Salzburger Nachrichten am 8. Februar 2006 - Bereich: Kultur
Kein Licht für Oskar Werner

Heimische Medienkunst in Madrid: "Postmediale Kondition", "Digital Transit"

MARTIN BEHRMADRID (SN). Der Saliera-Diebstahl und die Causa Klimt-Bilder haben in den vergangenen Wochen - mit Ausnahme der Medienskulptur "Porno-Plakate" - den internationalen Blick auf das Kunstland Österreich geprägt. "Da ist es ungemein wichtig, dass sich Österreich in Madrid als zukunftsweisendes Land mit innovativen Kunstschaffenden präsentiert", erklärt der Ausstellungsmacher und Künstler Peter Weibel im Gespräch mit den SN.

Expressivität und Körperlichkeit würden vor allem in Österreich geschätzt, betont Weibel. Daneben existiere aber eine konstruktive, analytische Medienkunst-Szene, die im Ausland sehr gut wahrgenommen werde, da Österreich auf diesem Gebiet "Weltklasse-Künstler" vorzuweisen habe. Weibel fungiert als wissenschaftlicher Beirat der Schau "Postmediale Kondition", die - in größerem Umfang - bereits in der Neuen Galerie Graz zu sehen war. In dieser von Christa Steinle und Elisabeth Fiedler kuratierten, am Dienstag im Centro Cultural Conde Duque eröffneten Schau werden rund 40 Positionen einer jüngeren Künstlergeneration gezeigt, die auf Medienkunst-Pioniere wie Valie Export, Peter Weibel oder Richard Kriesche aufbaut.

Gemeinsames Kennzeichen vieler Arbeiten sei die Gleichwertigkeit sowie das Mischen der Medien, Fotografie, Film, Video und digitale Kunst, sagt Steinle. Gelungenes Beispiel für diesen "postmedialen Zustand" ist etwa die interaktive Video-Installation "Switch Enlightenment" von Jörg Auzinger.

Besucher greifen aktiv in Video-Installation ein In einem Loop ist Oskar Werner zu sehen, wie er im legendären Truffaut-Film "Fahrenheit 451" trotz Verbot ein Buch liest. Über einen Lichtschalter im Raum können die Besucher in die Arbeit eingreifen, indem sie dem von Werner gespielten Feuerwehrmann Licht zum Lesen geben oder nehmen.

Hans Schabus zeigt sein 2002 gefertigtes Video "Western", er gondelt mit einem Einmann-Segelboot melancholisch durch Abwasserkanäle in Wien: Reisen als Stillstand. Eindrucks- bis effektvolle Arbeiten steuern Barbara Caspar, Hans Weigand, Ruth Schnell, Michael Schuster oder Katarina Matiasek bei.

Herausragende Beispiele österreichischer und internationaler Medienkunst zeigt im selben Gebäudekomplex die Ausstellung "Digital Transit" aus dem Umfeld der ARS Electronica Linz. In den Conde-Duque-Katakomben ermöglicht der Ire John Gerrard seiner am Computer erzeugten "Caroline" in zwei Real-Time-3D-Porträts sanfte Lidbewegungen. Dem "Eindringen des Digitalen" in den Alltag, dem Menschen im Spiegel von genetischen und digitalen Codes widmet sich - schon im Ausstellungsplakat - "Altmeister" Richard Kriesche.

Michael Aschauer, Norbert Pfaffenbichler und Lotte Schreiber haben mit ihrer Gemeinschaftsarbeit "24!" einen Klangraum geschaffen. Ein digitaler Code als Ausgangspunkt für räumliche, akustische und optische Reize: Formal minimalistisch ausgeführt, thematisiert diese Arbeit die Möglichkeiten und Grenzen der menschlichen Wahrnehmung. Veränderte Raumein-drücke gibt es auch bei Ulf Langheinrichs "Waveform B", Vibrationen und Stroboskop-Effekte entführen in die Techno-Welt.