Gironcolis Weltraumträume
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Bruno Gironcoli vor einem seiner Kunstwerke. Foto: apa
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Bildhauer Bruno Gironcoli verstarb 73-jährig.

Einer der wichtigsten heimischen Gegenwartskünstler.
Wien.
Als Bruno Gironcoli (1936 bis 2010) sein Debüt in der Avantgardegalerie
Heide Hildebrand in Klagenfurt 1967 und seinen Durchbruch mit einer
Personale in Otto Mauers Galerie nächst St. Stephan 1968 feierte, war
die Welt der Steinbildhauerei bis auf wenige Ausnahmen zerstört. Der in
Villach geborene Künstler, der nach einer Gold-, Silber- und
Kupferschmiedlehre in Innsbruck bei Eduard Bäumer an der Angewandten in
Wien studierte, stand an der Wende zu einem neuen Objektbegriff und
erweiterte den Kunstbegriff wie sein deutscher Kollege Joseph Beuys.
Gironcolis Drahtköpfe versetzen den Gestus des Zeichnens in Reliefs,
er baute befremdliche Rauminstallationen aus Metall, integrierte Kabel
und Alltagsgegenstände wie Schuhe oder Kloschüsseln. Zuweilen tauchen
Totenköpfe, Hakenkreuze und ausgestopfte Tiere in diesen traumatischen
Folterkammern auf, beharren auf einer leidvollen Erinnerung, die durch
den Existentialismus in der Nachkriegszeit hervorbrach. Archaische
Aggression, Autoerotik und Utopisches kamen auch in den ersten
Polyestergüssen ab 1964 zum Ausdruck – so verbindet der Titel "Murphy"
ein Vitrinenobjekt mit Samuel Becketts schwarzem Theater.
Nachfolger Wotrubas
1977 konnte der Künstler, obwohl manche es als skandalös empfanden,
die Nachfolge Fritz Wotrubas an der Akademie antreten. Sein Unterricht
hat Schülergenerationen geprägt, Franz West überflügelte ihn später
international. Das "Superdesign" der Weltraumträume, die ihn mit Walter
Pichler, Roland Goeschl und Hans Hollein in den 70er Jahren erfasst
hatte, wandelte sich in offene Skulpturen-Arrangements aus organischen
wie technoid-abstrakten Formen. In der Architektur seiner Körper dem
Aktionismus nahe, bemalte er Papier wie Güsse mit Metallfarben, aus
spitzen Formen wurden runde Blasen mit angewachsenen Embryonen, Trauben
und Edelweiß. Solche Details lösten das strenge Rastersystem ab und die
Skulpturen wucherten alle Räume seines Praterateliers zu.
Der durch die giftigen Polyesterdämpfe an Krebs erkrankte Künstler
schloss sich von der Welt ab. Trotz Museumsausstellungen, Staatspreis
1993 und seinem Auftritt für Österreich auf der Biennale in Venedig
2003 kam die internationale Anerkennung nicht wieder. Doch konnte im
steirischen Herberstein ein Museum für die "Ungeborenen" oder "Lady
Madonna" verwirklicht werden. Durch seinen Beitrag hat sich die
Bildhauerei in Objektarrangement und Installation gewandelt. Nicht nur
dadurch bleibt Gironcoli vorbildlich.
Printausgabe vom Dienstag, 23. Februar 2010
Online seit: Montag, 22. Februar 2010 16:07:20
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