Heiligenkreuzer-Hof: "Ich bin keine Küche" – Nachlass Schütte-Lihotzky
Die Demokratie als Prinzip der Gestaltung
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Margarete Schütte-Lihotzky entwarf auch einen Stuhl. Dessen
Serienfertigung ist ein beherrschendes Element der Schau über die
österreichische Architektin. Foto: C. Bauer |
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Österreichs erste Architektin Margarete
Schütte-Lihotzky (1897–2000) umgibt nicht nur ein Mythos. Neben ihrem
Etikett, der in Zusammenarbeit mit Ernst May am Hochbauamt in Frankfurt
entwickelten Küche für berufstätige Frauen, "Frankfurter Küche"
genannt, gibt es viele andere beachtenswerte Taten und Werke.
Schütte-Lihotzky war eine der bekanntesten Widerstandskämpferinnen
gegen die Nationalsozialisten, was ihr ein Todesurteil eintrug, das in
eine Inhaftierung umgewandelt wurde. Seitens einiger Historiker wurde
Schütte-Lihotzky aber auch wegen ihres Bekenntnisses zum Kommunismus
kritisiert.
Die von ihr nach 1945 entworfenen Denkmäler für ihre Leidensgenossen
wurden von der Stadt Wien nie erbaut. Das gilt ebenso für Wohnbauten
und soziale Raumkonzepte. In Wien ist nur ein Kindergarten verwirklicht
worden und in Klagenfurt ein Verlagshaus.
Trotz internationaler Kontakte hat SchütteLihotzky ihren Nachlass dem Archiv der Universität für angewandte Kunst überlassen.
Mit diesem haben nun die Absolventen des postgradualen,
interdisziplinären ecm-Lehrgangs (exhibition and cultural communication
management), der allein vierzig erstrangige Gastvortragende anbietet,
die Ausstellung gestaltet. Nach mehreren Präsentationen des Werks der
Architektin werden neue Blickwinkel auf ihre Person gelenkt: Dazu
gehört die Frage, wer machte den Mythos, wie aktuell ist ihr
Ideengebäude zum sozialen Wohnen und wie relevant ist die Utopie vom
demo-kratischen Design für die Gegenwartskunst.
Schütte-Lihotzky hatte noch 1989 den "Ikea Award" für
menschengerechtes Massendesign erhalten – der Ikea-Stuhl "Ivar" wird
daher auch vom Absolvententeam Toledo i Dertschei statt Stellwänden als
Hängevorrichtung und Vitrine im Stapelverfahren genützt, was eine
schöne Metapher für die gezeigten Inhalte ist: Fotos, Pläne, Schriften
zu Politik, Architektur und private Dokumente sowie Teile ihrer
Bibliothek.
Die Spurensuche in künstlerischen Reaktionen, Hörstationen oder
Diskussionen des Begleitprogramms von Carola Dertnig, Edith Friedl über
Irene Nierhaus, Peter Noever bis Marlene Haring oder Marion von Osten
kommt auch im begleitenden Katalog zu dem spannenden Ergebnis, dass das
unabgeschlossene Projekt der klassischen Moderne heute noch relevant
ist.
Ich bin keine Küche.
Gegenwartsgeschichten
Aus dem Nachlass von Margarete Schütte-Lihotzky
Angewandte im Heiligenkreuzer-Hof
Zu sehen bis 25. Jänner
Spannende Spurensuche.
Samstag, 12. Jänner 2008
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