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| 25.11.2003 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Ausstellung: Maria und die Engel, verschleiert | ||
| Arnulf Rainer zeigt einen Zyklus unter dem Titel "Sotto la croce" bei der Biennale religiöser Kunst in Venedig. | ||
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Der hohe Besuch fand nicht statt. Wiens Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn erschien nicht zur Eröffnung der Ausstellung im Diözesanmuseum von Venedig, nachdem auch Arnulf Rainer sein Kommen krankheitshalber absagen musste. Doch konnte Enzo di Martino im Beisein der Frau des Künstlers eine eindrucksvolle Werkschau eröffnen. Schon der Ort ist bemerkenswert. Um ins Museum zu
gelangen, passiert man im Schatten der Seufzerbrücke den einzigen
erhaltenen romanischen Kreuzgang Venedigs und taucht damit vom hektischen
Getriebe der Lagunenstadt ein in eine Besinnlichkeit, die nicht nur
Venedig abgeht. Das ist wohl der rechte Rahmen, um Rainers Werke zu würdigen. "Sotto la croce", frei zu übersetzen vielleicht am besten mit "Im Zeichen des Kreuzes", vereint Arbeiten aus der jüngsten Vergangenheit, die allesamt auf religiösen Motiven beruhen. Die beiden Räume des Museums sind jeweils beherrscht von einem riesigen Kreuz-Gemälde, in hellen Farben das erste, düster dräuend das andere. Ringsum gruppieren sich Übermalungen von Christus-, Engels- und Mariendarstellungen, die in Rainers unverwechselbarer Manier durch Verhüllung oder Betonung starke, oft schockierende, zuweilen sogar bewegende Akzente setzen. Rainer hat seit den fünfziger Jahren konsequent
geistliche Themen bearbeitet. Für ihn wie für viele seiner Kollegen war
die Begegnung mit dem großen Mäzen und Sammler Monsignore Otto Mauer auch
in spiritueller Hinsicht prägend und wirkt bis heute nach. Die Bilder der
ausgehenden neunziger Jahre verraten oft schwungvolle Übermalungsgesten,
die als Reflexionen und, je nachdem, feinsinnige oder spontane
Kontrapunkte zu den übermalten Figuren gedeutet werden können. Am
bewegendsten hier vielleicht die in weich geschwungenen Linien verhüllte
Madonna (1998/99), deren Blick durch die modernen künstlerischen
Reflexionen zu höchstem Ausdruck gesteigert scheint. Rainers jüngste
Arbeiten aber verzichten auf die anschmiegsame Führung der Übermalungen
und setzen an deren Stelle gerade herabfallende, schleierartige
Strukturen, die wie unsymmetrisch geöffnete Vorhänge den Blick freigeben
auf Engels- und Marien-Köpfe. So bietet "Sotto la croce" auch eine kleine Übersicht
über Arnulf Rainers jüngsten Stilwandel. Die Verbindungen zu Italien, zu
Venedig insbesondere, sind bei diesem Künstler gegeben. Vor drei Jahren
hat ihm Bologna eine Retrospektive gewidmet. Und das venezianische Museo
Correr nahm erst kürzlich einen ganzen Rainer-Zyklus in seine Sammlung
auf. Kunstfreunde werden derzeit in Venedig noch andere
Österreich-Bezüge aufdecken. Immerhin ist die vom Publikum gestürmte
Giorgione-Schau in der Academia ohne Leihgaben des Kunsthistorischen
Museums, das die Ausstellung übernehmen wird, undenkbar. Einige der
ohnehin wenigen erhaltenen Werke des Meisters stammen aus der Wiener
Sammlung und zählen zu den Glanzstücken der an Exponaten gewiss kleinen,
aber sorgfältig aufbereiteten Schau. |
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