A lle Prosecco-Flaschen entkorkt, alle Partys beendet, alle Pavillons eröffnet. Die Kunstbiennale von Venedig gehört jetzt den Besuchern, die hochrangigen Mitglieder des Betriebssystems Kunst ziehen weiter, nach Basel, nach Kassel. Venedig? War - wie immer - eine Reise wert, auch wenn die großen Innovationen ausgeblieben, die (naiv-utopische?) Hoffnung nach neuen Trends unerfüllt blieb. Biennale-Direktor Robert Storr hat weitgehend auf Sicherheit gesetzt. Auf große Namen, die bei keinem Stelldichein der Weltkunst fehlen dürfen (z. B. Lawrence Weiner, Jenny Holzer, Louise Bourgeois, Bruce Nauman). Die Arbeiten der arrivierten Stars enttäuschen nicht, aber der fehlende konzeptive Mut ist ein wenig enttäuschend. Vor allem im Arsenale. Wo einst vibrierender Laborcharakter vorherrschte, dominiert das Etablierte. Der Einfluss der großen Galerien scheint stärker geworden zu sein. Keine Flops, kein Kreativitäts-Tohuwabohu mehr. Auch nicht schlecht. Aber die "Aperto"-Ausstellungen waren weiland sinnlicher, spannender.S torr hat sich verstärkt der Dramen dieser Welt angenommen. Krieg, Terror, Ungleichheit. "Mit den Sinnen denken, mit dem Geist fühlen - die Kunst in der Gegenwart", lautete sein Motto. Und sparte viele Themen aus. Sexualität zum Beispiel. Einige Anklagen gegen die menschliche Zerstörungswut gehen unter die Haut, andere verärgern. Das perfekte Kriegsgräuel-Bildnis mit Schrägschnitt-Passepartout, im edlen Holzrahmen wirkt zynisch. Glatter Betroffenheitszwang als Ware. Gut vermarktbar. Für Sammler. Für den Konzernvorstand, der sich ein kritisches Image geben will. Mit dieser Ausbeutung von Not und Elend. Mal schauen, was die Documenta bringt.
Kultur
Der Standpunkt: Abgesichertesim Ex-Labor
11.06.2007 | SN
MARTIN BEHR






