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| 19.07.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Kunst in der Stadt: Höhenflug im Porsche | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Am Volkertplatz integrierten sich zehn Kunst-Interventionen. | ||
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Aufgeregt laufen Menschen zusam men, die zuvor auf den massig auf
gestellten Bänken und Tischen am Volkertplatz in Wien Leopoldstadt
getratscht, gegessen, gespielt haben, viele Frauen mit Kopftüchern, viele
Kinder, die Männer kommen aus dem Beisl dazu. Ein leichter Autounfall, ein
Rettungsauto kommt. Kein Blick dieser Menschentraube fällt auf die Zeichen
am Beton vor ihren Füßen, wo Parkplätze mit einem Kreuz, mit Stern und
Sichel, mit Ying/Yang, mit einem buddhistischen Rad markiert wurden.
Reserviert jeweils nur für eine bestimmte Religionszugehörigkeit? Für eine
bestimmte Ethnie? Ja, wäre das nicht ein Skandal? Nein, Kunst. Noch dazu recht mutige. Für sieben Wochen
hat die tschechische Künstlergruppe "Kamera skura" 30 Parkflächen rund um
das Volkertplatz-Viertel derart markiert, wollte u. a. auf die nur
scheinbar freie Verfügbarkeit immer rarer werdender Parkflächen aufmerksam
machen. Erregt hat diese Zuteilung im multikulturell bevölkerten Grätzel
aber niemanden sonderlich, erzählt Roland Schöny, einer der Kuratoren von
"Geschichte(n) vor Ort", einem mit 120.000 € von der Stadt Wien und 80.000
€ von der EU geförderten Kunstprojekt im öffentlichen Raum. Auch die übrigen der zehn, noch bis Ende Juli erlebbaren
Installationen und Eingriffe, wurden nicht boykottiert oder zerstört. Ein
Zeichen von Akzeptanz und Verständnis? Oder von Desinteresse? An den
wöchentlichen Führungen Schönys nahmen erst 50 Personen, dann 30, dann
zehn - und einmal nur die Rezensentin teil. Durch die EU-Förderung muss
die Wahrnehmung gemessen werden - das Ergebnis wird interessant. An Information und Engagement jedenfalls mangelte es
nicht. Ein eigens eingerichtetes Info-Straßenlokal am Volkertplatz teilt
man sich mit einer Gruppe Grazer Architekten. Nur ein Zeichen der neuen
Attraktivität dieses so sonderbar abgegrenzten Viertels - auf der einen
Seite stößt es an den Augarten, an den anderen auf Schienenstränge von
Praterstern und Nordbahnhof. Anstoß für das von Schöny gemeinsam mit Michal Kolecek
und Margarethe Makovec entwickelte Projekt war eine Studie der Soziologin
Martina Wäfler, die sie über diese multikulturelle Szene mit ihrer hohen
Dichte an Schulen und sozialen Einrichtungen - und der wohl hässlichsten
Kirche Wiens - verfasste. 16 Künstler wurden eingeladen, zehn Werke
verwirklicht. Ein Spieletisch vor dem Info-Point etwa gehört schon
dazu. Helmut und Johanna Kandl setzten einer Nobelpreisträgerin aus dem
Jahr 2045 ein Denkmal. Christina Leko ließ recherchierte Biografien in
Schönschrift an Wände malen. Andreas Fogarasis Idee, die Straße zur Rampe
anzuheben, landete wegen der hohen Kosten als Modell im Rückfenster eines
eigens angekauften, dauerparkenden weißen Porsches. Na ja. Und im
"Trafik-Kino" im Jugendzentrum läuft ein von Isa Rosenberger mit Leuten
verschiedener Herkunft zusammengestelltes Filmprogramm zum Thema Stadt.
An der Rückseite des wenig charmanten Baus findet sich
eine der besten Arbeiten, die auch bleiben darf: "Kurt & Plasto"
fotografierten Gegensprechanlagen des Viertels, ein unaufdringliches,
vielsagendes Porträt. Ebenso wie Michael Blums Erforschung der Namensgeschichte
der "Heine Straße", die u. a. schon "Schawel Allee" (nach einem
Stallbesitzer), Kaiser Joseph Straße, Schönererstraße (Nazi-Zeit) hie und,
jedenfalls nach Blum, in Zukunft "Istiklal Allee" heißen sollte. Nach der
westlichsten, sehr trendigen Flaniermeile Istanbuls. Führungen: jeden Freitag, 18 Uhr, Treffpunkt
Infopoint, Volkertplatz 1. |
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