| Salzburger Nachrichten am 24. März 2006 - Bereich: Kultur
Kunstwerk und Schuhwerk Kulturgeschichte des
Schuhs in Linz und Schuh in der Kunst in Salzburg HEDWIG KAINBERGER
Hedwig Kainberger Salzburg, linz (SN). Auf den ersten Blick schauen sie
aus wie zwei Schlauchboote, die auf dem Pflaster im Hof des Traklhauses in
Salzburg schwimmen. Wer näher tritt, sieht sie als riesige Kinderschuhe.
Diese fröhliche, witzige Installation hat die Halleiner Künstlergruppe
"Bildkombinat Bellevue" für die Ausstellung "Schuh im Kunstwerk" in der
Galerie im Traklhaus geschaffen, die am Donnerstag eröffnet wurde. Der Leiterin der Landesgalerie, Dietgard Grimmer, ist mit dieser
Frühjahrsschau ein großer Wurf gelungen. Sie hat Werke von 68 Künstlern
zusammengetragen, einige davon wurden extra für diese Ausstellung gemacht.
So hat Daniel Spoerri einen Brotteigschuh in Bronze gegossen. Spoerri habe
die Skulptur soeben rot bemalt, als die Leihgaben für Salzburg in Mailand
abgeholt worden seien, erzählt Grimmer. Der Meister der "Eat Art" hat
sechs Teigschuhe sowie aus seiner Privatsammlung einen Schuh aus
Schweinsblase versehen mit Papageienfedern zur Verfügung gestellt. Nicht nur Schuhwerke von Berühmten wie Andy Warhol, Günther Uecker,
Georg Baselitz, Silvy Fleury, Tone Fink oder Birgit Jürgenssen sind zu
sehen, auch ein Würfel aus Filzschlapfen der 30-jährigen Chilenin Carla
Bobadilla oder die "Negativschuhe" von Ferdinand Götz; der in Ischl
lebende Künstler hat Schuhe voll Beton gegossen und das Leder abgeschält.
Wer für Schuhe ein größeres Interesse hat, als sie an Füßen zu tragen,
dem sei die Ausstellung in Linz empfohlen. Im Schlossmuseum zeigt das
Oberösterreichische Landesmuseum seine Sammlung von rund 200 Exponaten aus
fast drei Jahrhunderten und mehreren Erdteilen - barocke Damenschuhe,
Mokassins der Indianer oder einen der ersten Rollschuhe."Schuh in der
Kunst", Salzburger Landesgalerie im Traklhaus, bis 17. Juni, dazu ein
120-seitiger Katalog. "Den Schuhen auf der Spur", bis 30. Juli im
Schlossmuseum Linz. |