Das MAK zeigt Plakate von Deutschbauer/Springs aktionistischen Unterwanderungen des Kulturbetriebs
Wie plakativ ist Widerstand?
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Trennung in Sicht? Muss man dem Künstlerduo Deutschbauer/Spring Adieu
sagen, das mit satirischen Plakaten wie „Widerstandl“, 2001, für Furore
sorgte? Foto: Petra Egg |
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Ist es nun tatsächlich aus? Bereits im Herbst
2007 hatte das Künstlerduo Julius Deutschbauer und Gerhard Spring ihre
Zusammenarbeit für beendet erklärt. Das vorläufige Ende des Tandems
bedeutet vor allem ein Aus für die im Jahr 2000 gestartete
Plakataktion, die auch österreichische Kulturpolitiker mit Spott und
Hohn bedachte.
Das MAK macht es sich zur Aufgabe, den 99 Plakaten zum Abschluss
eine Nummer 100 folgen zu lassen. Ein Bild mit gleichem Sujet sowie
Zeichnungen und Druckwerke, die an das englische Performancepaar
Gilbert & George erinnern, ergänzen die Schau. Die Stellwände mit
den Plakaten führen aber einmal mehr vor Augen, dass darin ihre
eigentliche Stärke lag.
Meist ging den Plakaten ein theatralisches Happening voraus: Der
ehemalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Kulturstaatssekretär
Franz Morak waren ihre "Lieblingsopfer". Bei der Biennale in Venedig,
der Eröffnung im Museumsquartier oder den Salzburger Festspielen
hefteten sich die Künstler an die Fersen der Politiker und warnten mit
Slogans wie "Auch Du bist Biennale. Künstler, denke daran!". Im Jahr
2001 ernannten sie sich spaßeshalber selbst als künstlerische Vertreter
Österreichs bei der italienischen Großschau.
Selbst ihre Galeristin setzten sie auf Krücken gestützt ein, um vor
der schwarz-blauen Regierung zu warnen. Die Aktion "Gott schütze
Österreich" oder "Du glückliches Österreich spare froh" endete beim
gemeinsamen Würstelessen vor dem "Widerstandl".
Aber auch Kuratoren und Künstlerkollegen bekamen in den satirischen
Plakaten ihr Fett ab: Dem Künstler Erwin Wurm verhalfen sie etwa zum
"Wurmfortsatz" in Richtung Leopoldmuseum oder Palais de Tokyo in Paris.
Der Blick hinaus aus der hiesigen Szene führt auch einmal nach Berlin
oder New York. Weder Mahnmale noch Terror werden dabei von ihrer
Bild-Wort-Kommentierung ausgenommen. Als Akte belagerten sie
beispielsweise das Berliner Mahnmal, in einer öffentlichen Toilette
trafen sie ihre "Miss Muse" und ihre "Bergpredigt" fand am ehemaligen
"Volkspalast" der DDR statt.
Für Grenzüberschreitungen wie die Serien "Arbeit macht froh",
"restituieren" oder "Antifaschismus Vergnügungspark" wurden
Deutschbauer/Spring auch heftig kritisiert.
Die kommende Fußballweltmeisterschaft wirkt sich bereits auf die
Gewista-Politik bei der Plakatwandvergabe aus: Das "wilde" Plakatieren
wird eingestellt, künstlerische Störaktionen müssen dem Kommerz
weichen: "One Minute Demos" sind ausgeschlossen. Es ist dem Duo
zuzutrauen dass sie ihr Ende in die kritische Analyse zum richtigen
Zeitpunkt einbeziehen.
Deutschbauer/Spring
Nur 100 Plakate
MAK Kunstblättersaal:
bis 17.August
Dienstag, 08. April 2008
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