| "Atemraubende Schändlichkeit" | |
|
Günther-Lothar Buchheim und das Chemnitzer Schlossbergmuseum liegen im Zwist. Der Autor und Maler hat seine Ehrenbürgerschaft zurückgelegt.
|
Das Schlossbergmuseum in Chemnitz hat die umstrittene
Ausstellung mit Kriegsbildern des Malers und Schriftstellers
Lothar-Günther Buchheim abgesagt. Grund seien jedoch nicht die
öffentlichen Auseinandersetzungen um die Kommandantenbilder des Künstlers.
"Wir verteidigen die Ausstellung nachdrücklich", sagte Museumsdirektor
Thomas Schuler am Donnerstag. Buchheim selbst habe die Absage zu
verantworten, weil er am Montag unerwartet die Katalogtexte in nicht
vertretbarer Weise geändert und zudem mehr Geld gefordert habe. Wütender Buchheim Als Reaktion auf die Absage der Ausstellung hat Buchheim die von seiner
Heimatstadt Chemnitz verliehene Ehrenbürgerwürde zurückgegeben. Die Absage
sei eine "atemraubende Schändlichkeit", die er von seiner Heimatstadt
Chemnitz erfahre, sagte der Maler der dpa. "Ich gebe die Ehrenbürgerwürde,
die ich von Chemnitz empfing, an diese Stadt zurück. Die Urkunde schicke
ich per Post", erklärte er. Gleichzeitig wies er die Absagebegründung als
"verlogen" zurück. Streit um Katalog "Wir hatten schon einen Konsens erzielt gehabt", meinte hingegen
Schuler. Als Buchheim am Montag jedoch die Korrekturfahnen für den Katalog
zurückgesandt habe, fehlte plötzlich rund die Hälfte des Textes. Vier von
fünf historischen Passagen habe Buchheim gestrichen. "Das ist für uns
völlig inakzeptabel", sagte der Museumsdirektor. Die Texte seien unbedingt
nötig zum Verständnis und zur Einordnung der 70 Werke Buchheims, darunter
auch die umstrittenen sieben Kommandantenbilder. "13 Tage vor
Ausstellungseröffnung ist so etwas nicht mehr mit Anstand zu bewältigen",
meinte Schuler. "Kein politischer Druck" Außerdem habe Buchheim, so das Museum, weitere finanzielle Forderungen
gestellt. "Es handelt sich nicht um gewaltige Summen", sagte der
Museumsdirektor. Sie seien aber dennoch so hoch, dass über sie nicht
sofort habe befunden werden können. Die Entscheidung zur Absage der
Ausstellung fiel laut Schuler in der vergangenen Nacht.
bilder und Buchheims Vergangenheit und Rolle während des Zweiten Weltkriegs habe sie definitiv nichts zu tun. "Es ist auch in keiner Weise politischer Druck ausgeübt worden," betonte er. Unter anderem hatte das ARD-Magazin Titel, Thesen, Temperamente den Ausstellungsmachern eine
romantisierende Darstellung des Krieges vorgeworfen. Dies könnte dazu
führen, dass die Ausstellung zum Anziehungspunkt für Rechtradikale werde,
so das ARD-Magazin. Keine Kriegsverherrlichung Buchheim wies die Vorwürfe der Kriegsverherrlichung zurück. Der
Printausgabe der Süddeutschen Zeitung (Donnerstagausgabe) sagte er: "Ich
finde es absurd, dass Erfahrungen und Beobachtungen aus dem Krieg, die in
meinen Büchern und in dem Film 'Das Boot' international akzeptiert worden
sind, in meinen Zeichnungen nun plötzlich als kriegsverherrlichend
diffamiert werden." Museumsdirektor Schuler sagte, das Museum habe die
Vorwürfe erwartet. Deshalb habe das Museum die Schau auch nach bestimmten
Strategien entwickelt. So sei die Ausstellung "Lothar-Günther Buchheim: Im
Krieg" mit umfangreichen Erläuterungen geplant worden. Neben zahlreichen
Dokumenten und Zeitschriften sollten auch Passagen aus den literarischen
Werken Buchheims gezeigt werden. Verschoben bis unbekannt "Wir wollten einen Dialog zwischen den Bildern und seinen Büchern
eröffnen", sagte Schuler. Hinzu komme, dass die Ausstellung nur Teil einer
Trilogie sei, in der sowohl Buchheims Frühwerk als auch das Schaffen
seiner Mutter Charlotte behandelt werde. Die Ausstellung über Buchheims
Kriegsbilder, die am 21. Januar eröffnet werden sollte, ist bis auf
weiteres abgesagt. Ersatz gebe es derzeit nicht. Sollte Bucheim jedoch
damit einverstanden sein, wolle das Schlossbergmuseum die Schau zu einem
späteren Zeitpunkt präsentieren. "Die Ausstellung ist es wert, gezeigt zu
werden", sagte Schuler. | ||||