Salzburger Nachrichten am 4. Februar 2006 - Bereich: Kultur
Adele weicht am Montag

Klimt, Schiele und Gerstl kontra Kokoschka, Rainer, Wotruba und junge Kunst. Das Obere Belvedere in Wien widmet jedem seiner zwei Flügel ein Jahrhundert.

Hedwig KainbergerWIEN (SN). In einem Flügel der Österreichischen Galerie im Oberen Belvedere in Wien heißt es an diesem Wochenende Abschied nehmen: Die "Dame in Gold", das kostbare Porträt von Adele Bloch-Bauer, das Gustav Klimt 1907 gemalt hat, ist nur noch bis morgen, Sonntag, zu besichtigen. Dann wird es mit den anderen vier Bildern ("Adele Bloch-Bauer II", "Der Apfelbaum", "Buchenwald" und "Häuser in Unterach am Attersee") abgehängt, um an die Erben übergeben zu werden. "Wir wissen noch nicht, wann und von wem sie abgeholt werden", doch erwarte er, dass dies schnell entschieden werde, sagte der Direktor der Österreichischen Galerie, Gerbert Frodl, am Freitag in einer Pressekonferenz. In diesem Trakt bleiben mehrere Klimt-Bilder wie "Der Kuss" sowie Meisterwerke des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts, etwa von Egon Schiele oder Richard Gerstl.

Im anderen Flügel wird heute, Samstag, Eröffnung gefeiert. Die Sonderausstellung ist österreichischer Kunst nach 1918 gewidmet. Aufgabe der Österreichischen Galerie sei seit je, neue Kunst zu sammeln, erläuterte Frodl. Dies sei auch im 20. Jahrhundert konsequent verfolgt worden, doch sei seit vielen Jahren nicht mehr die Gelegenheit gewesen, in den Schauräumen einen Überblick über zeitgenössische Kunst zu geben.

Neue Ankäufe seien derzeit wegen Geldmangels kaum mehr möglich, sagte Frodl den SN. Denn die Bundessubvention von 4,4 Mill. Euro pro Jahr sei seit sechs Jahren eingefroren und werde mittlerweile zur Gänze für Gehälter benötigt.

Zweck der neuen Ausstellung ist es nicht nur, bisher verborgene Schätze - darunter "Bilder mit Ikonenstatus", wie Kurator Franz Smola erläuterte - aus den Depots zu heben, sondern jene Substanz zu zeigen, die künftig im "Zwanzger Haus" zu sehen sein wird.

Dieses Gebäude nahe dem Südbahnhof hatte Karl Schwanzer als österreichischen Pavillon für die Weltausstellung 1958 in Brüssel entworfen. 1962 wurde es am heutigen Standort als Museum des 20. Jahrhunderts errichtet. Nun wird es nach Plänen des Architekten Adolf Krischanitz renoviert und unterirdisch erweitert. Die "dritte Eröffnung" des "Zwanzger Hauses" ist für 2008 vorgesehen, wenn die Neugestaltung des Südbahnhofs und des umliegenden Areals zu einem neuen Wiener Stadtviertel beginnt.

Zu entdecken sind in der neuen Ausstellung Werke von Fritz Wotrube, Arnulf Rainer, Max Weiler, Markus Prachensky oder Josef Mikl ebenso wie von der Künstlergruppe Gelatin, von Esther Stocker, Lois Renner oder Markus Schinwald.