Der neue Einbau von Architektin Susanne Zottl
in die Orangerie des Unteren Belvedere – Prinz Eugens Pomeranzenhaus –
ist fertig geworden, die Leihgaben, dabei einige interessante Stücke
aus Privatbesitz, sind eingetroffen. Nur der abwesende Frühling stört
noch die Verklammerung zwischen dem inneren und dem äußeren Garten.
Die erste Schau von Agnes Husslein-Arco,
die gemeinsam mit Franz Smola das chronologische Konzept in kurzer Zeit
erstellt hat, bedient ein Thema, das sich besonderer Beliebtheit
erfreut. Auf eine Ausstellung 2002 in der Hermes-Villa folgten zuletzt
die Tate Gallery, das Museum Beyeler in Basel, das Städel in Frankfurt.
Neues Biedermeier?
Leben wir in einem neuen Biedermeier-Gefühl oder ist die Gartenkunst
insgesamt von der Antike über das Mittelalter und als Ort barocker
Partys postmodern omnipräsent? Die "Gartenlust" beginnt jedenfalls mit
dem Paradiesgärtlein, in dem die Madonna mit Christus oder dem Einhorn
nebst botanisch beobachteten Pflanzen zu finden ist. Veronika
Pirker-Aurenhammer konnte dafür besondere Leihgaben aus Bologna, Wiener
Neustadt und Klagenfurt nach Wien bekommen.
Liebe und Lustwandeln
In diesen heiligen Grünraum dringen in der Renaissance die ersten
profanen Liebespaare ein und das Lustwandeln im herrschaftlichen Garten
bleibt bis zur Romantik ein wesentlicher Grund zur malerischen
Dokumentation.
Bernardo Bellottos ("Canaletto") "Blick vom Belvedere auf Wien" ist
neben anderen Hauptwerken vom Kunsthistorischen Museum ins Belvedere
gewandert. Der Hauptteil der Schau aber beginnt mit den Impressionisten
und Symbolisten – dabei Claude Monet und Gustav Klimt, aber auch die
keineswegs zu verachtenden weniger bekannten Eduard Veith und Karl
Mediz. Mit Emilie Mediz-Pelikan, Tina Blau, Marie Egner oder Olga
Wisinger-Florian und anderen zeigt sich, dass der Garten nicht nur
traditionell die Frau mit ins schöne Motiv integriert, sondern auch die
Domäne der Künstlerinnen im 19. Jahrhundert ist.
Daneben wird er zum zweiten Atelier der Künstler – so etwa für Edvard Munch, Max Liebermann, Carl Moll.
Der Garten wird auch zum Vorwand für den Einsatz von Licht- und
Farbflecken wie bei Emil Nolde, Heinrich Vogeler und später bei Max
Weiler und Carl Unger.
Sprung zur Gegenwart
Die neue Sachlichkeit in Österreich konfrontiert Smola mit Stanley
Spencer aus Leeds. Mit Friedensreich Hundertwasser und Rudolf Hausner
gelingt der Übergang am Ende der Halle zur Gegenwart mit den
Interventionen von Ian Hamilton Finlay im Fenstergang und Dan Grahams
Glaspavillon draußen im Kammergarten.
Die "Musen" sind Finlays letztes Werk, ein weiteres ist in der
Expositur im Augarten zu finden, für die Kuratorin Elisabetta Bresciani
Künstler wie Fischli & Weiss, Mark Dion, Candida Höfer oder Thomas
Struth Fragen zur "Gartenarchivierung" nachspüren lässt.
Der Titel des zweiten Teils der Schau stammt von Lois Weinberger,
der mit seiner Frau Franziska auch den minimalen Eingriff in den
Groteskensaal des Unteren Belvedere wagt – sein Gartenarchiv ist mit
eigenen Biotopen und Umzäunungen ein dialogfähiger Sprung über drei
Jahrhunderte.
Gartenlust .
Der Garten in der Kunst
Unteres Belvedere
Gartenarchivierung
Expositur Augarten
Bis 24. Juni
Musenbiotope.
Mittwoch, 21. März 2007