„Mumok neu“: Museum für Hochglanzkunst
Z ur vornehmsten Aufgabe eines Museums zählte es, die Quellen zu ergründen, zu belegen und öffentlich zu präsentieren. Es geht um das Aufspüren jener Ursprünge von Entwicklungen, Tendenzen und Strömungen, die in einen Mainstream münden werden oder gemündet sind. Für ein kunsthistorisches Museum gilt dies ebenso wie für ein Museum, das sich der zeitgenössischen Kunst verschrieben hat.
Den Mainstream selbst zu bedienen ist nicht die Aufgabe eines Museums, jedenfalls nicht eines öffentlichen Museums. Dies erledigt der Markt besser und effizienter. Und dafür bedarf es keiner Subvention.
Doch das Mumok in Wien, das von der Republik Österreich subventionierte Museum für moderne Kunst, hat sich offenbar unter der neuen Direktorin Karola Kraus vorgenommen, den Märkten zu dienen. Diese Ausrichtung des Mumok an den internationalen Mainstream und die globale Markttauglichkeit wird in der Eröffnungsausstellung sichtbar. Die ist wie eine auf sechs Stockwerke verteilte, an Wänden applizierte Hochglanzbroschüre eines internationalistischen Kunstmarktmagazins.
Zudem bestätigt sich darin der geschichtslose Blick der neuen Direktorin auf die österreichische Kunst. So wünscht sich Frau Kraus für das „mumok neu“ den Ankauf eines Bildes aus dem Jahr 2006, ignoriert aber eine der Quelle nähere Arbeit aus den 1960er-Jahren.
Oder: Trotz zunehmender Bedeutung der Bild- und Kommunikationstechnologien in den Künsten und trotz Pionierleistungen österreichischer Medienkünstler findet sich weder in der Präsentation noch im Wunschprogramm von Frau Kraus eine einzige derartige Arbeit, weder aus der Epoche der Pioniere, noch von jungen und jüngsten Medienkünstlern. Richard Kriesche, geboren 1940 in Wien, ist Künstler, Kunst- und Medientheoretiker. Er lebt in Graz.




















