Frage: Wie kamen sie auf die Idee eine Hommage für Marilyn
Monroe zu machen? Gut, es ist das 40. Todesjahr von Monroe...
Hilger: Ich wusste nicht, dass es ihr 40. Todesjahr ist. Es geht
erst in zweiter Linie um Marilyn Monroe. In erster Linie ging es um die
Suche der Menschen nach Mythen. Wir leben in einer an Mythen armen Zeit.
Die historischen Mythen gehen langsam aus. Die Alltagsmythen verlieren an
Faszination, da die Dinge längst alle durchschaubar sind. Geheimnisse
gehen verloren. Daher ist die Frage nach dem Mythos das eigentliche Thema
der Ausstellung. Marilyn Monroe ist dabei eine Art von Fokus.
Frage: Welche Art von Fokus?
Hilger: Sie können keine Mythologie ohne Zentrum haben. Eine
Mythologie muss sich um einen Gegenstand oder um eine Person ranken. In
dem Fall haben wir Marilyn Monroe genommen, die mehr Links und Websites
hat als Jesus Christus. Es gab ja sogar eine Nachlass-Auktion bei der Andy
Warhol und andere Leute Sachen von ihr kauften. Es geht soweit, dass
Unterschriften von Marilyn mehr kosten als Kunstwerke. Vielleicht ist
Mythos das was ich die ganze Zeit in meinem Leben gesucht habe und Kunst
die einzige Möglichkeit Mythos im 21. Jahrhundert darzustellen.
Frage: Was ist der Mythos an Marilyn Monroe für sie als Galerist
und Mann?
Hilger: Als Frau hat sie mir nie rasend gefallen. Deshalb hat es
mich umso mehr interessiert, worin die Faszination dieser Frau liegt. Als
Kunsthändler hat es mich erstaunt, wie viele wesentliche Künstler sich mit
ihr auseinandergesetzt haben. Oder wie schnell die kontaktierten Künstler
bereit waren, dieses Thema aufzugreifen. Wir haben in dieser Ausstellung
erst einen winzigen Bruchteil zum Thema Mythos Marilyn gezeigt. Das heißt
es wird eine Fortsetzung geben. Wir haben ein paar junge Künstler
angerufen. Und wir haben auch das "fake and non fake" Prinzip in die
Ausstellung aufgenommen, da wir echte Warhols und nicht signierte Warhols
ausstellen. Wir haben auch eine Erstausgabe ihrer Memoiren gefunden, die
wahrscheinlich gar nicht von ihr geschrieben wurden. Und wir präsentieren
sogar ein Strass-Kollier von ihr in der Ausstellung.
Frage: Welche Kriterien bestimmen die Auswahl der Künstler? Es
ist ja eine sehr heterogene Schau von Celebrity-Fotos eines Klassikers wie
Philippe Halsmann zu Tuschpinsel Arbeiten von Andreas Leikauf?
Hilger: Kriterien war die künstlerische Qualität von Arbeiten
sowie gewisse emotionale Zugänge. Es ist eine erste Sichtung. Manche
Künstler hatten sich schon früher mit Marilyn Monroe beschäftigt. Andere
taten es im Rahmen dieser Ausstellung.
Frage: Wer hat von den jungen Künstler etwas zur Ausstellung
gemacht?
Hilger: Angelika Breitfuß hat eine sehr faszinierende Arbeit
gemacht. Sebastian Weissenbacher hat sich mit den Unterhosen der Marilyn
Monroe beschäftigt. Sasa Makarova dazu eine sehr expressive Thematik dazu
entworfen. Und von so alten Künstlern wir Mimmo Rotella gab es einfach
diese alten Siebdruckposters. George Pusenkoff hat als einen Teil seiner
Arbeit das Todeszertifikat groß als Bild gebracht. Für alle war es eine
Bereicherung. Denn sie meinten, ich hätte sie auf etwas aufmerksam
gemacht, was sie schon längst tun wollten. Über den ganzen Sommer wird
sich die Ausstellung verändern. Es werden Sachen dazukommen, es werden
Sachen verkauft werden.
Frage: Es sind dabei auch so umstrittenen Künstler wie der
Playboy-Illustrator Mel Ramos vertreten, dessen Frauenporträts zum Teil
lustvoll sind, aber manchmal die Grenze des Voyeuristischen und
Frauenverachtenden überschreiten.
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| Mel Ramos |
Hilger: Das ist das erstemal das ich so etwas über Ramos höre.
Er hat das Frauenbild sehr stark mit Konsum verbunden, aber mit einer sehr
großen Liebe für die Frau. Es ist eine sehr amerikanische fast prüde
Auseinandersetzung mit Nacktheit. Meiner Ansicht nach geht es nie ins
Vulgäre, ins "Pin Up" hinein. Die Frau ist immer sehr distanziert
gezeichnet.
Frage: Der Schlüsselochblick auf die nackte Marilyn bedient doch
sexistische Stereotypen. Ramos meint das aber ernst und er spielt nicht
damit. Das macht es fragwürdig.
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Hilger: Natürlich geht es
dabei um die Fantasie durch das Schlafzimmerschlüsselloch auf Marilyn
Monroe zu sehen. Jeder möchte sich am Mythos reiben. Dazu gehört
sicherlich auch der Zimmerkellner der versucht vom Star etwas
mitzukriegen. Das hat weniger erotische Komponenten als vielmehr die
Sehnsucht an den Star heranzukommen und einen Bruchteil der Sekunde am
Mythos des Stars teilzuhaben. Ramos bringt meiner Ansicht eine gewisse
Ironie über seine amerikanischen Mitbürger ein. Wenn so etwas ein
Amerikaner malt, hat das einen anderen Kontext, als wenn es ein
Österreicher malt. Er hat es durch seine Darstellung der Nacktheit ja auch
schwer am Kunstmarkt gehabt. Große amerikanische Galeristen wie der
Castelli haben ihn deshalb nicht ausgestellt.
Frage: Daneben reihen sich so ernsthafte Maler wie Sandro
Chia?
Hilger: Er ist ein Maler der Mythologien und für ihn der Mythos
das Thema.
Frage: Und wie passt da Robert Zahornicky hinein, der doch eher
ein Konzept-und Objektkünstler ist?
Hilger: Er präsentiert hier ein eigenes Konzept. Er hat ein
Fotomodell gefunden, das wie Marilyn Monroe aussieht und es fotografiert.
Es sind "Look-a-like"-Fotos. Er hat Fotografien von Marilyn Monroe
nachgestellt.