Ulrike Lienbacher

Zugerichtete Körper

von Markus Peherstorfer  |  22. Juli 2010, 07:00
  • Artikelbild: Leistungsbereitschaft, Leistungssteigerung, Konkurrenzdruck: Im Sport
sieht Ulrike Lienbacher einen Mikrokosmos gesamtgesellschaftlicher
Tendenzen. - Foto: Ulrike Lienbacher, Galerie Ursula Krinzinger

    Leistungsbereitschaft, Leistungssteigerung, Konkurrenzdruck: Im Sport sieht Ulrike Lienbacher einen Mikrokosmos gesamtgesellschaftlicher Tendenzen.

  • Artikelbild: Der Spiegel als Instrument der Selbstkontrolle: Ulrike Lienbacher macht
Betrachterin und Betrachter selbst zum Teil der Ausstellung. - Foto: Rainer Iglar, Salzburger Kunstverein

    Der Spiegel als Instrument der Selbstkontrolle: Ulrike Lienbacher macht Betrachterin und Betrachter selbst zum Teil der Ausstellung.


Im Sport drücken sich der Konkurrenzkampf und Leistungsdruck in der Gesellschaft besonders deutlich aus. Der Salzburger Kunstverein widmet dem Thema seine Sommerausstellung

Salzburg - Schlanke, athletische Frauenkörper in kurzen Hosen und Turnleibchen, in klaren, geradlinigen Strichen gezeichnet. Die Körper verharren in strengen Gymnastikposen, die Gesichter bleiben anonym. Es ist eine blitzsaubere Ästhetik, die Betrachterin und Betrachter der diesjährigen Sommerausstellung im Großen Saal des Salzburger Künstlerhauses umfängt. Eine monumentale Spiegelwand macht auch die BesucherInnen selbst zum Teil der Schau.

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Dass der Salzburger Kunstverein seine prestigeträchtigste Ausstellung, diejenige nämlich, zu der im Sommer das kunstbeflissene Festspielpublikum strömt, mit Ulrike Lienbacher an eine Salzburger Künstlerin vergibt, ist keineswegs selbstverständlich. Lienbacher thematisiert in "Elitekörper // Revolte" die Zurichtung, die Normierung des (in ihren Tusche- und Bleistiftzeichnungen stets weiblichen) Körpers auf eine gesellschaftlich konsentierte Idealform hin.

"Optimierung" des Körpers

Explizit feministisch ist ihre Position dennoch nicht. Lienbacher sieht den Sport als besonders fokussiertes Abbild der Gesellschaft: "Auch unser Alltag ist ja sehr stark von Wettbewerb geprägt", sagt sie, es gehe in immer mehr Lebensbereichen um die Frage "Wer ist gut, wer ist besser, wer ist der Beste?", um Fragen der "Optimierung". Unter den Tisch fielen dabei häufig jene Menschen, die nicht mitkönnen, die auf der Strecke bleiben.

Durch die Spiegelwand werde die gesamte Ausstellung zu einer Art Installation. "Der Spiegel ist ja ein Element der Selbstkontrolle, der Selbstdisziplinierung", sagt Lienbacher - und die spiele gerade im Sport eine wichtige Rolle. Expliziter werden die Verbindungslinien zwischen Sport und gesamtgesellschaftlicher Lebenswelt in zwei Videos, die ein Interview und eine Coaching-Sitzung mit einem Sportpsychologen zeigen. "Für mich war es sehr bezeichnend, dass er dabei Begriffe verwendet wie 'Ausnahmezustand' oder 'Alarmbereitschaft'", erzählt Lienbacher.

Keine Anleitung zur Revolte

Ein weiteres Video, das ein Zwillingspaar beim Lauftraining zeigt, führt für Lienbacher "den Wettbewerbsgedanken fast ad absurdum". Und die "Revolte"? Die findet sich höchstens in subtilen Andeutungen von Momenten der Schwäche, des Loslassens im "Hinterhof" hinter der Spiegelwand. "Ich habe nicht die Absicht gehabt, hier eine Anleitung zur Revolte zu geben", sagt die Künstlerin. Die "Frage des Ausbrechens und des Widerständigseins" müsse sich ohnehin jedeR für sich selbst klären.

Eine Fotoserie über Aktmalerei verweist schließlich auf ein weiteres Thema in Lienbachers Werk. Die Fotos, die Modelle und Studierende im Aktsaal an der Akademie der bildenden Künste in Wien zeigen, sind als Teil eines größeren Projekts entstanden, das sich der Rolle der Nacktheit in der Gesellschaft widmen soll. (Markus Peherstorfer, dieStandard.at, 22.07.2010)


"Elitekörper // Revolte" von Ulrike Lienbacher ist noch bis 12. September im Großen Saal des Salzburger Künstlerhauses (Hellbrunner Straße 5) jeweils von Dienstag bis Sonntag zwischen 12 und 19 Uhr zu sehen. Ein Kunstgespräch mit Ulrike Lienbacher findet am 4. August um 19:30 Uhr statt.

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Salzburger Kunstverein 

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