

vergrößern 634x800In einer Rauminstallation im Wiener Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste haben die INTAKT-Künstlerinnen 50 historischen Frauenfiguren je eine Fahne gestaltet.
vergrößern 426x627Die Fahnenausstellung ist Teil des umfangreichen Jahresprojekts "wien ist weiblich! oder Meine Herren, wir sind im Bilde", das am 7. März anlässlich des 100. Frauentages startet.

Drei Meter lange Stoffbahnen, die Farben Rot und Schwarz, Text- und Bildcollagen, Frauenporträts: Der imposante Raum des ehemaligen Wiener Semperdepots, heute Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste, ist erfüllt von Erinnerungen, verewigt auf 50 kunstvoll gestalteten Fahnen. Drei Tage lang stehen hier Frauen im Mittelpunkt, die Wien geprägt haben, die der Stadt in irgendeiner Form ihren Stempel aufdrückten: Künstlerinnen, Wissenschafterinnen, Politikerinnen kommen vor, klingende Namen wie nahezu vergessene, allesamt Frauen des öffentlichen Lebens.
"Unsere Idee, historische Wiener Frauenfiguren zu würdigen, zielt darauf ab, weibliche Kunst- und Kulturgeschichte in dieser Stadt wieder vermehrt sichtbar zu machen", schildert Angelika Romauch, Präsidentin der Internationalen Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen, INTAKT. „Indem jede der 45 INTAKT-Künstlerin zu einer historischen Frau einen künstlerischen Kommentar erarbeitet hat, werden diese Frauen wieder in der Gegenwart verortet. Mit der Rauminstallation 'gedenken' die Künstlerinnen ihrer Kolleginnen."
wien ist weiblich!
Die Fahnenausstellung ist nur ein Teil des umfangreichen Jahresprojekts "wien ist weiblich! oder Meine Herren, wir sind im Bilde", das am 7. März anlässlich des 100. Frauentages startet. Es zeigt "Tätigkeitsbereiche, Aktivitäten, Erungenschaften und Interessen von historischen Wiener Frauen aus heutiger, europäischer Frauenperspektive auf", beschreibt INTAKT. Über das ganze Jahr verteilt werden monatlich Einzel-Kunstprojekte zu den Frauenfiguren in der INTAKT-Galerie im WUK präsentiert. Begleitveranstaltungen und Rahmenprogramme werden vertiefende Einblicke zu den einzelnen Persönlichkeiten bieten. Im Oktober 2011 sollen dann alle Einzelprojekte in einer zweiten großen Gemeinschaftsausstellung im Wiener Palais Kabelwerk nochmals präsentiert werden.
"Zur Dokumentation werden unterm Jahr kurze Videos über die Projekte der Künstlerinnen gedreht und zu einer Filmcollage zusammengestellt. Diese Doku wird dann bei der Abschlussausstellung im Kabelwerk präsentiert und später auch 'auf Reisen gehen'", schildert INTAKT-Präsidentin Romauch. Geplant sind etwa Kooperationen mit dem Künstlerhaus Wien und dem Frauenmuseum in Bonn sowie Austauschprogramme mit Paris und Budapest. Im Österreichischen Kulturforum in Bratislava findet zudem von 8. März bis 1. April eine Ausstellung statt, in der Exzerpte der Kunstprojekte von "wien ist weiblich!" in einer Raumcollage präsentiert und diskutiert werden.
Gemeinschaftsprojekt Feministische Kunst
Das feministische Künstlerinnen-Netzwerk INTAKT realisiert bereits seit vielen Jahren weltweite Gemeinschaftsprojekte, die die öffentliche Aufmerksamkeit für Künstlerinnen erweitern sollen. In ihren Arbeiten über die erinnerten Wiener Frauen setzen sich die INTAKT-Künstlerinnen in unterschiedlicher Weise mit den Themenfeldern Gedächtnis und Erinnerung auseinander: "Gerade die vorherrschende Form von Konstruktion eines gesellschaftlichen Gedächtnisses und kollektiver Erinnerung erfordert eine Überprüfung festgeschriebener Inhalte (beziehungsweise der verschwiegenen Teile) durch eine lebendige und vielfältige Auseinandersetzung. Dazu möchten die INTAKT-Künstlerinnen mit dem breiten Spektrum ihrer Arbeiten zum 100. Internationalen Frauentag einen Beitrag leisten", beschreiben die Teilnehmerinnen ihr Jahresprojekt und ergänzen die Erläuterung mit ihrer Sichtweise von Kunst:
"Feministische Kunst versteht sich als kreative Auseinandersetzung mit sozialen Wirklichkeiten, mit dem Ziel, durch gesellschaftliche Veränderungen und die Schaffung einer humanen, gleichheitsbestimmten Gesellschaft für Frauen die ihnen gebührende Gleichstellung in der Gesellschaft zu erreichen. Nach wie vor gilt es, Freiräume und adäquate Möglichkeiten für die Kunstproduktion von Frauen zu schaffen und individuelle Standortbestimmungen - auch außerhalb des tradierten Ästhetikbegriffes - zu ermöglichen."
