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Kunstberichte
Mumok Factory: Thomas Demand zeigt die Werkreihen "Presidency" und "Embassy"

Bedrohliche Doppelgänger

Thomas Demand betreibt eine künstlerische Aufarbeitung der Geschichte: "Embassy VIIa" zeigt den Schreibtisch von George Bush. Die Kriegserklärung an den Irak steht bevor oder hat eben stattgefunden. Foto: VBK Wien

Thomas Demand betreibt eine künstlerische Aufarbeitung der Geschichte: "Embassy VIIa" zeigt den Schreibtisch von George Bush. Die Kriegserklärung an den Irak steht bevor oder hat eben stattgefunden. Foto: VBK Wien

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung Thomas Demand bezeichnet sich als Bildhauer. Die Vorgangsweise des gebürtigen Münchners hat damit jedoch wenig zu tun. Demand nämlich hängt große Farb-Fotografien auf Aluminiumtafeln in teils inszenierte Räume und Wände von Museen und Galerien.

Initialzündungen sind für Demand oft Kleinigkeiten: Beispielsweise fällt ihm ein Bild in den Medien oder auf Ansichtskarten auf. Daraufhin recherchiert er das dazugehörige Ereignis – angeregt durch Geschichte, Gräueltaten bis hin zu jenen Erinnerungen, die man mit diesen Vorfällen verbindet. Weil Demand vom Wunsch beseelt ist, Bilder begehbar zu machen, baut er mit einem Team die Wirklichkeit aus bunten Kartonagen maßstabsgetreu nach. Diese Modelle bleiben im Atelier verborgen und werden alle nach ihrer fotografischen Dokumentation zerstört. Damit wird Demand gleichsam zu einem Bildhauer durch die Großbildkamera, was ein künstlerisches Agitations-Konzept beschreibt, für das die Doppelbödigkeit von Simulation und Realität wesentlich ist.

Aufarbeitung von Geschichte

Zwischen Großausstellungen in Berlin und Florenz macht der international gefragte Dekonstrukteur unserer Medienwelten kurze Station im Wiener Mumok und zeigt die beiden Werkblöcke "Embassy" von 2007 und "Presidency" von 2008, die man hier gerne ankaufen würde. Während er mit Kurator Edelbert Köb die C-Prints der Modelle von Räumen der Botschaft der Republik Niger in Rom als labyrinthische Raumfolge in relative Dunkelheit taucht, sind die des künstlichen Oval Office im Weißen Haus von Washington in einer Lichtzone situiert. Und doch verbindet beide Orte der Irakkrieg. Als Besucher folgen wir also einem Weg, der den Dingen ihren schrecklichen Lauf gab.

2001 fand in der römischen Botschaft von Niger ein dubioser Raub von Briefpapier, Stempeln und Siegeln statt. Diese Utensilien dienten zur Fälschung jener Dokumente, durch die Saddam Hussein als Käufer von "Yellowcake", wie das Uran für Nuklearwaffen genannt wird, vermeintlich entlarvt wurde. Die Unterzeichnung der Kriegserklärung durch Präsident George W. Bush folgte im Oval Office des Weißen Hauses.

Kein Platz für Menschen in der gefrorenen Zeit

Dabei lässt Demand auch den Stift für die Unterzeichnung nicht aus, Menschen hingegen fehlen in den detailgetreuen Tatorten. Sogar die Fotos und Bilder in den Modellen zeigen nur Gesichtslose. Symbole, Flaggen und Embleme sind sinnentleert und auf den Papieren fehlt die Schrift. Kann man damit das Böse ausmerzen und Bilder harmlos machen? Die Gefühle vor diesen bewusst offen gelassenen Erinnerungsstätten bleiben ambivalent – zum Eindruck des Unheimlichen kommt die Kühle der Bühnenbilder einer im Augenblick gefrorenen Zeit. Aber auch die Freude, diese nahezu perfekten Fälschungen auf den zweiten Blick als solche zu entlarven.

Aufzählung Ausstellung

Thomas Demand

Embassy. Presidency Edelbert Köb (Kurator) Mumok Factory Zu sehen bis 29. November

Printausgabe vom Freitag, 25. September 2009

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