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Kunstberichte
Die Liebe zur Mehrdeutigkeit und die Farbe Schwarz: Das MAK zeigt Werke und Interventionen von Franz Graf

Begraben in Traum und Vergessen

Stiller Star und Schwarzmagier der Wiener Kunstszene: Franz Graf, "Ohne Titel", 1995. Foto: G. Kargl F.A./MAK

Stiller Star und Schwarzmagier der Wiener Kunstszene: Franz Graf, "Ohne Titel", 1995. Foto: G. Kargl F.A./MAK

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung Franz Graf ist so etwas wie der schwarze Magier der Wiener Kunstszene. Das haben seine Werke auf den vergangenen beiden Kunstmessen erneut bewiesen. Er ist ein stiller Star. In seinen Bildern geht der 55-Jährige vom Schwarz der Gebrauchsgrafik aus, aber er hat die Zeichnung in den vergangen Jahrzehnten auf höchstes Niveau gehoben. Graf hat übrigens Oswald Oberhubers Grafikklasse absolviert.

In seiner Ausstellung "Final Song First" im Museum für angewandte Kunst (MAK) bringt der Künstler neben seinen Werken auch Säulen aus zusammen gebundenen Plastikflaschen an. Einen weiteren ästhetischen Kontrast setzt er mit Hermann Czechs Thonetstühlen, die er frei im Raum verteilt, gedacht auch als Sitzgelegenheit für Besucher. In der Schau entsteht zudem ein diabolisches Spiel zwischen der Offenheit eines sozialen Blicks und der Verschlossenheit einer individuellen Melancholie. Der sechste Künstler im MAK-Fokus vernetzt die Künste und sprengt die Grenzen zwischen Objekt, Bild, Grafik, Text und Sound.

Zum einen verwandelt er den Ausstellungsraum am Dach in eine Art Atelier, zum anderen führt er einen zurück zu den Ursprüngen des Zeichnens – als es noch magisch und identisch mit dem Schreiben war oder auch mit dem Tätowieren des Körpers.

Mit seinen teilweise auf Metallwinkel gestellten oder eingehängten Leinwänden gibt er dem Bild die Raumwirkung einer Plastik. An anderer Stelle huldigen seine Werke der Fläche, vor allem jene mit Grafit zweiseitig auf Transparentpapier gezeichneten Ornamentzitate sowie die zwischen Glas gespannten Schriftblöcke. Eine Anspielung an den Jugendstil, der im Raum darunter präsentiert wird? Oder vielmehr ein Kommentar zu früheren Kunstformen, ähnlich seiner Interventionen zu den Barock- und Rokokowerken des Museums (1993)? Auch die kreisförmigen Schablonen aus Stahl am Boden erinnern an seine Interpretation von Spitzendecken und Glasätzung.

Liebe zur Mehrdeutigkeit

Mit einem eingehängten Spiegel könnte der Künstler seine und die Liebe unserer Zeit für die Kunst der Mehrdeutigkeit vervielfachter und demokratisch eingestreuter Motive andeuten. Er bespiegelt sich selbst in einigen Bildnissen, bleibt zudem mit anderen Künstlern im Zwiegespräch, etwa mit Czechs weißen Möbeln.

Schriftzüge wie "Begraben in Traum und Vergessen" oder der Titel "Sterne Rücken" verbinden die für Wien wichtige konkrete Poesie mit seinen geometrischen Kompositionen. Graf verstand es jedoch, sich vom puristischen Ideal dieser Szene schnell in die innerlichen Abgründe spontaner Inspiration zu verabschieden.

Somit ist er das Paradebeispiel eines neuen Künstlertypus zwischen allen Stühlen – man könnte auch Stile meinen.

Aufzählung Ausstellung

Künstler im Fokus #6:

Franz Graf. Final Song First Bärbel Vischer (Kuratorin) MAK Schausammlung, bis 20. Sep.

Mo: geschlossen, Di: 10 – 24 Uhr Mi–So: 10 – 18 Uhr http://www.mak.at

Printausgabe vom Mittwoch, 22. April 2009

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