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1.2.2002
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Demokratische Bild-Strukturen
Franz
Türtscher in der Galerie Sechzig
Feldkirch (VN-ag) Linien, fein
gezogen und leicht verwischt, Farbbahnen, sicher gesetzt und klar
begrenzt, durchziehen die Bildwelten von Franz Türtscher horizontal
und vertikal. "Variation" nennt sich die Ausstellung in der
Feldkircher Galerie Sechzig.
Zugeschnitten auf den Ausstellungsraum zeigt der in Wien
lebende Franz Türtscher (geboren 1953) in Feldkirch neben den
strengen schwarz-weißen Arbeiten vor allem auch einige der zuletzt
entstandenen, mit ungleich mehr Farbigkeit operierenden Werke.
"Variation" deckt nicht nur die enorme Bandbreite der von Türtscher
bearbeiteten Rasterbilder ab, "Variation" zeigt auch, wie sich der
Künstler einem ungebrochen aktuellen Thema immer wieder neu nähert.
Horizontale Unterteilungen im Bild, vertikal gesetzte Linien,
dominante Farbbalken oder mit einem Stab aufgetropfte Farbverläufe,
Rot unter Rosa oder Grün über Braun: alles läuft letztlich auf ein
rasterartiges Grundgerüst hinaus, das je nach Ausprägung und
technischer Ausführung einmal mehr malerisch, mit viel Tiefe im
Bildraum, und ein andermal stärker grafisch wirkt.
Der allem zugrunde liegende Raster, so Türtscher, sei für ihn
eine "Art demokratische Struktur", negiert er doch jede Struktur.
So beginnen und enden diese "Diagramme der Gegenwart" (Christian
Muhr) nicht nur an jedem x-beliebigen Punkt im Bild. Die
bildimmanenten Texturen lassen sich zudem fast unlimitiert in den
Raum weiterdenken. Was beim Einzelbild funktioniert, greift auch in
Form eines expandierenden Gesamtbildes, das aus der seriellen
Anordnung resultiert.
Wechselspiel
Als visuelle Überlegungen kulminiert seine Bildsprache
in einer Spannung, die die Balance ausreizt zwischen dem rational
Konzipierten einerseits und der puren Handschrift andererseits.
Kühles, analytisches Arbeiten wird im nächsten Moment durch das
Einbringen von körperlicher Motorik und Temperament widerrufen. Am
Raster spiegelt sich die ganze Spanne von Befindlichkeiten in Form
eines gültigen Handlungsrepertoires. "Das Leben spielt so", sagt
Franz Türtscher. "Es ist ein Wechselspiel zwischen Entscheidungen
aus dem Bauch heraus und anderen, vom Kopf korrigierten." Zwischen
diesen Extremen kann der Raster allenfalls eine vage Vorgabe sein,
keinesfalls aber ein Sicherheitsnetz. Dass sich der Betrachter
trotzdem darin verfängt, dafür sorgen in den jüngsten Arbeiten u. a.
die verführerischen Farbvarianten.
Arbeiten von Franz Türtscher: "Das Leben spielt so".
(Foto. A. Grabher)
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