| Salzburger Nachrichten am 17. September 2005 - Bereich:
kultur
Neue Patina für Mozarts Muse Die umstrittene Skulptur
"Hommage an Mozart" auf dem Ursulinenplatz in Salzburg ist nicht mehr das,
was sie war. Markus Lüpertz besichtigte die Malträtierte.
KARL HARBSALZBURG (SN). Vor zwei Wochen hatte der als "Pornojäger"
bekannte Fotograf Martin Humer die von der Salzburg Foundation auf dem
Ursulinenplatz vor der Markuskirche aufgestellte Skulptur "Hommage an
Mozart" von Markus Lüpertz mit Lack besprüht und mit Federn überzogen. Die
Folgen des Vandalenaktes wurden umgehend beseitigt, dennoch ist die in der
Öffentlichkeit heftig umstrittene Skulptur "nicht mehr das, was sie war".
Das sagte der Künstler am Freitag vor Pressevertretern, als er den Schaden
begutachtete. "Sie sieht beschmutzt und verletzt aus, weil die Patina
nicht mehr da ist", sagte Lüpertz. Er habe zwar mit Widerstand gerechnet, "aber nicht mit solchen
Aggressionen". Zur Debatte um sein Werk stellte Lüpertz fest, sie habe
"niedrigstes Niveau" und verteidige eine in Salzburg offenbar
unausrottbare Mozart-Idylle. Seine Skulptur sei eine Verehrung der Kunst, nicht eine Darstellung
Mozarts und schon gar nicht eine "Mozartkugel im bunten Rock". Walter Smerling, der künstlerische Leiter der Salzburg Foundation,
gestand "Missverständnisse" in der Kommunikation ein. So habe man
"vielleicht zu spät" mit dem Pfarrer der Markuskirche, Nikolaj
Hornykewycz, gesprochen. Der Platz, auf dem die Skulptur aufgestellt sei,
gehöre ja der Stadt, nicht der Kirche. Mit dem Künstler traf Pfarrer
Hornykewycz erst am Freitag zum ersten Mal zusammen. Dabei wurde auch eine
eventuelle andere Aufstellung der Skulptur angedacht. Sie müsse, machte
Lüpertz deutlich, auf dem Platz bleiben und in derselben Blickrichtung,
aber wenn der Platz neu gestaltet würde, sei er bereit, sie neu
aufzustellen. Hornykewycz distanzierte sich nochmals vom Vandalenakt Humers. Seine
Kritik richte sich auch nicht gegen das Werk, sondern nur gegen die zu
deutliche Verbindung zur Kirche. Damit meine er nicht die Mauern Fischers
von Erlach, sondern die Heiligkeit des Ortes. Markus Lüpertz rechnet damit, die Patina der Figur wieder herstellen zu
können. Er veranschlagt dafür "vier bis sechs Wochen, so schnell wie
möglich". Der Schaden sei ein "Versicherungsfall", sagte Walter
Smerling. Neuer Standort für dieHanuschplatz-Skulptur Ein anderes Werk der
Salzburg Foundation wird übrigens neu aufgestellt. Im Zuge der
Neugestaltung des Hanuschplatzes muss Marina Abramowicz' Sesselgruppe
"Spirit of Mozart" weichen. Sie wird, erklärt Smerling, am
Staatsbrückenkopf vor dem Bankhaus Spängler neu situiert. Die Stadt habe
dies bereits beschlossen und trage auch die Kosten für die
"Übersiedlung". |