Begegnung mit der Vergangenheit
Derzeit arbeiten die Künstlerinnen emsig an der Fertigstellung der Einzelprojekte zu den 50 Wiener Frauen. "Manche haben sich selbst eine Persönlichkeit gesucht, mit der sie sich auseinandersetzen möchten, manche haben aus einem Pool gewählt", erklärt Angelika Romauch. "Teilweise sind es auch Wienerinnen, zu denen die Künstlerinnen privaten Bezug haben und die in irgendeiner Form das öffentliche Leben prägten."
Auf der Liste der "erinnerten" Wunderbaren Wienerinnen finden sich etwa Ingeborg Bachmann, Johanna Dohnal, Margarethe Schütte-Lihotzky, Alma Mahler und Rosa Mayreder, aber auch Frauen wie Berta Zuckerkandl, Helene Funke, Elfriede Gerstl, Mira Lobe und Susi Weigel. Die Herangehensweise an Geschichte und Biografie der Frauen steht den teilnehmenden Künstlerinnen völlig frei.
Work in progress
Weit vorangeschritten ist etwa das Projekt von Cornelia Mittendorfer, die sich in ihrer Arbeit "Ein Le(e.h.)rstuhl für Käthe Leichter" mit der 1942 von den Nazis ermordeten Sozialwissenschaftlerin und Frauenpolitikerin befasst. Ihre zweite berufliche Tätigkeit als Juristin in der Arbeiterkammer Wien hat Mittendorfer auf die Spur der bedeutenden Persönlichkeit gebracht, war Käthe Leichter doch auch erste Leiterin der Frauenabteilung in der AK. "Grundidee meines Projektes ist es, Käthe Leichter symbolisch den wissenschaftlichen Platz zuzuweisen, der ihr zustand, aber zeitlebens verwehrt blieb: einen Lehrstuhl an der Universität", schildert die Künstlerin. Mittels eines realen Objekts aus Tisch und Sessel wird Mittendorfer die US-Gastprofessorin Geraldine Forbes bitten, sich stellvertretend für Käthe Leichter zu inszenieren. Das bis heute so bedeutende "Handbuch der Frauenarbeit" von Käthe Leichter wird dabei auch eine wichtige Rolle spielen.
In einer Fotoarbeit wird der Prozess festgehalten und später, begleitet von einer wissenschaftlichen Publikation, präsentiert. In einer 5,5 Meter großen Textilarbeit verarbeitet Cornelia Mittendorfer dazu das 165 Frauen umfassende Netzwerk Käthe Leichters, mit dessen Hilfe auch das "Handbuch" entstanden ist. "Im Atelierhaus zeige ich dieser Tage außerdem eine Fahne und in Bratislava eine riesige Visitenkarte, die aus dem nur teilweise sichtbaren Namenszug Käthe Leichters bestehen und so an die Ermordung, an die Auslöschung des Lebens und der Arbeiten Käthe Leichters erinnern." Über den erst kürzlich hergestellten Kontakt zur Enkelin KÄthe Leichters, eine in New York lebende Filmemacherin, hofft die Künstlerin zudem, ihr Projekt im Laufe des Jahres noch um weitere Komponenten ergänzen zu können. (isa/dieStandard.at, 6.3.2011)
Link:
www.intakt-kuenstlerinnen.com
Wien ist weiblich!
Hommage an wichtige historische Frauen Wiens aus Kunst, Kultur, Politik und Wissenschaft
Fahnenausstellung im Prospekthof der Akademie der bildenen Künste Wien
(ehem. Semperdepot), Lehárgasse 6, 1060 Wien
7. bis 9. März 2011, 10.00 bis 15.00 Uhr und 18.00 bis 22.00 Uhr
7. März, 19.00: Eröffnung mit BM Gabriele Heinisch-Hosek
8. März, 19.30: Concerto All' Arrabbiata donne
9. März, 19.00: Podiumsdiskussion "Welchen Feminismus brauchen wir heute?"
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... Nach wie vor gilt es, Freiräume und adäquate Möglichkeiten für die
Kunstproduktion von Frauen zu schaffen und individuelle
Standortbestimmungen - auch außerhalb des tradierten Ästhetikbegriffes
- zu ermöglichen."
Mir kommen die Tränen, anlässlich so geballter, ästhetikfreier Kreativität.
Übrigens: Meine Frau war 1971 die jüngste Laborleiterin bei
"Schering". Sie ist mit dem tintenfeuchten Maturazeugnis aus der
Rosensteingasse sofort engagiert worden.
Für Frauen, die wirklich etwas können, war es in den letzten 50 Jahren kein Problem Karriere zu machen.
Das Emanzipationsgeplärre kommt nur von Nagelfeilerinnen und Kaffeeköchinnen ...
Nur bei "gleichem Lohn für gleiche Arbeit" kann ich mit auf die Barrikaden, sorry!
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