"Chevalieuse" des zeitgenössischen Kunstbetriebs
|
Erfolgreich in der Schweiz: Schaschl.Foto: Viktor Kolibal, Basel
|
Von Christof Habres

Österreichische Direktorin des Kunsthaus Baselland zur Ritterin geadelt.
Basel.
Es passiert sehr selten, dass man schon mit 43 Jahren zum Ritter,
respektive zur Ritterin geschlagen wird. Der Kunsthistorikerin Sabine
Schaschl wurde diese Ehre vor kurzem zuteil. Frankreich verlieh der
gebürtigen Klagenfurterin und Direktorin des Kunsthaus Baselland für
ihre Verdienste um die französische Kunst und Kultur den Orden
"Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres".
Die Etablierung ihrer "French Connection" liegt mehr als zehn Jahre
zurück. Ende der 90er Jahre bekam Schaschl ein Stipendium für Paris
zugesprochen und verbrachte die meiste Zeit damit, sich in Galerien und
Ateliers von jungen Künstlern umzusehen und Kontakte zu knüpfen. Ihr
Netzwerk konnte sie in den Folgejahren sowohl für ihre kuratorische
Tätigkeiten wie auch als Direktorin zweier Kunsthäuser verwenden –
obwohl die folgenden Karriere-Stationen eher in der Schweiz lagen.
Programm überzeugt
Schaschl war erst Direktorin des Kunstraums Shed im Eisenwerk in
Frauenfeld in der Schweiz und wurde 2001 Direktorin des Kunsthaus
Baselland. Ein Kunstraum, der damals auf der Suche nach seiner
künstlerischen Ausrichtung gewesen ist. Keine leichte Aufgabe, bedenkt
man die Konkurrenz, die die angrenzende Stadt Basel zu bieten hat.
Schaschl konnte das Kuratorium mit ihrem Konzept, eine prononciert
junge, zeitgenössische Schiene zu fahren, überzeugen. Und sie hatte
Erfolg. Ausstellungen wie "The Art of Failure", "Cooling out – Zur
Paradoxie des Feminismus" oder "The Eternal Flame: Über das Versprechen
von Ewigkeit" mussten keinen Vergleich mit der nahen Großstadt scheuen.
Diese Erfolge brachten für Schaschl Jury-Einladungen mit sich – und 2007
den Swiss Art Award für ihre kuratorische und kunstvermittlerische
Arbeit. Das erreichte Renommee hilft auch bei Budgetverhandlungen, bei
denen Schaschl ihre Geldgeber meist von einer notwendigen finanziellen
Aufstockung überzeugen kann.
Natürlich ließe sich auch die Frage nach einer möglichen Rückkehr
nach Österreich stellen. Diesbezüglich gibt sich Schaschl noch bedeckt,
verweist auf ihren bestehenden Vertrag, die künstlerische Flexibilität,
die ihr die derzeitige Funktion bietet. Dabei schwingt noch etwas
Grundmisstrauen gegenüber dem sehr eigenen österreichischen
Museumskosmos mit. Aber ausschließen kann, will und möchte die
"Chevalieuse" eine berufliche Rückkehr nicht.
Printausgabe vom Donnerstag, 02.
Dezember 2010
Online seit: Mittwoch, 01. Dezember 2010 18:07:00
Kommentar senden:
* Kommentare werden nicht automatisch
veröffentlicht. Die Redaktion behält sich vor Kommentare abzulehnen.
Wenn Sie eine Veröffentlichung Ihrer Stellungnahme als Leserbrief in der
Druckausgabe wünschen, dann bitten wir Sie auch um die Angabe einer
nachprüfbaren Postanschrift im Feld Postadresse. Diese Adresse wird
online nicht veröffentlicht. Bitte beachten Sie unsere Feedback-Regeln.