| Kultur/Medien | 20.08.01 | www.DiePresse.at |
Die Kunst im Feld: Ei, ei, ein (rosa) Ei!
In Niederösterreich hat die Kunst im öffentlichen Raum ein eigenes Budget - und millionenteure Museumsstücke vorzuzeigen.
"Ah, des Ei meinen Sie - da müssen's den Feldweg da
vorn rechts fahren. Dort liegt's dann gleich." Skeptisch schaut der Bauer aus
Stronsdorf im Weinviertel den neugierigen "Städtern" nach, die sich auf die
Suche nach einem großen rosa Ei gemacht haben, das der österreichische Künstler
Franz West dort vor vier Jahren in ein Feld gelegt hat.
Diese
"Wald-und-Wiesen-Suche" nach zeitgenössischer Kunst zahlt sich in
Niederösterreich aus. Etwa 300 Projekte wurden hier in den vergangenen zehn
Jahren verwirklicht. Die Spanne reicht von Skulptur über Stadtmöblierung,
Gestaltung von Plätzen und Mahnmalen bis zu temporären Installationen. Diese in
Österreich beispiellose Anhäufung von Outdoor-Kunst - und zwar von
internationaler Qualität - wurde durch die österreichweit einzigartige
Rechtslage in Niederösterreich ermöglicht: Durch eine Änderung des
Kulturförderungsgesetzes 1996, gibt es ein eigenes Budget für Kunst im
öffentlichen Raum.
Die Gelder sind nicht mehr wie bei der klassischen
Kunst-am-Bau-Regelung prozentuell an ein Bauvorhaben gebunden. Pro Jahr stehen
für diese Initiative etwa zwölf Millionen Schilling zur Verfügung mit denen
jeweils um die 25 Projekte verwirklicht werden.
"Manche Bürgermeister
glauben, sie können uns linken - kassieren die Unterstützung und wollen dann
einen Muhr-Brunnen", erzählt Katharina Blaas, Verantwortliche der Initiative
"Kunst im öffentlichen Raum" der Niederösterreichischen Landesregierung.
Aber
der Weg bis zur Ausführung soll Qualität garantieren: Ein Bürgermeister wendet
sich, um Unterstützung für eine künstlerische Gestaltung in seinem Ort zu
bekommen, an die Initiative für Kunst im öffentlichen Raum der Landesregierung
von Niederösterreich. Eine achtköpfige Expertenjury von Künstlern, Architekten
und Theoretikern lädt darauf Künstler aus In- und Ausland zum
Wettbewerb.
Gemeinden zahlen mit
Das Siegerprojekt wird der
betroffenen Gemeinde vorgestellt, kann vom Bürgermeister angenommen aber auch
abgelehnt werden - denn die Gemeinde finanziert auch mit.
So kommt es, daß
millionenteure Museumsstücke renommierter Künstler in Niederösterreichs
Landschaft zu entdecken sind: Valie Exports Erinnerungsstätte Allentsteig, Jenny
Holzers "Monument für den Frieden von Erlauf" oder Tony Craggs "Kristallmantel"
in Krems. "Mit unserem Budget können wir punktuell sehr gute Projekte
realisieren, die Sinn und Wert haben", so Blaas. Die Kunst im ländlichen Raum
erfüllt - effizienter als im kunstgesättigten Stadtgebiet - auch die Aufgabe der
Vermittlung zeitgenössischer Kunst, sie führt zu heftigen Diskussionen und
überraschender Akzeptanz in der Bevölkerung.
Umstritten war etwa ein Stück
Autobahn, daß in Paarsdorf, nahe Mistelbach, in ein Feld versenkt wurde.
"Archäologie einer Autobahn" nennt sich diese Installation, denn in dieser
Gegend wurde von Hitler eine Autobahn geplant. Vor sechs Jahren von der
Bevölkerung scharf kritisiert, werden heuer Interessierte busweise dorthin
gebracht. "Vor der Realisierung kriegen die Leute immer die Panik - nachher sind
sie glücklich", kommentiert Blaas die gewohnten Kontroversen im Vorfeld. Und:
"Wir wollen keinen Event, der einmal einschlägt. Unsere Arbeit wirkt sehr sanft
und braucht Jahre bis sie Früchte zeigt."
Neben der sogenannten "Bauschiene",
bei der es um fixe Gestaltungen geht, werden aus dem Pool auch temporäre
Ausstellungen finanziert. Alle zwei Jahre werden die Projekte in einem Buch
dokumentiert. Das nächste erscheint im Frühjahr 2002. Gemeinsam mit
österreichischen Kunsthochschulen wurde auch ein Werbefilm für "Kunst im
öffentlichen Raum" gedreht, der bald als Vorspann im Kino zu sehen sein wird.
Aber nicht nur in Österreich wird die Initiative beachtet: Die erste europäische
Website für Kunst im öffentlichen Raum widmet ihr heuer ein Sommerspecial, das
im Moment leider ausführlicher informiert als die sich gerade in Arbeit
befindende hauseigene Homepage.
http://www.publicart.at/
http://www.art-public.com/