Ende Oktober endet die Zusammenarbeit von
Nationalratspräsident Andreas Khol und Peter Pakesch, Direktor des
Kunsthauses Graz am Joanneum. Seit 2003 hatte Pakesch als Kurator
mehrere Ausstellungen in den Sitzungssälen des Parlaments in
Zusammenarbeit mit Galerien initiiert und namhafte Positionen
ausgewählt. Kriterium für Präsentationen war die Präsenz durch eine
Schau in einer der bekannten Kunstinstitutionen des Landes. Nach Eva
Schlegel, Adriana Czernin, Maria Lassnig oder Esther Stocker sind dies
nun bis April 2007 Josef Dabernig, Daniel Hafner, Ulrike Lienbacher,
Alois Mosbacher und Elisabeth Penker.
Das Parlament kann dabei durch die
Margaretha-Lupac Stiftung immer eine Arbeit für die wachsende Sammlung
des Hauses ankaufen: Zuletzt war das ein großes Öl-Acryl-Gemälde der
Georg-Eisler-Preisträgerin Maja Vukoje, zuvor Johanna Kandl, deren
Temperabild derzeit an das Lentos in Linz geliehen wird. Einige Werke
hängen schon als künstlerische Wegweiser in den Gängen des Hauses und
sind auch Blickfang für die 120.000 Besucher, die pro Jahr das
Parlament besuchen. In die Architektur von Theophil Hansen mit ihrer
zeitlosen Qualität fügt sich die Gegenwartskunst kongenial.
Hoffnung für später
Die derzeitige Zusammenstellung macht Hoffnung auf eine Fortsetzung
unter der nächsten Präsidentschaft. Fotografie, Computerkunst, Malerei,
Zeichnung und Skulptur weisen auf die Vielfalt der Werkstoffe in der
Gegenwartskunst. Elisabeth Penker, parallel im Kunsthaus Graz zu sehen,
baut schwarzweiße Objekte aus bemaltem Holz, die in ihrer seriellen und
geometrischen Anordnung auf Bezüge zum Performativen und auf die Musik
hinweisen.
Noch jünger ist Daniel Hafner mit seinen am Computer komponierten
digitalen Drucken "Morphosentransformationen" von 2006. Linienraster
und Raumkonstruktionen in subtiler Farbigkeit verbinden Tendenzen der
frühen Op-Art mit dem Cyber-Lab.
Um konstruierte Realitäten geht es auch in den großformatigen
Ölbildern von Alois Mosbacher, dem bekannten Vertreter der "Neuen
Wilden" der Achtzigerjahre in Österreich. Wanderer in Wald und Wiese
erzählen die Geschichten alternativer Welten, die sich mancher in der
Gesellschaft als Parallele konstruiert.
Zwei Fotofriese von Josef Dabernig bilden jeweils ein Panorama von
öffentlichen Plätzen, auf denen es zum einen um Fußball geht. Zum
anderen ist der Rundblick in das Oval einer scheinbaren Arena auch eine
Art Sehschule für die Betrachter. Ein sozialer Befund ist die dritte
Bedeutungsebene.
Ulrike Lienbacher, die heuer mit einer großen Schau im Innsbrucker
Taxispalais ihre Karriere fortsetzt, ist mit ihren feinlinigen
Tuschezeichnungen den kleinen, oft unsichtbaren Zwängen in unserer
Gesellschaft auf der Spur. Im Lokal II des Parlaments stellt sie zwar
nicht ihre Objekte und Fotos, aber einige großformatige Blätter mit
Frisurenvariationen neben teils fragmentierten Frauenkörpern im Umgang
mit Schmutz und Hygiene, aber auch Fitnesskult aus.
Disziplinierung und Kontrolle betreffen in der Öffentlichkeit
besonders den weiblichen Körper: Sauberkeitsmechanismen weisen auch auf
Vorstellungen von wertvoll und minderwertig hin. Ihre Transformationen
enthalten wie die Themen der anderen subtile Kritik und sind daher vom
Kurator überlegt positioniert.
Zeitgenössische Kunst
im Parlament
Bis April 2007
Kurator: Peter Pakesch
Konfrontationen.
Dienstag, 10. Oktober 2006