführlich, sondern imitiert die hinigen Vögel nach Malerinnen-Art. Mit dem Pinsel. Übersetzt das prächtige Gefieder in opulente Farbidyllen. Geradezu morbide Andachtsbilder sind das. Denn da pickt auch noch die Inspirationsquelle (der jeweilige Papagei) drauf wie das Tüpferl auf der Hyäne. Und dass Präparatoren totes Getier auf lebendig trimmen, ist sowieso paradox, wenn nicht pervers. Die süffige Serie, die uns das gestörte Verhältnis des Menschen (und Künstler sind ja auch nur Menschen) zur Natur vor Augen führt (eh halbwegs schonend), heißt übrigens wie eine berüchtigte Sadomaso-Praktik: "Karaoke".

Aufdringlich allegorisch ist dagegen der naturentfremdete "intellektuelle Naturbursch". Er steht auf einem Stapel Bücher über die Erde und das, was da keucht und flucht (äh: kreucht und fleucht), und ist vertieft in ein Werk übers Wetter. Sicher so einer, der seine Topfpflanzen mit selbstgesammeltem Regenwasser gießt.

So billig, so ungeil

Aufzählung (cai)Na ja, immerhin sind die Wände beeindruckend, auf denen die Bilder hängen. Beeindruckend pink zum Beispiel. Und, he, endlich einmal ist nicht sie selbst das Thema, also die Elke Krystufek. Sondern die Männer sind’s. Gut, die meisten der Porträtierten kenn’ ich sowieso nicht. Den John Waters natürlich schon. Oder Jesus. Aber Letzteren mit unkeuschen Gib’s-mir-Gedanken in Verbindung zu bringen .. . hm. Billig. Mit der Provokation ist das halt wie mit dem Wald und den Bäumen. Irgendwann sieht man sie vor lauter Ferkeleien nicht mehr. Und die Pornografie nicht vor lauter Erektionen. Drum hab ich die ordinären Organe und die pubertären Kritzeleien ganz hinten in der Galerie auch völlig gelassen hingenommen. Nicht einmal ein zartes "Pfui!" haben sie mir entlockt. Oh, und diese ellenlangen Texte auf den Bildern alle zu lesen, war ja so anstrengend. Und? Bin ich jetzt vielleicht erleuchteter als vorher?

Venedig sehen und lügen

Aufzählung (cai) Zuerst hab ich ja gedacht: Mist! Die haben schon alles von der Dorit Margreiter abgehängt und von den Sockeln genommen und müssen das bloß noch endgültig wegräumen. Dann die Eingebung: Die Kunstwerke sind ja gar nicht echt! Das ist alles Theater. Die angelehnten Bilder sind leer, die rumkullernden Kugeln nicht wirklich minimalistische Plastiken (eher die vage Idee davon) und die Trense gibt sich als Readymade aus. Diese "Versatzstücke einer möglichen Ausstellung" verbinden sich nun raffiniert mit dem Film "Aporia", durch den sich ein komplexer Text von Norman Klein zieht, wo einer besessen ist von Venedig-Kopien und die ultimative begehbare "Venedig-Maschine" baut. Und da Margreiter (wie die Krystufek übrigens auch) Österreich heuer auf der Biennale in Venedig vertreten wird, schließt sich der Kreis.

Galerie Mauroner

(Weihburggasse 26) Gloria Friedmann Bis 2. Mai Di. – Fr.: 11 – 19 Uhr Sa.: 11 – 16 Uhr

Galerie Meyer Kainer

(Eschenbachgasse 9) Elke Krystufek Bis 25. April Di. – Fr.: 11 – 18 Uhr Sa.: 11 – 15 Uhr

Galerie Krobath

(Eschenbachgasse 9) Dorit Margreiter Bis 25. April Di. – Fr.: 13 – 18 Uhr Sa.: 11 – 15 Uhr

Printausgabe vom Mittwoch, 22. April 2009

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