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HINTERGRUND

Zahlenspielerei mit einiger Aussagekraft

Christa Dietrich über die Besucherzahlen im Kunsthaus: War Koons wirklich ein Erfolg?

20.000 Besucher haben die Arbeiten des amerikanischen Künstlers Jeff Koons im Kunsthaus Bregenz zwischen Mitte Juli und Mitte September gesehen. Ein beachtliches Ergebnis und ein Beleg für die Anstrengungen, die im Zumthor-Bau bezüglich Publikumsgewinnung unternommen werden.

Die bislang am stärksten frequentierte Ausstellung kann aber keineswegs Indiz dafür sein, dass sich das Kunsthaus damit auf dem richtigen Weg befindet bzw. eine Weiterentwicklung erfahren hätte. Auch wenn Kulturlandesrat Hans Peter Bischof betont, dass Besucherzahlen nur dann von Belang sind, wenn die museumspädagogische Arbeit bzw. die Qualität der Projekte stimmt, lassen sich Politiker und Öffentlichkeit (bzw. Sponsoren) von guten Quoten prinzipiell beeindrucken.

Alles in Relation zu setzen

Museen und Kunsthäuser sowie Theater werden selbstverständlich nicht gebaut und subventioniert, um dann halb leer zu stehen. Wenn es den Bregenzer Festspielen beispielsweise gelingt, in fünf Wochen rund 200.000 Menschen in die Region zu bringen, ist das für die Wirtschaft von Bedeutung. Von einem Erfolg kann aber nur gesprochen werden, wenn man auch aus künstlerischer Sicht zu einem positiven Ergebnis kommt und was den Grad des Publikumsinteresses betrifft, so ist die Auslastung ausschlaggebend. Hier sind die Festspiele mit rund 97 Prozent (das heißt, dass fast alle aufgelegten Karten auch abgesetzt wurden) ebenfalls vorbildlich. Die Auslastung ist bei Ausstellungen schwer zu errechnen. Wenn das Kunsthaus nun aber allem voranstellt, dass die Ausstellung mit Arbeiten von Koons die "bislang bestbesuchte" ist, so darf man dies (bei aller Zahlenspielerei) wirklich in Relation zu vorangegangenen Projekten stellen und kommt dann nicht mehr zu diesem Ergebnis.

Die Koons-Arbeiten waren über quasi tägliche Abendöffnungen beispielsweise wesentlich länger zugänglich als die Arbeiten von Wolfgang Laib (präsentiert im Sommer 1999). Das ungemein kontemplative êuvre des Deutschen Wolfgang Laib war vor der Ausstellung in Bregenz in der Region und auch darüber hinaus wenig bzw. nur Insidern bekannt, der Amerikaner Jeff Koons, der vor einigen Jahren mit seiner Geschlechtsakt-Serie auf die Pornografie-Ästhetik und den Voyeurismus anspielte und das Banale bewusst als große Verführerin anwandte, war schon lange vor seinem Auftritt in Bregenz ein so genannter Star. Mit Publikumszuspruch konnte somit von vornherein kalkuliert werden. Es stellte sich nur die Frage, ob Koons den kreativen Durchhänger der letzten Jahre überwunden hat. Sie kann nicht unbedingt positiv beantwortet werden. Hingegen fällt die Frage, ob nun eine von etwa 20.000 Menschen besuchte Koons-Schau ein größerer Erfolg ist als eine von immerhin etwa 15.000 Menschen besuchte Laib-Schau, wohl zugunsten des Letztgenannten aus.

Gefahren der Kommerzialisierung

Aber man sollte vielleicht nicht zu viel Zahlenklauberei betreiben, wenn die Quote selbst eben kaum zählt. Koons - und darauf setzte auch das Kunsthaus - lässt sich im Zusammenhang mit Mode bestens vermarkten. Ein solches Konzept wurde schon bei der ebenfalls gut besuchten "Lifestyle"-Ausstellung (1998) kritisiert, obwohl es damals bei weitem nicht so offensichtlich bzw. wesentlich differenzierter zur Anwendung kam als heuer. Warnte doch schon der "NZZ"-Journalist Ralf Beil - unter anderem bei den "Bizauer Gesprächen" - vor den Gefahren einer Kommerzialisierung, die sich vor allem dann zeigen, wenn ein Kunsthaus zur Plattform für Luxusmarken verkommt.




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