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Kunstberichte

Ein Paradies zwischen Zäunen

Agnes Husslein-Arcos Belvedere-Einstand: In der Orangerie und der Expositur Augarten erblüht die "Gartenlust"
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- Gruselige Gartenwelt: Marc Quinns „Ice Age“ (2006).  Foto: Court. Project B, Contemporary Art Milan

Gruselige Gartenwelt: Marc Quinns „Ice Age“ (2006). Foto: Court. Project B, Contemporary Art Milan

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- Farbenfrohe Pflanzenpracht: Emil Noldes „Blumengarten“ aus 1908.  Foto: Privatsammlung

Farbenfrohe Pflanzenpracht: Emil Noldes „Blumengarten“ aus 1908. Foto: Privatsammlung

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Der neue Einbau von Architektin Susanne Zottl in die Orangerie des Unteren Belvedere – Prinz Eugens Pomeranzenhaus – ist fertig geworden, die Leihgaben, dabei einige interessante Stücke aus Privatbesitz, sind eingetroffen. Nur der abwesende Frühling stört noch die Verklammerung zwischen dem inneren und dem äußeren Garten.

Die erste Schau von Agnes Husslein-Arco, die gemeinsam mit Franz Smola das chronologische Konzept in kurzer Zeit erstellt hat, bedient ein Thema, das sich besonderer Beliebtheit erfreut. Auf eine Ausstellung 2002 in der Hermes-Villa folgten zuletzt die Tate Gallery, das Museum Beyeler in Basel, das Städel in Frankfurt.

Neues Biedermeier?

Leben wir in einem neuen Biedermeier-Gefühl oder ist die Gartenkunst insgesamt von der Antike über das Mittelalter und als Ort barocker Partys postmodern omnipräsent? Die "Gartenlust" beginnt jedenfalls mit dem Paradiesgärtlein, in dem die Madonna mit Christus oder dem Einhorn nebst botanisch beobachteten Pflanzen zu finden ist. Veronika Pirker-Aurenhammer konnte dafür besondere Leihgaben aus Bologna, Wiener Neustadt und Klagenfurt nach Wien bekommen.

Liebe und Lustwandeln

In diesen heiligen Grünraum dringen in der Renaissance die ersten profanen Liebespaare ein und das Lustwandeln im herrschaftlichen Garten bleibt bis zur Romantik ein wesentlicher Grund zur malerischen Dokumentation.

Bernardo Bellottos ("Canaletto") "Blick vom Belvedere auf Wien" ist neben anderen Hauptwerken vom Kunsthistorischen Museum ins Belvedere gewandert. Der Hauptteil der Schau aber beginnt mit den Impressionisten und Symbolisten – dabei Claude Monet und Gustav Klimt, aber auch die keineswegs zu verachtenden weniger bekannten Eduard Veith und Karl Mediz. Mit Emilie Mediz-Pelikan, Tina Blau, Marie Egner oder Olga Wisinger-Florian und anderen zeigt sich, dass der Garten nicht nur traditionell die Frau mit ins schöne Motiv integriert, sondern auch die Domäne der Künstlerinnen im 19. Jahrhundert ist.

Daneben wird er zum zweiten Atelier der Künstler – so etwa für Edvard Munch, Max Liebermann, Carl Moll.

Der Garten wird auch zum Vorwand für den Einsatz von Licht- und Farbflecken wie bei Emil Nolde, Heinrich Vogeler und später bei Max Weiler und Carl Unger.

Sprung zur Gegenwart

Die neue Sachlichkeit in Österreich konfrontiert Smola mit Stanley Spencer aus Leeds. Mit Friedensreich Hundertwasser und Rudolf Hausner gelingt der Übergang am Ende der Halle zur Gegenwart mit den Interventionen von Ian Hamilton Finlay im Fenstergang und Dan Grahams Glaspavillon draußen im Kammergarten.

Die "Musen" sind Finlays letztes Werk, ein weiteres ist in der Expositur im Augarten zu finden, für die Kuratorin Elisabetta Bresciani Künstler wie Fischli & Weiss, Mark Dion, Candida Höfer oder Thomas Struth Fragen zur "Gartenarchivierung" nachspüren lässt.

Der Titel des zweiten Teils der Schau stammt von Lois Weinberger, der mit seiner Frau Franziska auch den minimalen Eingriff in den Groteskensaal des Unteren Belvedere wagt – sein Gartenarchiv ist mit eigenen Biotopen und Umzäunungen ein dialogfähiger Sprung über drei Jahrhunderte.

Gartenlust .

Der Garten in der Kunst

Unteres Belvedere

Gartenarchivierung

Expositur Augarten

Bis 24. Juni

Musenbiotope.

Mittwoch, 21. März 2007


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