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© Obermaier
von
Irene Judmayer
Bizarre Körperspiele sprengen Brucknerhaus
Zum ersten Mal ist die Klassische Klangwolke am 10. 9., 20 Uhr, auch im Donaupark in 3-D zu erleben. Wie das möglich ist, erläutert der Linzer Bild- und Klangkünstler sowie Choreograf Klaus Obermaier heute, 18 Uhr, im Brucknerhaus. Die OÖN trafen ihn schon vorher zum Gespräch.

OÖN: Sie sind bereits mehrfach klangwolkenerprobt. Was war für Sie die faszinierendste Weiterentwicklung?

Obermaier: Die Digitalisierung und die damit verbundenen Möglichkeiten, die sich durch die Zusammenarbeit mit dem AEC-Futurelab natürlich noch potenziert haben. Da sind Dinge möglich geworden, von denen man früher nicht einmal zu träumen wagte.

OÖN: Wie funktionieren diese Projekte eigentlich bei Ihnen? Arbeiten Sie auf Auftrag, oder setzen Sie einfach ihre Ideen um und schauen dann, ob sich wer dafür interessiert?

Obermaier: Ich bin glücklicherweise in der privilegierten Lage, dass ich zu mindestens 90 Prozent kein Auftragskomponist zu sein brauche. Ich entwickle meine Ideen und verkaufe sie. Etwa im Gesamtpaket einer vollständigen Inszenierung.

OÖN: Auch bei der Klassischen Klangwolke, bei der diesmal Dennis Russell Davies Strawinskys "Le sacre du printemps" dirigiert?

Obermaier: Im Großen und Ganzen ja. Vor zwei Jahren hat mich die Aarhus University in Dänemark eingeladen zu einem Projekt. Und die haben dort ihren Hauptfokus auf 3-D. Damals erarbeitete ich - ohne noch an "sacre" zu denken - ein grundsätzliches Setting für eine Tanz-3-D-Realisierung.

Witzigerweise hat mich genau dann Brucknerhauschef Winkler für die Visualisierung des Strawinsky-Werks kontaktiert. Seine einzige Vorgabe: 3-D. Was soll ich sagen: Strawinsky, Tanz und Virtual Reality - keine Frage, das passt ja unglaublich gut. Noch dazu, wo auch das Futurelab-Team rund um Horst Hörtner wieder mit im Klangwolken-Boot ist. Mit denen hatte ich schon erfolgreich für mein "Apparition"-Projekt gearbeitet.

OÖN: Was unterscheidet "sacre" vom "Rheingold"?

Obermaier: Die Einbindung der Choreografie, die auch von mir stammt. Die Tänzerin Julia Mach gibt (ebenso wie das Orchester) einerseits Impulse und bewegt sich auch selbst in virtuellen 3-D-Räumen. Und das können wir erstmals auch in den Donauraum vor dem Brucknerhaus übertragen. Auch dort wird das Publikum 3-D-Brillen erhalten.

OÖN: Wird Ihre Visualisierung eher abstrakt oder gegenständlich?

Obermaier: Mir ist immer die Frage wichtig: Was ist Bewegung auf der Bühne? Der Körper ist dabei immer die wesentlichste Schnittstelle zum Vertrauten, also das Gegenständlichste, was es gibt.

Eine rein abstrakte Vorführung zu einer 3-D-Projektion würde mich nicht wirklich interessieren. Da könnte ich keinen Schnittpunkt zu unserer menschlichen Gefühlswelt herstellen. Das Verhalten von Menschen ist das, was mich reizt. Wie funktionieren wir in der virtuellen Welt? Dadurch bleibt es für das Publikum auch immer wieder verständlich und nachvollziehbar.

OÖN: Bei dieser Klassischen Klangwolke sind Sie sowohl für die Bilder als auch für die Choreografie verantwortlich. Es gibt Projekte, bei denen auch die Musik von Ihnen kommt. Ist Ihnen Ihre Mehrfachbegabung eigentlich Belastung oder Beglückung?

Obermaier: Auf jeden Fall beglückend. Für mich ist das ja einfach noch viel, viel "klasser", keine langen Umwege über irgendwelche Erklärungen gehen zu müssen. Ich habe meine Vorstellungen im Kopf, weiß, was ich mit neuen Medien jetzt tun kann. Weiß, was z.B. beim Tanz geschehen muss, damit der Dialog zur Technologie, zu den visuellen Geschichten funktioniert. Und umgekehrt.

OÖN: Somit kann es dann wirklich ein Miteinander werden und nicht bloße Illustration.

Obermaier: Genau. Das ist der Punkt. Ich habe dadurch zwar mehr Arbeit, kürze andererseits aber den Prozess total ab. Ich werde sicher in dieser Richtung weiterarbeiten. Das hat mir einen Riesenspaß gemacht. Ich bin absolut happy.

Klaus Obermaier

Geboren am 7. 3. 1955 in Linz. Seit dem 14. Lebensjahr eigene Bands. Ausbildung: Werbegrafik, Malerei (Kunsthochschule Linz), Musik an Brucknerkonservatorium und Musikhochschule Wien.

Projekte u.a.: Klangwolken 1998 und 2000 (mit Robert Spour), D.A.V.E., immateriaux, Apparition (mit AEC Futurelab).

OÖnachrichten vom 05.09.2006
 
   



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