Kultur

Die Kunstsammlung der Versicherer

08.11.2007 | SN
Das Leopold Museum zeigt tschechische Malerei aus zwei Jahrhunderten aus der Sammlung "Kooperativa" ERNST P. STROBL

Ernst P. Strobl Wien (SN). Sie haben die Möglichkeiten der freien Marktwirtschaft schnell erkannt. Der Fall des "Eisernen Vorhangs" war eine Wende, auch in Prag. Vorher gab es acht Antiquitätenhändler, in den Neunzigerjahren versuchten plötzlich an die 400 Händler ihr Glück. Dazu kamen Restitutionen im großen Umfang, auch aus den Beständen des Nationalmuseums. Wer Geld hatte, kaufte Kunst, und die "Kooperativa pojistovna", eine Tochter der Wiener Städtischen Versicherung, kaufte gleich in großem Stil. Seit 15 Jahren besteht die Sammlung dieser Versicherungsgruppe. Und als man den Sammler und Museumsdirektor Rudolf Leopold nach Prag einlud, konnte er sich aus 2000 Kunstwerken rund 120 aussuchen.

Am Mittwoch wurde im Leopold Museum in Wien eine Ausstellung mit tschechischer Malerei und Skulptur eröffnet, die sich über zwei Jahrhunderte erstreckt und auch eine Entwicklung klar macht: Waren in Zeiten der Monarchie die Künstler in Wien und Prag noch einander nahe, so orientierten sich nach dem Ersten Weltkrieg die Tschechen deutlicher als die Österreicher in Richtung Frankreich.

Der Ruhm des Jugendstilkünstlers Alfons Mucha reichte über Paris bis nach New York. Er darf in der Reihe der - hier zu Lande nur mit Ausnahmen bekannten - Künstler nicht fehlen. "Grund, Mucha, Capek . . ." nennt das Leopold Museum die bis 4. Februar geöffnete Schau.

Hervorragend gestaltete Landschaftsbilder aus dem 19. Jahrhundert mit markanten Stimmungen ragen oder Ansichten von Prag fallen auf. "Die Frau mit Gefäß" von Ludek Marold oder "Kinder im Buchenwald" von Václav Brozik bestechen auf Anhieb. Picasso färbte auf Maler wie Jindrich Styrsky oder Antonin Prochazka ab. Auffällig sind auch Skulpturen von Otto Gutfreund und ihre Entwicklung bis hin zum Kubismus. Woher diese Werke alle kommen? Man habe auch direkt bei Familien gekauft, sagte "Kooperativa"-Generaldirektor Vladimir Mraz, der sich offen zur "Investition mit gewissem Rückfluss" bekannte.

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