Die von dem südafrikanischen Regisseur angestrebte Verbindung von einstigen und heutigen Rassismen, von Kolonialismus, einstigem Genozid und heutiger Migrationsproblematik funktioniert erschreckend gut, trotz (oder gerade wegen) des darin enthaltenen polemischen Potenzials.
Einer der Hauptdarsteller ist das Völkerkunde-Museum selbst. In kleinen Gruppen werden die Zuschauer im Halbstundentakt in die Aula gelassen. Im großen Kreis sitzen sie um eine offene Vitrine, in der sich eine junge schwarze Frau, als Wilde in Stöckelschuhen kostümiert, auf einer Drehscheibe zur Schau stellt. Bailey möchte an die Menschen-Shows des 19. Jahrhunderts erinnern, in denen afrikanische „Eingeborene“ in Europa wie Tiere zur Schau gestellt wurden.
Jede Minute taucht ein schwarzes Kind auf, nimmt einen Besucher an der Hand und führt ihn in den ersten Stock. In und zwischen den ansonsten leeren Vitrinen dieses derzeit geschlossenen Teils der Schausammlung hat Bailey eine bedrückende Ausstellung arrangiert, die radikal auch auf eine mögliche Zukunft des Hauses als „Kulturenmuseum“ verweist: Von Ausstellungsstücken aus dem ehemaligen Deutsch-Südwestafrika, zu denen Figuren genau vermessener menschlicher „Fundstücke“ gehören, bis zu Vitrinen, in denen heutige Asylwerber stehen, reicht der Bogen.
Niemals kann man sicher sein, ob man nun Puppe oder realen Figuren gegenübersteht. Im vorletzten Raum stößt man unter dem Titel „Survival of the Fittest!“ auf eine lebende Installation zu dem auf einem Abschiebungsflug erstickten Marcus Omofuma. „Verschiedene Materialien: Flugzeugsitz, Klebeband, Nigerianer, Schuhe, Parlament“, lautet die Beschriftung des Ausstellungsstücks, und tatsächlich sieht man aus dem dahinter liegenden, mit roter Folie beklebten Fenster auf das Parlamentsgebäude.
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