LONDON, SAN FRANCISCO (SN-gö). Eine Umgebung kann durch Fotos, Filme, Geräusche oder mit Worten dargestellt werden. Einen neuen Zugang hat der Brite Christian Nold gefunden: Er erstellt "Gefühls-Landkarten". Die bizarren Landschaftsgemälde mit schroffen Gipfeln und Tälern entstehen mit Hilfe moderner Mobiltechnik.
Nold stattet Probanden auf Stadtrundgängen mit GPS-Geräten und Lügendetektoren aus. Die Detektoren messen Herzschlag, Blutdruck und Hautwiderstand. Mit diesen "Gefühlskurven" werden die geografischen Positionsdaten kombiniert. Das Ergebnis sind vielzackige Polygraphen. Wo Aufregendes, Spannendes oder Erschreckendes passiert ist, schlägt die Kurve nach oben aus. In Zonen mit ausgeglichenen Gefühlen fällt sie ab.
Nold versteht sein Konzept als neuen Zugang für Kunst im öffentlichen Raum. Dieser ist bei "Emotional Mapping" nicht unmittelbar zu sehen. Das Erleben der Testpersonen macht einen Stadtteil aber auf eine andere Weise sichtbar: "Karten waren immer schon subjektiv", gibt der Brite zu bedenken und verweist auf verzerrende Weltkarten, die etwa Afrika kleiner machen, als es tatsächlich ist.
San Francisco wurde als jüngste "Emotional Mapping"-Region wegen des Interesses einer Galerie ausgesucht. "Southern Exposure" wählte Christian Nold aus mehr als 300 Künstlern aus, die sich mit Kunst im öffentlichen Raum beschäftigen. Zuvor waren Industrieregionen in Bangladesh oder das Brüsseler Rotlichtviertel gefühlsmäßig kartografiert worden.
Auch Behörden, Immobilienhändler und Tourismus-Betriebe versprechen sich Nutzen von dieser Idee. "Emotional Mapping" wird in London derzeit dahin gehend angepasst, dass die gefühlte Angst vor Kriminalität in bestimmten Stadtteilen mit dem tatsächlichen Geschehen verglichen wird. Stadtplaner und Architekten würden gerne erkunden, welche Emotionen ihre Kreationen auslösen. Allerdings ist die Gerätschaft nicht so ausgeklügelt, wie man meinen könnte: Häufig sei es Interpretationssache, ob ein Emotionsgipfel Angst oder Glück anzeige, sagt Nold. Diese Lücke wird durch Kommentare der Nutzer geschlossen. Da heißt es etwa: "Wundervoller Duft strömt aus den indischen Restaurants."
Begonnen hat Nold mit zweidimensionalen Darstellungen von Spaziergängen durch Londons Parks mit roten und grünen Punkten als Markierungen. Dreidimensional lässt sich die Karte auf das Luftbild-Programm Google Earth projizieren. Je mehr Personen sich beteiligen, desto dichter wird die Gefühlskarte. "Ich hoffe auf einen Partner, der die vielen Daten auswertet, die ich bereits gesammelt habe. Interessant wäre es, den Menschen die Geräte für einige Zeit im Alltag mitzugeben. Da könnten interessante Ergebnisse herauskommen", sagt Nold.
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