Westlicht zeigt mit "Magnum’s first" die erste Ausstellung der legendären Foto-Agentur aus dem Jahr 1955
Die kunstfertige Nähe zum Leben
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Unmittelbar, zugleich ausgewogen komponiert: Inge Moraths Porträt der
stattlichen Eveleigh Nash beim Buckingham Palace aus dem Jahr 1953.
Foto: Morath/Magnum Photos |
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Was die Fotogalerie Westlicht momentan zu
bieten hat, kann als Sensation gelten: Nach 52 Jahren wurde in zwei
Holzkisten, fein säuberlich verpackt, die erste Ausstellung der
berühmten Agentur "Magnum Photos" aus den Jahren 1955/56 wieder
entdeckt.
Nach einer Tour durch fünf österreichische Städte verwahrte sie das
Französische Kulturinstitut in Innsbruck im Keller – dort hat man sie
schlicht vergessen. Die Rückgabe der gut erhaltenen Originale
(Vintage-Prints) ermöglicht nun eine Korrektur der
Fotografie-Geschichte.
Revidierte Geschichte
Bis vor kurzem galt nämlich jene von Fritz Gruber 1956 für die
"photokina" in Köln konzipierte Ausstellung der Agentur als Start einer
von Henri Cartier-Bresson propagierten Initiative, nicht nur in
Zeitungen und Magazinen präsent zu sein, sondern durch weltweite
Auftritte in Galerien und Museen. Der Welterfolg kam dann 1959 mit
Edward Steichens "The World as Seen by Magnum Photographers" im Museum
of Modern Art von New York.
Dessen Restaurant war 1947 der Ort der Agentur-Gründung gewesen –
der Name Magnum, zwischen Champagnersorte und Handfeuerwaffe, stammte
von Kriegsreporter Robert Capa.
Die acht Fotografen sind heute vielfach ausgezeichnete Legenden, und
mit Inge Morath, Erich Lessing und Ernst Haas finden sich auch drei
Österreicher in der zweiten Mitglieder-Generation nach den Gründern
Capa und Cartier-Bresson.
Wider die Künstlichkeit
Auch die Franzosen Marc Riboud und Jean Marquis sowie der Schweizer
Werner Bischof waren dabei. Schwarzweiß und auf bunten Hartfaserplatten
aufgezogen sind die Fotos heute in verglastem Rahmen doppelt geschützt:
zu Recht. Der Wert dieser Serien ist unschätzbar hoch, selbst Lessing
erkannte bei der Eröffnung manche seiner Wiener Aufnahmen mit
spielenden Kindern im Belvedere- oder Rathauspark nicht mehr wieder: Es
sind Einzelstücke.
Auch im Westlicht wird wie 1955 mit einem Prolog aller begonnen, dem
die einzelnen Reportagen wie ein Reisebericht rund um die Welt folgen:
Authentisch, weg von jeder Künstlichkeit, aus dem Leben gegriffen und
mit viel Menschlichkeit, aber gleichzeitig einer ausgewogenen
Komposition – das war das Credo.
Egal ob Mahatma Gandhis letzte Tage, Totenfeiern von Cartier-Bresson
oder Robert Capas Tanzende im Baskenland: Es ging um dokumentarische
Nähe zum Leben, oder wie bei Inge Morath um Schnappschüsse der
versnobten Londoner Gesellschaft in Soho und Mayfair.
Magnum war keine Schule der Fotografie, aber hatte so etwas wie eine
gemeinsame Vision. Der Blick über den Eisernen Vorhang nach Ungarn von
Jean Marquis war ebenso kunstpolitisches Konzept wie die dalmatinischen
Eindrücke von Marc Riboud. Nur der – wie Capa – auf Fotoreise bereits
1954 verunglückte Bischof fällt mit einer Sujet-Mischung aus Peru,
Kambodscha und Japan ein wenig aus der Reihe.
Aber nur inhaltlich, nicht in der Qualität.
Magnum’s first
Fotogalerie Westlicht
http://www.westlicht.at
bis 15. Mai
Mittwoch, 09. April 2008
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